Eishockey

EC Bad Nauheim: Stolz trotz Enttäuschung nach Playoff-Aus

Null Tore waren zu wenig, 32 Strafminuten zu viel. Der EC Bad Nauheim hat sich mit einer 0:3 (0:0, 0:1, 0:2)-Niederlage in Spiel fünf der Viertelfinal-Serie bei den Ravensburg Towerstars aus der Saison 2015/16 verabschiedet; aus der erfolgreichsten Spielzeit seit zwölf Jahren – und das nach einer aufopferungsvollen Leistung.
20. März 2016, 22:53 Uhr
3a SPO LSPORT 221 - B_141644_1
Enttäuschung pur: Bad Nauheims Harry Lange tröstet den Goalie Jan Guryca, der gestern bei seinem erst zweiten Einsatz von Beginn an erneut stark hielt. (Foto: Enderle)

»Danke für die geile Saison« war auf einem Banner zu lesen, das die etwa 150 mitgereisten Fans der Roten Teufel nach der Schlusssirene im Gäste-Block hochgehalten hatten. »Die Jungs haben alles gegeben. Ich bin sehr stolz auf das Team, das 57 Spiele lang gekämpft hat und dadurch vielleicht am Ende ein bisschen müde war«, sagte RT-Trainer Petri Kujala, dessen Mannschaft dem Gastgeber im Spiel Fünf-gegen-Fünf durchaus ebenbürtig war. Zu oft (und mitunter auch zu einfach; gerade für ein Playoff-Spiel) leisteten sich die Hessen Strafzeiten, die kräftezehrend zu überstehen waren, und hatten offensiv einfach nicht das nötige Quäntchen Glück.

Würde Bad Nauheim den Kraftakt vom Freitag wiederholen können? Gegenüber dem Heimspiel vom Freitag fehlte Marc Kohl (krank), dafür tauchte Hagen Kaisler als siebter Verteidiger auf dem Spielberichtsbogen auf. Mikko Rämö, der Torwart, wurde erneut von Jan Guryca vertreten, der abermals mit einer starken Leistung seiner Mannschaft alle Türen offen hielt.

Bad Nauheim präsentierte sich im ersten Abschnitt ebenso konzentriert wie bissig und unbequem, im Spiel nach vorne konnten die Gäste immer wieder Nadelstiche setzen. Im Spiel Fünf-gegen-Fünf neutralisierten sich beide Reihen weitgehend, doch gaben insgesamt fünf Hinausstellungen in den ersten
20 Minuten den Spielern und Zuschauern wenig Zeit zum Durchschnaufen. Den Offensivaktionen der Towerstars fehlte es vor der ersten Drittelpause an Präzision. Die Roten Teufel verteidigten gut, bekamen immer wieder einen Schläger dazwischen und hielten – wie erhofft – zur ersten Sirene ein zu Null.

Im zweiten Abschnitt haderten die Hessen mehr und mehr mit Hinausstellungen. Alleine acht Strafen wurde in den zweiten 20 Minuten gegen den Gast ausgesprochen – und dabei wieder im Fokus: Mathieu Tousignant. Am Freitag hatte der Kanadier im Trikot der Oberschwaben in einer einzigen Szene gleich drei Rote Teufel auf die Strafbank wandern lassen, diesmal holte er alleine in den letzten beiden Minuten des zweiten Drittels sechs Strafminuten gegen die Hessen heraus. Zu diesem Zeitpunkt führte Ravensburg mit 1:0. In der 35. Minute hatte Gerstung im eigenen Verteidigungsdrittel nicht konsequent geklärt, über Roloff und Schmidt kam die Scheibe zu Austin Smith, der den Führungstreffer der Towerstars erzielte. Die Fans der Hausherren waren angesichts des bis dato fehlenden Erfolgserlebnisses bereits unruhig geworden. Nick Dineen handelte sich für’s Reklamieren eine zehnminütige Disziplinarstrafe ein. Das Offensivspiel glich angesichts der permanenten und oft auch zu leicht verschuldeten Unterzahl mehr der Entlastung.

Hatte Bad Nauheim im Schlussabschnitt nun noch Kraft, die Partie zu drehen? Die Roten Teufel steckten viel ein und nie auf. Zwar glich das zweite Gegentor, das Stephan Vogt in der 47. Minute erzielen konnte, einer gefühlten Vorentscheidung, doch hatten die Gäste sechs Minuten vor dem Ende auch noch einmal ein Powerplay. Und wer weiß, welche psychologische Rolle der Anschlusstreffer gespielt hätte? Bad Nauheim blieb allerdings torlos und kassierte einen Empty-Net-Treffer durch Austin Smith.

Ravensburg Towerstars: Nemec – Sezemsky, Dück, Keller, Slavetinsky, Langwieder, Kapzan – Smith, Roloff, Schmidt, Carciola, Tousignant, MacLean, Krestan, Brandl, Vogt, Klinger, Detsch, DePaly.

EC Bad Nauheim: Guryca – Gerstung, Johansson, Laurila, Keussen, Ketter, Baum – Cameron, Dineen, Frosch, Aab, Helms, May, Pauli, Lange, Alanov, Strauch, Lascheit, Niederberger.

Steno: Tore: 1:0 (35.) Smith (Schmidt, Roloff), 2:0 (47.) Vogt (Krestan), 3:0 (60.) Smith (MacLean, Roloff – Empty Net) – Schiedsrichter: Florian Zehetleitner/Alexander Singer. – Strafminuten: Ravensburg 10, Bad Nauheim 22 plus zehn Minuten (Dineen). – Zuschauer: 2556.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-wz/eishockey/Eishockey-EC-Bad-Nauheim-Stolz-trotz-Enttaeuschung-nach-Playoff-Aus;art1834,110755

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung