25. November 2020, 12:00 Uhr

Wie Sportler chatten

Die Schlappen in der Whats-App-Gruppe

Strafenkataloge, Glückwünsche, Challenges oder Organisatorisches - Whats-App-Gruppen werden nicht erst seit Corona für unterschiedlichste Zwecke genutzt. Das gilt nicht nur im Teamsport.
25. November 2020, 12:00 Uhr

Die Satire-Website »Der Postillon« informierte dieser Tage über die neuesten Einschränkungen im Corona-Lockdown. Demnach sei die Teilnehmerzahl in Whats-App-Gruppen aus Abstands- und Hygienegründen auf fünf Personen begrenzt. Kein schlechter Kalauer. Tatsächlich aber ist der Instant-Messaging-Dienst gerade in Zeiten der Pandemie auch für Sportler eine gute Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu bleiben. Natürlich nutzten Einzel-Athleten, vor allem aber ganze Mannschaften schon lange vor Covid-19 die beliebte Chat-Plattform - und werden dies auch danach weiterhin tun.

Wie genau allerdings in den Gruppen kommuniziert wird, welche Inhalte die Sportler untereinander teilen, das ist von Verein zu Verein bzw. von Sportart zu Sportart durchaus unterschiedlich.

Martin Schmitt ist Handball-Trainer beim TSV Griedel. »Bei uns gibt es zwei Whats-App-Gruppen«, verrät er. So wie er es auch aus seiner Zeit als Aktiver kennt. »Eine mit Trainer und eine ohne.« In der Gruppe, in die auch er Einblick hat, werden u. a. organisatorische Dinge wie Trainingsverlegungen oder Termine gepostet. »Aber wir nutzen das auch für schnelle Meinungsabfragen, für Spaßiges und für Glückwünsche.« Fast schon professionell gehen die Butzbacher Frauen in Sachen Strafenkatalog vor. Der wird mit der App »Spieler plus« verwaltet. Sanktionen sind u. a. vorgesehen für verschüttete Getränke, virtuelle Siegtore (z.B. der 22. Treffer bei einem 25:21-Erfolg) und in der Halle vergessene Utensilien. Um das Vergehen nachzuweisen und die straffällig gewordene Spielerin zu überführen, kommt dann wieder Whats App ins Spiel. Ein Foto mit den liegengelassenen Badeschlappen, posten, und schon klingelt’s in der Kasse. Auf die Gruppe ohne Trainer hat Schmitt natürlich keinen Zugriff. In diesem Chat können die Spielerinnen auch mal »Dampf ablassen«. Die Spielführerin kann das aufgreifen und gegebenenfalls in einer Mannschaftssitzung noch mal thematisieren. »Was genau da geschrieben wird, weiß ich aber nicht. Will ich auch gar nicht wissen«, erklärt Schmitt schmunzelnd.

Gleich drei Gruppen halten David Wiedlocha auf Trab. Der Mannschaftskapitän der Tischtennis-Gemeinschaft Ober-Mörlen hat einen Chat mit den Mitgliedern des gesamten Vereins, nur mit den Spielführern der einzelnen Teams und mit seiner Mannschaft in der Bezirksliga der Herren. »Innerhalb der Mannschaft beschränkt sich die Kommunikation eigentlich auf Absprachen zu Spiel und Training; Abfahrtzeiten und Treffpunkte werden da mitgeteilt«, sagt der Kapitän. Den vereinsinternen Transfermarkt bildet der Chat der Mannschaftsführer ab. Hier tauscht sich Wiedlocha mit seinen Kollegen in gleicher Funktion über Ersatzleute aus, die in den einzelnen Teams die Lücken füllen müssen. In der Vereinsgruppe informiert die TTG beispielsweise über Feierlichkeiten im Klub oder Corona-Updates; Glückwünsche werden ausgesprochen. »Und der eine oder andere Zuschauer oder Spieler nutzt Whats App auch schon mal als Live-Ticker«, verrät Wiedlocha. So kann der interessierte Ober-Mörler brandaktuell - quasi direkt von der Platte - die Ergebnisse und Infos seiner geliebten TTG erfahren.

Während in Ober-Mörlen noch der Trainingsbetrieb ruht, durften die Tänzer vom WTC Friedberg nach der Anpassung der hessischen Corona-Verordnung schon wieder in die Sportstätten zurückkehren. »Um die Trainingszeiten zu koordinieren, benutzen wir ein eigens dafür gebautes Tool«, verrät Muna Franziska Mawassii, die beim WTC Standard und Latein tanzt und zudem dem Vorstand angehört. »Wenn sich dann mal eine Lücke auftut bei der Hallenbelegung, schreiben es die Leute in die Whats-App-Gruppe, damit ein anderes Paar schnell einspringen kann.« In fünf Friedberger Sportstätten hat der Wetterauer Tanz-Club Hallenzeiten, nicht immer sind es die begehrten Stunden am frühen Abend. Da war es selbst ohne Corona schon schwer genug, bei der Planung allen Interessen gerecht zu werden.

Mawassii selbst ist Mitglied im Whats-App-Chat des Gesamtvereins und in den Turnier-Gruppen Standard bzw. Latein. Da die Tänzer zu ihren Wettbewerben oft in der ganzen Republik verstreut sind, werden die Vereinskollegen oft und gerne mit frischen Ergebnissen und Bildern vom Parkett versorgt. »Im ersten Lockdown haben wir uns auch gegenseitig angespornt: ›Ich war heute laufen, was habt ihr gemacht?‹, war da schon oft zu lesen«, blickt Mawassii zurück.

Kein Training - weniger Texte

Michael Victor ist Triathlet. Auch er organisiert sich oft über Whats App, schreibt und liest dazu in vier Gruppen mit. In den Chats der Läufer (ASC Marathon Friedberg), Schwimmer (SG Wetterau) und vom Triathlon Wetterau e. V. tummeln sich jeweils ca. 50 Sportler. Die Liga-Starter der Triathleten versammeln sich außerdem noch in einer etwa 20-köpfigen Gruppe und vereinbaren da zusätzliche Trainingseinheiten. »Wir regeln Fahrgemeinschaften, posten aber auch Resultate von Wettkämpfen und gratulieren uns gegenseitig«, verrät Victor. Wie seine Kollegen aus den anderen Sportarten hat er aber vor allem einen Trend ausgemacht: »Die Leute halten sich derzeit ziemlich zurück. Wenn kein Wettkampf und kein Training stattfinden kann, wird auch nicht so viel geschrieben.«

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