26. Oktober 2021, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Warum die Roten Teufel plötzlich auswärts gewinnen

Drei Auswärtsspiele, drei Siege! Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim, in der Vor-Saison auswärts ein gern gesehener Gast, kann in fremden Stadien bislang für Furore sorgen.
26. Oktober 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Schneesturm im Torraum: Stefan Reiter vom EC Bad Nauheim scheitert hier an Enrico Salvarani im Tor der Ravensburg Towerstars. FOTO: CHUC

In der vergangenen Saison hatten die Roten Teufel lange auf einen solchen Tag warten müssen. Bis zum 21. Spieltag nämlich. Ende Januar 2021 war’s bereits, beinahe die Hälfte der Hauptrunde schon absolviert, als der EC Bad Nauheim in der Deutschen Eishockey-Liga 2 den ersten Drei-Punkte-Erfolg auswärts hatte feiern können. Nur zwei weitere sollten noch folgen. Lediglich 15 Punkte insgesamt holten die Hessen bis Hauptrunden-Ende 2020/21 auswärts, weniger als jeder andere Klub - man war eben ein gern gesehener Gast. In dieser Saison nun ist (bis jetzt) alles anderes. Drei Auswärtsspiele, drei Siege - neun Punkte.

Viele wissen doch gar nicht um die Situation im Vorjahr, sagt Harry Lange, der Trainer. Schließlich habe man rund ein Dutzend Neuzugänge. »Und bei denen, die wir behalten haben, hat eben auch der Charakter eine Rolle gespielt. Die haben schon in der vergangenen Saison nicht akzeptieren wollen, dass wir auswärts schlechter spielen als zu Hause.« Allein schon für den Kopf sei es wichtig, zu wissen, dass man auch auswärts ein Spiel drehen und Erfolg haben könnte. Und man gehe schließlich in jedes Spiel, um dieses zu gewinnen.

»Auswärts bist du eine kleine Gruppe, sitzt mehrere Stunden zusammen im Bus, fühlst Dich im Stadion fremd, hast den Gastgeber und dessen Fans gegen Dich. Dann zu gewinnen, gibt für die Rückfahrt natürlich ein sehr befriedigendes Gefühl«, sagt Lange.

Bezogen auf die Freitag-Partie in Crimmitschau (4:3) weiß der Coach aber auch: »Wir konnten von Glück reden, dass es nach acht Minuten nur 0:2 gestanden hatte.« Der Anschlusstreffer kurz drauf wirkte befreiend, Bad Nauheim kam zurück (Kapitän Tobias Wörle: »Das zeigt den Charakter des Teams«), übernahm peu a peu die Kontrolle, musste aber auf Grund von Hinausstellungen bis zuletzt zittern.

Am Sonntag, im Heimspiel gegen Ravensburg (3:4), haben die Roten Teufel erneut Nehmer-Qualitäten gezeigt. Diesmal ist die Rechnung am Ende aber nicht aufgegangen. Ravensburg hatte Bad Nauheim mit deren eigenen Stärken dominiert. Lauffreudig, mit aggressivem Forechecking. Rote-Teufel-Torwart Philipp Maurer, der nach seiner starken Vorwochen-Leistung in Bad Tölz rasch wieder das Vertrauen erhielt und rechtfertigen konnte, bewahrte seine Mannschaft vor einem höheren Rückstand.

Die Vorentscheidung hatte längst in der Luft gelegen, als der Anschlusstreffer der Partie für die Schlussviertelstunde eine andere Richtung gab. Der Ausgleich folgte fünf Minuten später. Die Gäste wirkten geschockt, Bad Nauheim drehte auf - und überdrehte, wollte zu viel. Die Quittung: das 3:4 zehn Sekunden vor dem Ende. »Nach den Eindrücken des Schlussdrittels tut das natürlich weh. Vielleicht hätte man zuvor auch ein Foul an unserem Spieler ahnden können. Andererseits hatten wir zuvor auch genügend Möglichkeit, die Scheibe rauszuhauen«, sagt Lange.

Die Roten Teufel, die mit dem achten Spieltag gar auf Rang zwei hätten vorrücken können, ergänzten damit die Reihe der aktuellen Top-Klubs mit Frankfurt und Crimmitschau, die allesamt am Sonntag unterlegen waren. Die Liga ist dadurch zusammengerückt. Platz drei - so schön die Momentaufnahme auch ist - darf nicht darüberhinwegtäuschen, dass beispielsweise Aufsteiger Selb auf einem Playdown-Rang bislang nur sechs Zähler weniger eingefahren hat.



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