09. September 2021, 07:00 Uhr

Jugendfussball

Die Stärken stärken: So lief das erste Training am DFB-Stützpunkt in Steinfurth

Steinfurth und Rödgen statt Klein-Karben: Der Stützpunkt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Kreis Friedberg ist nach den Ferien umgezogen. Ein Besuch beim ersten Training im Rosendorf.
09. September 2021, 07:00 Uhr
Endlich wieder kicken! Unter der Leitung von (von links) Süleyman Karaduman, Daniel Walter, Kai Möller, Fabian Lack und Alex Jörg (nicht im Bild) wurde am DFB-Stützpunkt in Steinfurth das Talentfördertraining nach den Sommerferien wieder aufgenommen. FOTOS: NICKOLAUS

Die ersten Kinder tummeln sich schon eine halbe Stunde früher am »Häuschen«, dem Vereinsheim in Steinfurth, dem neuen Sommer-Domizil der Talenfördergruppe; Kreisauswahl hätte man in den 1980er-Jahren wohl dazu gesagt. Neue Schuhe zeigt einer stolz, Ferien-Erlebnisse werden ausgetauscht. Die elf- und zwölfjährigen Kicker aus dem Fußballkreis tragen die Trikots ihrer Idole oder kommen in den Trainingsjacken ihrer Heimatvereine. Der Karbener SV und die TSG Wieseck scheinen in der Überzahl.

An der Seitenlinie erhält das bunte Treiben ungewohnte Aufmerksamkeit. Michael Duda, der Stützpunkt-Koordinator Südhessen, ist extra gekommen, ebenso Klaus Kreß, der Bürgermeister der Stadt Bad Nauheim, mit Peter Krank, dem Stadtrat. Gerald Hengst als Jugendleiter im Fußballkreis schaut vorbei, die Vorsitzenden Leif Marx (SV Steinfurth) und Sören Marx (FC Ajax Rödgen) repräsentieren die künftig gastgebenden Klubs, und auch Achim Cech, der im Rosendorf eine Jugendabteilung mit mehr als 200 Mitgliedern führt, ist da.

Als einen »Ritterschlag« bezeichnet Kreß in seiner kurzen Begrüßung die Standortwahl. »Es ist eine Auszeichnung, dass der DFB nach Bad Nauheim kommt.« In Karben, wo die Talente aus dem Kreis über Jahre hinweg montagsabends zu Gast waren, waren die Verträge gekündigt worden. Die Kapazitäten waren angesichts der ebenso florierenden wie erfolgreichen Nachwuchsarbeit beim KSV (A- bis C-Junioren in der Hessenliga) nicht mehr gegeben.

Landesweit rund drei Dutzend Stützpunkte betreut der Hessische Fußball-Verband. Im Jahr 2001 - nach dem EM-Dilemma der Nationalmannschaft - war das Projekt gestartet worden. »Ein hoher Prozentsatz an Top-Spielern ist an Stützpunkten gefördert worden«, sagt Duda. Aus der Wetterau haben beispielsweise Paul Nebel (FSV Mainz 05), Fynn Otto und Jan Schröder (beide Eintracht Frankfurt) in der jüngeren Vergangenheit an der Förderung teilgenommen, ehe es sie in die Nachwuchsleistungszentren zog. Alle drei haben inzwischen Profi-Verträge bei Bundesligisten unterschrieben.

Individuell fördern

Kai Möller, Süleyman Karaduman, Alexander Jörg und Fabian Lack, der auf Thomas Dechant folgt, kümmern sich mit Hospitant Daniel Walter in zwei 90-minütigen Einheiten um die Kinder und Jugendlichen der Jahrgänge 2007 bis 2010. »Stärken stärken und Schwächen schwächen«, laute der Leitsatz, sagt Möller, man unterscheide nicht zwischen offensiven oder defensiven Spielern. Die individuelle Förderung stehe im Vordergrund. Ziel sei es, die Talente für die Regional- und Hessenauswahl, bestenfalls für einen Platz in einem NLZ zu qualifizieren. »Die Arbeit im Verein ist dabei genauso wichtig. Wir können nur ein Zusatz-Angebot leisten«, sagt Möller, Inhaber der DFB-Elite-Lizenz. Während der Sommermonate wird in Steinfurth trainiert, in den kalten und regnersichen Wintertagen dann auf dem Kunstrasenplatz in Rödgen.

Der Umzug aus dem Süden in eine zentrale Lage des Fußballkreises erleichtert Talenten aus dem Norden des Kreises eine Teilnahme, allerdings haben Eltern aus dem Süden, wo sich der Stützpunkt über Jahre etabliert hatte, bereits signalisiert, aus logistischen Gründen ihre Kinder nicht mehr zur Zusatz-Trainingseinheit bringen zu können. »Das ist sehr schade, aber leider nicht zu ändern. Dafür haben jetzt andere Jugendliche aus geographischen Gründen eher eine Chance«, sagt Möller.

Dem Karbener SV hatte in der Vergangenheit das Image angehaftet, talentierte Kicker zu einem Vereinswechsel zu überreden, um sich quasi an gleicher Spiel- und Trainingsstätte fortzubilden. Die Argumente: in den betreffenden Altersklassen spielt der KSV auf höchstem hessischen Level, kann als Sprungbrett dienen. In Steinfurth glaubt Jugendleiter Cech nicht an einen Standortvorteil für mögliche Abwerbeversuche - zumindest nicht in absehbarer Zeit. Man sei sehr stolz, Heimat des Stützpunktes zu sein. »Ich denke, die talentierten Kinder zieht es in erster Linie in höhere Spielklassen. Wir streben natürlich auch mit unserem Nachwuchs die Gruppenliga-Qualifikation an. Aber aktuell können wir das eben nicht bieten.«

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