Lokalsport

EC Bad Nauheim: Zarte Hoffnung und Last-Minute-Knockouts

Kann der EC Bad Nauheim gegen den ESV Kaufbeuren am Dienstag den Trend bestätigen, oder wird die zarte Hoffnung gleich wieder zerstört?
16. März 2021, 07:00 Uhr
Michael Nickolaus
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Die Lebensversicherungen der Roten Teufel: Torwart Felix Bick und Topscorer Cason Hohmann. FOTO: CHUC

Spielen, schlafen, analysieren, auslaufen. Und dann das Gleiche wieder von vorne. 13 Spiele, also ein komplettes Saison-Viertel, sieht der Terminplan allein im Monat März für den EC Bad Nauheim vor. Bis zum Wochenende bestreiten die Roten Teufel drei Partien, beginnend mit dem Heimspiel gegen den ESV Kaufbeuren (Dienstag, 19.30 Uhr), in dem der jüngste, erfolgreiche Trend bestätigt oder die zarte Hoffnung, vielleicht in Playoff-Rennen einzusteigen, zerstört werden kann.

Platz acht: Neun Punkte sind’s bis zu den Eispiraten Crimmitschau. Die Roten Teufel haben zwei Spiele weniger, aber auch noch drei Mannschaften vor sich. Andreas Pauli, der auf Grund einer Armverletzung ausfällt (Termin zum Wiedereinstieg ins Training ist offen), hatte am Freitag Optimismus versprüht (»Wenn wir so weitermachen . . .«). Ähnlich hatte sich Daniel Ketter am Sonntag im Drittelpausen-Interview bei Sprade TV artikuliert. Trainer Harry Lange will sich dagegen vom Fünf-Punkte-Wochenende nicht blenden lassen. »Ich denke, wir sind gut beraten, mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben.« Allerdings: Drei der vergangenen vier Spiele hat Bad Nauheim gewonnen, gegen die Top-Klubs Kassel, Freiburg, Bietigheim und Bad Tölz und auch auswärts die Partien bis in die Schlussminuten offen gehalten. Das sollte Mut machen. 13 Spiele stehen noch aus.

Die Personal-Situation: Harry Lange sp rach von einem »Gamble«, ein bisschen Zockerei, auf den Import-Positionen. Mark Richardson, seinen einzigen Kontingent-Verteidiger, hatte der Trainer am Sonntag zu Hause gelassen und erstmals mit vier ausländischen Stürmern agiert. »Diesmal ist’s aufgegangen. Aber das können wir nicht allzu oft machen«, sagt er mit Blick auf die dünn besetzte Abwehr mit dem 17-jährigen Leo Korus als sechstem Mann. »Er hat das gut gemacht«, sagt Lange, der mit seinem Assistenten Patrick Strauch im Schlussabschnitt aber den erfahrenen Spielern das Vertrauen gab.

Dem Schweden David Aslin, seinem Debütanten, bescheinigte er eine »ordentliche Leistung. Wir haben nur wenig trainiert. Da ist es nicht leicht, sich zu integrieren. Das vierte Tor hat er super aufgelegt«, sagt Lange über den Assist, der in der offiziellen Statistik allerdings Kelsey Tessier zugeschrieben wurde. Bezüglich der alten Sportler-Weisheit, eine siegreiche Mannschaft nicht umzustellen, wollte sich Lange am Montag nicht endgültig festlegen.

Aus Köln - so der Stand am Morgen - werde nach der Quarantäne für Teile des DEL-Kaders lediglich Philipp Maurer, der Keeper, wieder nach Bad Nauheim fahren.

Kaufbeuren auf Höhenflug: Acht Siege aus den letzten neun Spielen, dazu ein weiterer Zähler nach 60 Minuten - nur die Wölfe Freiburg haben in den letzten zehn Partien mehr gepunktet. Die Mannschaft von Rob Pallin hat nach zwischenzeitlichem Durchhänger in der Defensive wieder an Stabilität gewonnen, ist auf den Schlüsselpositionen wieder komplett besetzt. Mit den Duos John Lammers (21 Tore) und Tyler Spurgeon (18) sowie Sami Blomquist (16 in nur 21 Spielen) und Brandon Gracel (15) verfügen die Allgäuer über vier extrem torgefährliche Offensiv-Importspieler. Zudem hat auch der kritisierte Joe Lewis seine Form wiedergefunden. Im Tor hat sich Benedikt Hötzinger, vom Oberligisten Füssen verpflichtet, rasch in der DEL2 akklimatisiert und teilt sich den Job mit Jan Dalgic.

Die Last-Minute-Knockouts: Das darf doch eigentlich nicht wahr sein! In fünf der elf Spiele seit dem Trainerwechsel hat der EC Bad Nauheim innerhalb der letzten 90 Sekunden der regulären Spielzeit einen Punkt verschenkt, ein Remis und die Chance auf einen Zusatzzähler verspielt. - Die Dramen im Überblick

- In Bad Tölz treffen die Gastgeber 71 Sekunden vor Schluss nachdem Bad Nauheim einen Drei-Tore-Rückstand auf 2:3 verkürzt hatte, zum 4:2. Wieder schaffen die Teufel den 3:4-Anschluss - zu spät allerdings

- Im Heimspiel gegen Bad Tölz - drei Mal hatte Bad Nauheim einen Rückstand ausgeglichen - steht’s 65 Sekunden vor der Sirene 3:3 unentschieden. Dann erzielen die Gäste drei Treffer.

- In Bietigheim kommt Bad Nauheim nach einem Zwei-Tore-Rückstand zum Ausgleich, kassiert 47 Sekunden vor Schluss aber das 3:4.

- In Freiburg gleicht Bad Nauheim ein 0:3 und ein 3:4 aus, verspielt unaufmerksam aber durch einen Gegentreffer 0,4 Sekunden vor dem Ende einen Punkt.

- Im Heimspiel gegen Kassel führen die Roten Teufel nach Zwei-Tore-Rückstand mit 5:4, ehe den Huskies 21 Sekunden vor Schluss der Ausgleich gelingt.

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