28. November 2020, 12:00 Uhr

Verlängerung Lockdown

Ein langer Winterschlaf

Ob Team- oder Einzelsport, Kinder oder Senioren, im Freien oder unterm Dach - für Amateure ist der Wettkampf weiter untersagt, Training findet nur ausnahmsweise statt. Was sagen Wetterauer?
28. November 2020, 12:00 Uhr
Zum Sport wird am Mittwoch in Berlin nur wenig gesagt. Demnach bleibt alles beim Alten. Profis und Kaderathleten dürfen trainieren und auch Wettkämpfe bestreiten. Amateursport findet grundsätzlich nicht statt. In Ausnahmefällen dürfen aber auch Amateure die Hallen und Sportplätze nutzen. Wer im Freien alleine oder zu zweit seine Joggingrunde drehen will, kann das auch weiterhin tun. (Foto: Avanti/Ralf Poller via www.imago-images.de (www.imago-images.de))

Während der lange wettkampffreie Winter für die meisten Sportler schon seit Beginn des Lockdowns vor vier Wochen beschlossene Sache war, machte die Aufrechterhaltung der Corona-Maßnahmen auch die Hoffnung auf beinahe jeglichen Trainingsbetrieb zunichte. Übungseinheiten in Gruppen sind auch im Dezember nicht möglich. Viele Gemeinden halten ihre Hallen und Sportplätze ohnehin geschlossen. In der Wetterau herrscht - trotz der Entbehrungen - aber größtenteils Verständnis für die Verlängerung des Lockdowns.

Beate Dietz (TSV Nieder-Mörlen): Als Vorstandsmitglied und Übungsleiterin der Trampolin-Turnerinnen und Turner in der Bad Nauheimer Vorstadt liegt Beate Dietz vor allem das Wohl der Kinder und Jugendlichen am Herzen. Sie ist mit der Verlängerung des Lockdowns so gar nicht einverstanden und hätte sich mehr Differenzierung gewünscht. »Wir hatten nach der Pause im Frühjahr gleich im ersten Training drei Verletzungen beim Aufwärmen«, warnt sie vor zu viel Stillstand. »Als wir wieder durften, haben wir alle Regeln befolgt, sind mit Maske auf die Toiletten und in die Umkleide, haben Gruppengrößen begrenzt und darauf geachtet, dass sich die Gruppen nicht mischen. Das ging jetzt über ein halbes Jahr lang ohne einen einzigen Corona-Fall. Trotzdem mussten wir wieder in den Lockdown.«

Auch die Änderung der Hessen-Verordnung zum 6. November, wonach Hallen für Sportler öffnen dürfen, die alleine, zu zweit oder mit Personen eines weiteren Haushalts trainieren, nutzte den TSV-Turnern nichts. »Die Nachfrage bei der Stadt Bad Nauheim hat ergeben, dass die Hallen grundsätzlich geschlossen sind. Wir hätten gerne den kleinen Kraftraum der Frauenwaldhalle genutzt, das war aber nicht möglich«, verrät Dietz. Und so hält die Übungsleiterin ihren Nachwuchs weiterhin mit sportlichen Videos über Wasser, die sie in eine WhatsApp-Gruppe stellt.

Yvonne Richter (WTC Friedberg): Fünf Paare des Wetterauer Tanzclubs Friedberg konnten erst im Oktober dem grauen Corona-Alltag entfliegen. In Bad Blankenburg (Thüringen) erlebten auch Yvonne Richter und ihr Ehemann Matthias endlich wieder einmal, wie es ist, bei einem Turnier auf dem Parkett zu stehen. Ein paar Tage später hörte die Musik wieder auf zu spielen. »Ich denke, die Unterbrechung des Sports war und ist auch jetzt im Winter die richtige Entscheidung. Die Zahlen sind zu hoch. Es ist natürlich schade, aber immerhin sind wir in Friedberg in der Situation, dass wir zu zweit in die Hallen dürfen«, erklärt die 50-Jährige.

