18. Januar 2021, 16:00 Uhr

Handball

Einmal mehr Ungewissheit für HSG Gedern/Nidda

Die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda hängen weiter in der Luft. Der Trainingsbetrieb läuft auf freiwilliger Basis. Der angepeilte Aufstieg dürfte erst mal kein Thema mehr sein.
18. Januar 2021, 16:00 Uhr
Wann Trainer Christian Breiler mit seinen Spielerinnen von der HSG Gedern/Nidda wieder auf der Bank bei einem Drittliga-Spiel sitzen kann, ist derzeit noch ungewiss. FOTO: IMAGO

Auch wenn der Spielbetrieb weiterhin ruht, zur Ruhe kommt Martin Schindler, der Vorsitzende der HSG Gedern/Nidda, auch in diesen Tagen nicht. Videokonferenzen hier, Papierkram da - es gibt viel zu tun bei der 2000 gegründeten Spielgemeinschaft, die mit ihrem Damenteam in der 3. Handball-Liga Mitte eigentlich ein Wörtchen in Sachen Zweitligaaufstieg mitreden wollte.

Doch nach zwei Siegen aus zwei Spielen zum Auftakt ruht der Spielbetrieb wegen der Einschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie seit Anfang November. Immerhin trainieren dürfen die Frauen aus dem Osten der Wetterauer dank einer Genehmigung des hessischen Innenministeriums - schließlich werden die ersten drei Ligen dem Profitum zugeordnet. Allerdings hat die HSG aus Rücksicht auf die Spielerinnen und deren persönlichen Hintergrund eine Teilnahme unter Freiwilligkeitsvorbehalt gestellt.

Wie es sportlich weitergeht, war in der vergangenen Woche erneut Thema einer groß angelegten Videokonferenz mit Staffelleitung und dem Deutschen Handball-Bund (DHB). Eine Entscheidung soll erst kurzfristig und infolge der nächsten Beratungen zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder verkündet werden. Klar ist: Eine reguläre Saison wird es nicht mehr geben. Denkbar sind entweder eine Einfachrunde ab Anfang März oder ein freiwilliger Liga-Cup nach regionalen Gesichtspunkten bzw. eine Aufstiegsrunde. »Inwieweit das haltbar ist, wird die weitere Entwicklung der Pandemie zeigen«, erklärt Schindler. »Aus meiner Sicht ist es sehr wahrscheinlich, dass es nicht bis 1. März losgeht. Dafür sind die Unterschiede in den einzelnen Bundesländern zu groß.« Fest steht: Auf- und Abstieg in die und aus der 2. Liga sollen ebenso sichergestellt werden, wie der Aufstieg aus der Oberliga in die 3. Liga. Einen Abstieg aus der 3. Liga soll es dagegen nicht geben.

Aufstieg eher »perspektivisch«

Sein Klub würde sich - wenn das Team das wolle - in jedem Fall an einem Liga-Cup beteiligen: »Wir sehen das als gute Sache an, wieder mit etwas Wettkampfcharakter spielen und uns dabei präsentieren zu können«, sagt Schindler. »Dass wir trainieren und dann spielen könnten, wäre in jedem Fall ein Privileg.«

Das Thema Aufstieg scheint dagegen in weite Ferne gerückt zu sein. »Wir haben uns wirtschaftlich noch keine Gedanken im Detail gemacht, aber sportlich ist das ad hoc sicher schwer. Als Aufsteiger hat man es ja ohnehin schwer, aber wir haben dann fast ein Jahr nicht gespielt, während unsere neuen Gegner eine fast normale Runde absolviert haben«, erklärt Schindler, dessen Team im vergangenen Sommer zudem einen kleinen personellen Umbruch zu verdauen hatte. Auch wirtschaftlich wäre die zweithöchste Spielklasse eine andere Kragenweite: 30 000 Euro Bürgschaft müssten hinterlegt werden, eine Saison mit Personal- und Reisekosten würde mit etwa 150 000 Euro zu Buche schlagen, rechnet Schindler vor: »Da muss man realistisch bleiben und das eher perspektivisch angehen.« Eine endgültige Entscheidung soll gemeinsam mit dem Team aber erst getroffen werden, nachdem Politik und Verband für klare Verhältnisse gesorgt haben.

Corona-Schnelltests für alle Teams?

Derweil wird - egal wie es weitergeht - über den Einsatz von Corona-Schnelltests zur Sicherstellung eines möglichst risikoarmen Ligabetriebs diskutiert. Laut Schindler gibt es beim DHB Gedankenspiele, jede Akteurin einmal wöchentlich sowie vor jedem Spiel zu testen - allein schon als Testlauf mit Blick auf die nächste Spielzeit, in der das nötig werden könnte. Die Kosten dafür sollen vom Verband (mit-)getragen werden - unter Einsatz der Erlöse aus der TV-Vermarktung der aktuell laufenden Handball-Weltmeisterschaft der Männer in Ägypten. »Das ist natürlich ein Batzen Geld, aber es sind auch insgesamt 140 Vereine betroffen«, meint Schindler - und rechnet vor: »Aber für die Vereine wäre das tragbar, wenn der DHB beispielsweise die Hälfte übernimmt und noch einen Regierungszuschuss bekommt.«

Den hatte sich die HSG Gedern/Nidda auch vom Land erhofft, doch »der Teufel steckt im Detail«, wie Schindler erzählt. Um an den Corona-Hilfen für Sportvereine partizipieren zu können, braucht es einen fest angestellten Mitarbeiter. Den hat die HSG zwar in Person von Trainer Christian Breiler, der aber über den TV Nidda als einer der beiden Stammvereine der HSG läuft. Als Folge wäre auch nur eine Erstattung der Hälfte der Kosten möglich gewesen, doch eine Prüfung bei einem Steuerbüro - das auch hätte den Antrag stellen müssen - ergab, dass der Aufwand den Ertrag nicht gerechtfertigt hätte. Auch Hilfen vom Bund als Ersatz für Zuschauereinnahmen gab es bislang nicht - die HSG hatte schlicht keine Heimspiele, um etwas geltend zu machen. Ob eine Erstattung bei einem etwaigen Liga-Cup oder reinen Aufstiegsspielen möglich wäre, ist unklar. Schindler ist sich trotzdem sicher: »Wir werden diese Krise schon überstehen.«

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