27. Juni 2021, 21:08 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Taylor Vauce kommt von den Vienna Capitals

Der EC Bad Nauheim hat den ersten Importspieler für die Saison 2021/22 verpflichtet. Taylor Vauce hat einst um seine Karriere bangen müssen und nun einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt.
27. Juni 2021, 21:08 Uhr
Der Kanadier Taylor Vause wechselt von den Vienna Capitals zum EC Bad Nauheim. FOTO: IMAGO

Taylor Vauce. 29 Jahre alt. Kanadier. Am Sonntag hat der EC Bad Nauheim die Verpflichtung des Mittelstürmers vermeldet. Der Rechtsschütze wechselt von den Vienna Capitals aus der multinationalen ICE Hockey Leaue in die Deutsche Eishockey-Liga 2 und ist der erste von vier möglichen Importspielern, den die Roten Teufel für die Saison 2021/22 unter Vertrag haben.

»Er bringt Siegermentalität mit, macht uns als Rechtsschütze unter vielen Linksschützen variabler, ist ein Typ, der Gas gibt und der - die Karriere betreffend - nicht am Ende seiner Reise ist«, sagt Trainer Harry Lange über den 1,77 Meter großen und 83 Kilogramm schweren Angreifer.

Vauce war vor sechs Jahren nach Europa gekommen, zunächst zum HC Bozen, nach einem Winter folgte der Wechsel nach Wien. 328 Spiele absolvierte Vauce in der höchsten Alpenliga, erzielte 91 Treffer und konnte 157 weitere Tore vorbereiten (248 Scorerpunkte). 2017 feierte Vauce den Titelgewinn, stellte mit den Capitals einen Rekord für die Ewigkeit auf: zwölf Playoff-Spiele, zwölf Siege. »Die Verbindung zu den Mitspielern aus diesem Jahr ist außergewöhnlich. Über die Saison hinweg sind wir als Gruppe zusammengewachsen, und irgendwann saßen wir in der Kabine und wussten, dass wir etwas Großes erreichen können«, erinnert sich Vauce. Einer seiner Teamkollegen damals: Kelsey Tessier, dessen Weiterverpflichtung in Bad Nauheim nach wie vor ein Thema ist. 2017 avancierte Vauce zum Spieler mit der besten Plus/Minus-Statistik der gesamten Liga. Ihm eilt das Image voraus, seine Nebenleute besser zu machen.

Aufgewachsen ist der 29-Jährige in Calgary. Über die Western Hockey League (Swift Current) empfahl er sich für die zweitklassige American Hockey League (130 Spiele, Meister mit den Texas Stars) und absolvierte vor seinem Wechsel nach Bozen auch 55 Partien in der drittklassigen East Coast Hockey League.

In Europa hat Vauce sein Glück gefunden, sportlich, wie privat. In Wien hat er seine heutige Verlobte kennengelernt, gemeinsam werden die beiden im August in Bad Nauheim erwartet. »Ich bin sehr, sehr glücklich, dass mich meine Karriere nach Europa geführt hat. Ich mag den Lifestyle dort, die größere Eisfläche kommt meinem Spiel entgegen. Ich möchte dort spielen, solange es geht«, sagt Vauce, den die Redaktion zu Hause bei seiner Familie in seiner kanadischen Heimat erreicht.

Die Gespräche mit Trainer Harry Lange hatten ihn beeindruckt. »Der Trainer hat mir ein gutes Gefühl gegeben, er baut auf mich«, sagt Vauce und freut sich auf »ein neues Land und eine neue Liga« und auf ein Leben in einer »hockey-verrückten Kleinstadt mit großem Zusammenhalt«. Als solche habe er beispielsweise Swift Current, eine 15000-Einwohner-Stadt, während seiner Juniorenzeit schätzen gelernt.

In diese Zeit fällt auch der 16. Januar 2009, der sein Leben auf den Kopf gestellt hat. Vauce war gerade 17 Jahre alt als der Traum von der Profi-Laufbahn zu zerplatzen schien. Diabetis, Typ 1 wurde diagnostiziert; eine Erkrankung, mit der der Kanadier auch in den sozialen Medien sehr offen umgeht; auch um andere Betroffene zu ermuntern. »Ehemalige Stanley-Cup-Sieger wie Bobby Clarke habe mich damals angerufen und ermutigt, nicht aufzugeben. Diabetis muss nicht die Kontrolle über dich gewinnen, wenn du die Kontrolle über Diabetis hast. Und die Erkankung hat mich nicht davon abhalten können, das Spiel zu spielen, das ich liebe«, sagt Vauce, der diese Botschaft speziell betroffenen Jugendlichen vermitteln möchte, sich damals schon ehrenamtlich eingebracht und Spendenaktionen initiiert hatte. Nach der Saison 2011/12, zum Abschluss seiner Junioren-Zeit, wurde Vauce mit der Doug Wickenheiser Memorial Trophy ausgezeichnet. Die Junioren-Liga WHL würdigt mit dieser Ehrung soziales und gesellschaftliches Engagement.

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