Anders als in der einen oder anderen Nachbarkommune hält die Kreisstadt ihre Sportstätten nicht geschlossen und gewährt unter bestimmen Voraussetzungen Hallenzeiten. Durch die Änderung der hessischen Corona-Verordnung vom 6. November ist Paartanz explizit erlaubt, wenn die sonstigen Hygieneregeln eingehalten werden. »Der WTC hat fast täglich Hallenzeiten in Friedberg. Da haben wir Glück. Im Wohnzimmer kann man zwar mal stationäre Übungen machen, aber für die raumgreifenden Standardtänze braucht man viel Platz«, sagt Yvonne Richter, die sich schon während der Zwangspause im April und Mai mit ihrem Mann erfinderisch gezeigt hatte und zum Üben auf den nächsten Parkplatz auswich. »Ich denke positiv. Irgendwann ist das alles vorbei, und dann wollen wir fit sein.«

Kenanja Wick (TSV Ostheim): Kenanja Wick spielt Tischtennis und ist beim TSV Ostheim Kapitän der zweiten Mannschaft. Für ihn kam die Entscheidung, den Teil-Lockdown zu verlängern, nicht überraschend. Er ist aber enttäuscht darüber, dass Tischtennis in den vergangenen Wochen nicht möglich war und vorerst auch nicht sein wird. Denn eigentlich sei man gut vorbereitet gewesen: »Wir hatten Hygienekonzepte ausgearbeitet, und es gab zum Ende hin auch keine Spielpflicht. Jeder konnte also entscheiden, ob er spielen möchte oder nicht«, blickt Wick zurück auf die Zeit vor dem zweiten Lockdown, als ein paar Partien ausgetragen werden konnten. »Das hielt ich alles für sinnvoll.« Die Mannschaft bleibt in einer Chatgruppe in Kontakt. Man müsse jetzt einfach abwarten, wie es weitergeht, sagt er.

Ole Reeb (TG Friedberg): »Prinzipiell halte ich einiges von den getroffenen Schutzmaßnahmen, denn ich bin aufgrund eines chronischen Herzfehlers Risikopatient«, sagt Ole Reeb, Landesliga-Handballer bei der TGF. »Aber natürlich will man als Sportler wieder ins Geschehen eingreifen«, fügt er an. »Wir haben zwar nicht damit gerechnet, dass es in diesem Jahr weitergeht, trotzdem ist die Enttäuschung da.« In der Mannschaft habe jeder seine eigene Meinung über den Lockdown. Er selbst ist etwas vorsichtiger in der Corona-Zeit und hat - wie auch andere Teamkollegen - mehrtägige Turniere in der Vorbereitung nicht mitgespielt, um eine Ansteckung zu vermeiden. Im Moment halte sich jeder individuell fit, in Kontakt sei man aber ständig. »Wir spielen schon eine ganze Weile zusammen, haben eine gute Stimmung in der Mannschaft.« Ob und wie es weitergeht, hänge von den Infektionszahlen ab und wann ein Impfstoff zur Verfügung steht. Er persönlich glaubt nicht, dass die aktuelle Saison noch gespielt werde. »Ich erhoffe mir, dass wir wenigstens möglichst bald in den geregelten Trainingsbetrieb zurückkehren und dann noch ein paar Freundschaftsspiele absolvieren können.

Marc Tortell (Athletics-Team Karben): Für Marc Tortell ist der zweite Lockdown kein Beinbruch - aus gleich zwei Gründen. Einerseits laboriert der 1500-Meter-Spezialist gerade ohnehin an einer Verletzung und legt dadurch keinen großen Wert auf eine Hallensaison, andererseits ist er als Perspektivkaderathlet des Deutschen Leichtathletikverbandes Profisportler und kann - nach Voranmeldung und unter Einhaltung strenger Hygieneregeln - auf dem Olympiastützpunkt in Niederrad trainieren. »Das ist kein Problem, auch wenn alles mit mehr Bürokratie verbunden ist - ich kann grundsätzlich alles machen.« Außerdem sei es für Mittelstreckenläufer ohnehin einfacher als für viele andere Sportler: »Man geht vor die Tür und läuft einfach.«

Auf internationalem Niveau fänden zwar Wettkämpfe statt, »aber regionale Meisterschaften und der Breitensport fallen komplett hinten runter«. Seine Trainer gehen - Stand jetzt davon aus -, dass das zum Start der Freiluftsaison wieder anders wird und auch Olympia 2021 ausgetragen wird, Tortell ist da aber »noch skeptisch«. Denn legt er seinen Fokus auf den kommenden Sommer: »Ich werde einen langfristigen Aufbau machen.« FOTOS: 2x PM, 2x NIC

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