20. April 2021, 07:00 Uhr

Vorbereitung auf den Restart

Arbeit im Hintergrund: So nutzt Türk Gücü Friedberg die Zeit des Corona-Lockdowns

Hessenligist Türk Gücü Friedberg will trotz Corona-Lockdown und Saisonabbruch nicht untätig sein. Deshalb wird bei den Kreisstädtern vor allem im Hintergrund fleißig an der Zukunft gearbeitet.
20. April 2021, 07:00 Uhr
Türk Gücü Friedberg will laut Trainer Carsten Weber auch in der neuen Saison »eine gute Rolle« in der Fußball-Hessenliga spielen - und dabei vor allem durch eine gute Kabine und möglichst persönliche Betreuung der Spieler im Hintergrund punkten. (Foto: Jaux)

Selbst der Eifrigste muss irgendwann mal Pause machen: Am 30. März fand das letzte virtuelle Training bei Fußball-Hessenligist Türk Gücü Friedberg statt, seitdem sind die Spieler auf sich alleine gestellt - angesichts des Saisonabbruchs im hessischen Amateurfußball eine nachvollziehbare Reaktion. Trainer Carsten Weber will von Stillstand aber dennoch gar nichts wissen - und dreht stattdessen mit den Verantwortlichen im Hintergrund an den Stellschrauben für einen baldigen Restart.

Aktuell hofft der Oberurseler auf eine Rückkehr ins Training Mitte Mai, um sich dann »für eine Vorbereitung vorzubereiten«, wie er es ausdrückt. Was den Zeitpunkt der Trainingsrückkehr und einen möglichen Saisonstart im August angeht, sei er »sehr vorsichtig optimistisch«. Wie üblich will Weber nichts dem Zufall überlassen, weshalb sein Team auch im Lockdown seit November vier bis fünf Einheiten pro Woche absolviert habe. »Wir wären bereit gewesen, nach drei bis vier Wochen Vorbereitung auf den Platz zu gehen, um die Saison oder wenigstens die Hinrunde zu Ende zu spielen«, sagt er, auch wenn er den Abbruch der Runde für die »richtige Entscheidung« hält.

Die Folge dieser Entscheidung des Verbandsvorstandes ist mehr Bewegung auf dem Transfermarkt, doch das sei ohnehin »normal für diese Zeit, erklärt Weber, der in Bezug auf seine eigenen Planungen ohnehin schon weit fortgeschritten ist (siehe Kasten).

Vielmehr beschäftigt sich der B-Lizenz-Inhaber mit den Strukturen im Hintergrund. Da es vermutlich auf absehbare Zeit keine Lösung für die Platzproblematik der Kreisstädter gibt, die bis 30. Juni noch einen Vertrag mit dem FC Ober-Rosbach haben, will er an anderen Stellschrauben drehen, um den Standort attraktiver zu machen. So hätten die Verantwortlichen des Klubs und er den Lockdown genutzt, die Spieler beruflich nach vorn zu bringen. »Es ist uns wichtig, niemanden mehr im Team zu haben, der neben dem Fußball gar nichts macht«, erklärt Weber. »Das sollte in der Hessenliga Priorität haben. Natürlich kann man ein Studium oder eine berufliche Laufbahn immer mal einfrieren, oder es weiter oben versuchen, aber selbst in der Regionalliga kommt es auf den Verein an, ob man nebenher noch etwas machen muss oder nicht.«

Das Netzwerk im Klub nutzen

Weber wehrt sich, bereits im Vorhinein jemandem einen Job oder eine Ausbildung »zu besorgen«. Er sagt: »Der Grund für eine Anstellung kann nie sein, dass jemand bei Türk Gücü Friedberg Fußball spielt, sondern es ist immer eine Entscheidung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es soll schließlich auch nicht so sein, dass jemand seine Stelle wechseln muss, wenn er den Klub wechselt.« Dennoch nutze man das Netzwerk von Spielern und Offiziellen. »Das Ziel muss ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung sein«, sagt Weber. »Darauf achten wir auch bei unseren Neuzugängen. Wir wollen niemanden, der nur Fußball spielt - schon gar nicht in der Hessenliga. Das können wir uns auf Dauer nicht leisten - und wollen es auch gar nicht.«

Dass das Thema berufliche Karriere bei Spielern mit Wurzeln im Ausland bereits mit der Sprache anfange, sei klar. »Unsere Spieler müssen die deutsche Sprache mittelfristig zumindest in Grundzügen können, um integriert zu werden - auch in der Kabine. Wenn dort gelacht wird und man weiß nie, warum, dann ist das einfach schwierig«, erklärt Weber, weshalb man hier trotz Problemen durch den Lockdown ebenfalls individuelle Lösungen gefunden habe.

Betreuung als Aushängeschild

Das große Ziel Webers: »Wenn wir schon nicht die beste Infrastruktur haben, wollen wir wenigstens mit die beste Betreuung garantieren, sodass die Jungs sich wohlfühlen und ihren besten Fußball zeigen können. Und ich glaube auch, dass unsere Spieler das zu schätzen wissen.« Hierbei helfe vor allem die soziale Grundausrichtung des Vereins, der »extrem aufgeschlossen« gegenüber derlei Ideen sei. So werde nicht nur in Spieler, sondern auch in bessere Betreuung, etwa im physiotherapeutischen Bereich, investiert.

Auf lange Sicht wird »vieles daran hängen, dass es eine vernünftige Infrastruktur gibt«, sagt Weber - und erwartet die in Friedberg. »Aktuell improvisieren wir viel, das geht auch irgendwie und ist ja auch fast schon zu etwas wie einem Image geworden, aber wir hoffen, dass wir die Stadt Friedberg eines Tages auch aus Friedberg heraus repräsentieren können.« Dabei beziehe er das Thema Nachwuchsförderung explizit mit ein.

Hinter all dem steht der Wunsch, die aktuelle Zeit möglichst effektiv zu nutzen, sei es doch »Zeit, die man sonst nicht gehabt hätte«, meint Weber. »Wir wollen auf diese Weise eine gute Runde spielen. Die letzte war schon ziemlich gut. Und wenn wir das Loch zwischendrin nicht haben, sind wir auch oben dran.« Und spätestens dann würden auch Träumereien von einem noch höherklassigen Fußball in der Wetterau wieder neue Nahrung erhalten.

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