26. Oktober 2021, 12:46 Uhr

Fußball

Dominik Reichardt aus Ilbenstadt träumt den Traum vom großen Trainer-Job

Nach sieben Jahren in der Nachwuchsabteilung von Eintracht Frankfurt und der Hospitation bei Vitesse Arnheim träumt Dominik Reichardt vom hauptberuflichen Fußball-Trainer.
26. Oktober 2021, 12:46 Uhr
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Aus der Redaktion
Bei der Frankfurter Eintracht verbrachte Dominik Reichardt sieben Jahre im Nachwuchsbereich, coachte unter anderem in der Junioren-Bundesliga. FOTO: BF

Fußballtrainer in der Bundesliga oder in einer anderen Profiliga - für den Wetterauer Dominik Reichardt ist das ein Traum. Gut möglich, dass er diesen auch verwirklichen kann. Anfang Oktober hospitierte der 31-Jährige bei Vitesse Arnheim, einem niederländischen Erstligisten und UEFA-Conference-League-Teilnehmer. Als Trainer stand er davor die letzten sieben Jahre bei Eintracht Frankfurt in der Verantwortung. Beim hessischen Bundesligisten hat er von der U11 bis zur U17 (Junioren-Bundesliga) als Übungsleiter fungiert, war Co- und Chef-Trainer. Zwei Jahre leitete er die U17-Bundesliga-Mannschaft, gemeinsam mit Thomas Broich und Jerome Polenz zuletzt die U15, ehe er Eintracht Frankfurt verließ. Doch sein Traum vom großen Trainergeschäft endet damit keineswegs - gewissermaßen beginnt er erst.

Wie kommt es, dass ein waschechter Ilbenstädter bei Vitesse Arnheim als Trainer hospitiert?

Jan Fießer, mit dem ich bei Eintracht Frankfurt zusammengearbeitet habe, ist in Holland Co-Trainer. Wir haben nach der Zeit bei der Eintracht Kontakt gehalten. Er hat mir diese Hospitation ermöglicht, wofür ich sehr dankbar bin. Mir ging es darum, mich jetzt nach meinen Erfahrungen in Frankfurt weiterzuentwickeln.

Unter Niko Kovac haben Sie bei der Eintracht auch auf dem Platz hospitiert. In Arnheim konnten Sie erstmals ganze Tagesabläufe mitbekommen. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Hinter die Kulissen zu schauen, war grandios. Ich war ganztägig mit Staff und Mannschaft zusammen. Ich wurde sehr gut aufgenommen. Nach der ersten Einheit war alles so eingespielt, dass ich schon sehr bald ein Individualtraining der Stürmer leiten durfte. Auch in die Spielvorbereitungen wurde ich involviert. Den Matchplan für das Conference-League-Spiel gegen Stade Rennes oder das Ligaspiel gegen Feyenoord Rotterdam mitzugestalten, war schon ein Highlight.

Sie waren in den Jahren zuvor Trainer in der Junioren-Bundesliga. Wo liegt für Sie der Unterschied zwischen Jugend- und Profifußball?

Es gibt massive Unterschiede. Klar, meine Mannschaften wurden im Leistungszentrum am Riederwald auf den Profifußball vorbereitet, aber die Abläufe unterscheiden sich deutlich. Belastungssteuerungen in einer englischen Woche spielen zum Beispiel bei Profis eine große Rolle, denn Arnheim hat zur Zeit eine Doppelbelastung mit Spielen in der Erendivision und in der Conference League. Im Trainerteam hat jeder seine bestimmte Aufgabe und ist dafür verantwortlich. Der Cheftrainer steuert diese Prozesse. Das war sehr interessant zu beobachten.

Belastungen gibt es aber im Jugendfußball doch auch?

Ja klar, vor allem im mentalen Bereich. Die Jungs leben oft im Internat, müssen in der Schule funktionieren, wollen Fußballprofis werden und müssen dafür jeden Tag volle Leistung bringen. Dazu kommt oft die erste Freundin oder Stress mit den Eltern. Die Profis hingegen haben andere Belastungen - eher Druck von außen. Medien spielen dabei eine große Rolle.

Als Niko Kovac noch bei Eintracht Frankfurt war, konnten Sie ihm über die Schulter schauen. Jetzt kommen noch die Eindrücke aus Arnheim dazu. Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Da kann ich auch noch andere Personen nennen. Thomas Broich war genauso wie Marco Pezzaiuoli inspirierend in Sachen Ballbesitz. Frank Leicht hatte eine Vergangenheit bei RB Leipzig und hat mir viel im Spiel gegen den Ball beigebracht. Ich habe mir von allem etwas rausgezogen.

Und wie lautet dann Ihr perfektes Spielsystem?

Den Gegner möchte ich spielerisch dominieren. Gleichzeitig möchte ich im Spiel gegen den Ball dem Gegenüber keine Luft mehr zum Atmen lassen. Aber das ist logischerweise nur eine Idealvorstellung. Wichtig ist, den Spielern Fehler zu erlauben, um daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Neben all den Tipps und Tricks Ihrer Trainerkollegen haben Sie selbst eine Menge an theoretischem Unterbau vorzuweisen. Das dürfte in der Wetterau einmalig sein...

Das weiß ich nicht genau. Aber ich habe die theoretische Zulassung zum Fußballlehrer. Die bekommt man, wenn man zum Beispiel mit einer A-Lizenz einen Junioren-Bundesligisten trainiert. Ich habe mit meinem ehemaligen Leistungszentrums-Chef Andi Möller darüber gesprochen, den Fußballlehrer-Lehrgang zu belegen, aber die Plätze sind dort sehr begrenzt. Da muss man schon Julian Nagelsmann heißen und eine Bundesligamannschaft trainieren, um da zügig reinzukommen. Aber mit meinem derzeitigen Ausbildungsstand dürfte ich in einem Regionalliga-Team als Cheftrainer arbeiten oder als Co-Trainer in der Bundesliga.

Aber in der Junioren-Bundesliga zu arbeiten, ist doch auch eine große Aufgabe. Sie waren zum Beispiel für das erfolgreiche Jahr der Eintracht-U17 in der Saison 2018/19 verantwortlich und wurden hinter Bayern und Hoffenheim Dritter. Warum haben Sie eigentlich in Frankfurt Ihren Vertrag nicht verlängert?

Das hat zum einen mit meiner familiären Situation zu tun - ich habe eine einjährige Tochter -, aber auch mit den Herausforderungen, die mein Job als Mitarbeiter der Deutschen Bank mit sich bringt. Ich wollte aber darüber hinaus nach sieben Jahren Eintracht Frankfurt einfach weitere Eindrücke sammeln, um mein großes Ziel zu erreichen. Im nächsten Frühjahr sind dafür Hospitationen bei Philadelphia Union (USA) und Hertha BSC geplant.

Glauben Sie , dass Sie es schaffen können?

Da gehört neben Fleiß und Talent soviel mehr dazu. Vor allem auch Glück. Ich versuche, alles dafür zu geben und lege alles dafür rein. Nach der Hospitation in Arnheim ist auf jeden Fall meine Gier gestiegen, hauptberuflich im Fußball zu arbeiten. Aber planen kann man das alles nicht. Gut ist es auf jeden Fall, dass ich viele Leute aus dem Profibereich kenne. Mit Sebastian Rode und Tim Borowski pflege ich zum Beispiel regelmäßigen Kontakt.

Vielleicht steigen Sie ja demnächst bei Vitesse Arnheim ein...

Sie haben zumindest gesagt, dass sie sehr zufrieden waren und sich freuen würden, mich wiederzusehen.



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