09. Mai 2021, 10:00 Uhr

Handball

Als der »Magier« die Wetterau besuchte

Die Handball-Bundesliga-Prominenz gab sich in den 1970er-Jahren ein Stelldichein beim TSV Butzbach.
09. Mai 2021, 10:00 Uhr
Auch Vlado Stenzel gab seine Visitenkarte in Butzbach ab. BF

Alfred Gislason kommt am Sonntag zum Heimspiel der HSG Butzbach. Und beim Gegner spielt Uwe Gensheimer auf Linksaußen - das wäre die Schlagzeile heute. Wenn man das Rad der Geschichte um 50 Jahre zurückdreht, muss es sich so oder ähnlich für die Spieler und Handballfans des TSV Butzbach Anfang der 1970er Jahre in der Vorschau auf ein anstehendes Sportwochenende angehört haben. Während der Bundesligazeit besuchten große Namen den Butzbacher Handballzirkus, der vom Hessischen Rundfunk regelmäßig eingefangen und transportiert wurde. Es war die Hochphase der nun 100-jährigen Abteilungsgeschichte.

Am 22. März 1975 kam der damalige Bundestrainer Vlado Stenzel in die Wetterau und begutachtete das Derby zwischen Butzbach und dem TV Hüttenberg. Der als »Magier« verehrte, spätere »König von Kopenhagen« beobachtete an diesem Abend seinen Hüttenberger Nationalspieler Horst Spengler, der beim bereits feststehenden Absteiger Butzbach wenig Mühe hatte, sein Team zu einem 18:12-Sieg zu führen. Stenzels Vorhaben, Deutschland mit Kapitän Spengler an die Weltspitze zu führen, setzte er drei Jahre später in die Tat um. Die Bilder des gebürtigen Kroaten mit Krone auf dem Haupt als Weltmeister-Trainer gingen um den Globus.

Bereits 1973 war Stenzel als jugoslawischer Nationaltrainer Augenzeuge des Butzbacher Aufstieges in Rüsselsheim, und er stellte seinem Landsmann Toni Turkaly, damals TSV-Trainer, im Interview nach dem Spiel ein mäßiges Zeugnis aus. »Was mir an Turkaly nicht gefallen hat: dass er sich so sehr auf die Schiedsrichter eingelassen hat«, soll Stenzel etwas humorlos im Butzbacher Jubel gesagt haben, was den Helden aber egal gewesen sein dürfte, denn sie freuten sich schon auf die Duelle mit den ganz Großen.

Am 15. Dezember 1973 gastierte der ehemalige Deutsche Meister SG Leutershausen mit dem späteren 43-fachen Nationalspieler Jürgen Hahn beim Aufsteiger in Butzbach. Hahn, der drei Jahre später an den Olympischen Spiele in Montreal teilnahm, konnte zur überraschenden 9:17-Blamage seiner Mannschaft beim Underdog aus Mittelhessen keinen Treffer beisteuern. Butzbach holte mit dem Sieg wichtige Punkte im Abstiegskampf.

Unbestritten ein echter Höhepunkt war am 10. Februar 1974 der Auftritt von Frisch-Auf Göppingen vor über 2000 Zuschauern in der überfüllten Butzbacher Halle. Beim Deutschen Meister von 1970 und 1972 stand die halbe Nationalmannschaft im Aufgebot. Armin Emrich erzielte an diesem Abend das 1:0, konnte den Butzbacher 15:14-Sensationserfolg aber nicht verhindern. Emrich spielte bis 1982 in der Bundesliga und war später deutscher Nationaltrainer der Männer und Frauen.

Am 23. März 1974 machte der TSV Butzbach in einem seiner besten Spiele den Klassenerhalt endgültig perfekt. Beim 21:19-Sieg gegen den TSV Karlsruhe-Rintheim spielte mit Max Müller ein weiterer Nationalspieler beim Gegner. Müller wurde 51-mal in die DHB-Auswahl berufen, warf dabei 110 Tore und war 1970 WM-Fünfter in Frankreich.

Dem TSV Butzbach gingen mit dem Abstieg im März 1975 auch die großen Namen auf dem Hallenparkett verloren. Es dauerte bis in die 1990er Jahre, ehe ein gewisser Florian Naß mit dem TSV Nieder-Mörlen regelmäßig in Butzbach gastierte. Eben jener Naß, der später eine Karriere als ARD-Kommentator startete.

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