22. Januar 2020, 12:00 Uhr

Einziges Team der Wetterau

Zweiter Teil eines Abenteuers: Die C-Juniorinnen der HSG Kirch-/Pohl-Göns/Butzbach und die Oberliga

Es ist einer der größten Erfolge der jüngeren Vergangenheit für die Jugendarbeit der HSG Kirch-/Pohl-Göns/Butzbach. Seit Saisonbeginn spielt die weibliche C-Jugend in der Oberliga. Ein Besuch.
22. Januar 2020, 12:00 Uhr
Klare Ansage: Der Trainer der HSG Kirch-/Pohl-Göns/Butzbach, Till Strödter (Mitte), muss sein C-Juniorinnen-Team an die vermehrte Härte in der Oberliga Hessen, Gruppe Nord, gewöhnen. (Foto: Jaux)

Acht Spiele, drei Pluspunkte, Rang sieben - die weibliche Jugend C der HSG Kirch-/Pohl-Göns/Butzbach ist angekommen in Hessens höchster Spielklasse. Das Team der Trainer Till Strödter, Michael Wellner und Torwarttrainerin Tina Klein steht zwar auf dem vorletzten Platz der Handball-Oberliga, Gruppe Nord, will aber nach der Winterpause am 2. Februar (18 Uhr) mit dem Heimspiel gegen die HSG Twistetal in seiner ersten Saison noch einmal angreifen.

Im zweiten Anlauf klappt es mit der Qualifikation für die Oberliga Hessen

»Erst einmal ist es fantastisch, dass wir überhaupt zu diesem Kreis gehören«, sagt Strödter. »Ab dem dritten Platz konnten wir in der Hinrunde gegen alle Teams mitspielen. Das war mir sehr wichtig. Manchmal fehlt in der Schlussphase die Abgeklärtheit und natürlich auch die Kraft, denn, um dort mithalten zu können, müssen wir am Limit kämpfen. Mit den drei Punkten sind wir also unter dem Strich zufrieden.«

Bereits in der vergangenen Saison hatte die Mannschaft, damals mit dem jüngeren Jahrgang die Oberliga-Qualifikation in Angriff genommen - und war in der Vorauswahl des Bezirks eigentlich gescheitert. Nach dem Rückzug einer Mannschaft wäre zwar die Teilnahme an der Hauptqualifikation möglich gewesen, doch die HSG-Truppe verzichtete, wurde Zweiter in der Bezirksoberliga - und startete vor dieser Saison einen neuen Anlauf in Baunatal. Nach zwei relativ deutlichen Niederlagen gegen den Gastgeber und die SG Bruchköbel folgte ein Ein-Tor-Sieg gegen die HSG Sulzbach/Leidersbach. Das reichte.

Körperliche Härte als größte Herausforderung für die Mannschaft

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren, in denen es zunächst drei Oberliga-Staffeln á acht Mannschaften, dann zwei Staffel á zehn Teams gegeben hatte, sind es in diesem Jahr erstmals nur noch insgesamt 16 Klubs in zwei Ligen. »Das finde ich schon beachtlich, dass wir da dazugehören«, sagt Strödter. »Und das nur mit Spielerinnen, die entweder aus den Orten unserer Spielgemeinschaft oder schon in jungen Jahren aus eigenen Stücken von Nachbarvereinen zu uns gekommen sind.«

Besonders deutlich habe man dies daran gemerkt - da sind sich Strödter und sein »Co« Wellner einig -, dass das Team sich zu Beginn der Runde erst an die körperliche Härte in der neuen Spielklasse gewöhnen musste. »Das waren unsere Mädels so nicht gewöhnt, aber sie haben es inzwischen angenommen und kommen besser damit zurecht«, sagt Wellner. Strödter ergänzt: »Bis dahin haben wir zu lieb und zu körperlos gespielt, was wir teilweise jetzt leider noch im Training machen. Aber das ist ein Prozess.«

Großes Problem für die HSG K/P/G/Butzbach: Die Hallenzeiten

Ebenfalls neu: Laut Regeln des Hessischen Handballverbandes (HHV) darf in der Oberliga nur eine 3:2:1-Deckung gespielt werden. Doch diese Neuerung habe relativ schnell funktioniert. »Ansonsten sind wir viel im Grundlagentraining - Ballannahme in der Vorwärtsbewegung, Wurftraining, Eins-gegen-eins-Situationen lösen und abschließen«, erklärt Strödter. »Aber das ist in der C-Jugend eben noch so.« Dafür wird zwei- bis dreimal die Woche trainiert. »Das machen in dieser Spielklasse alle so. Da gehört auch eine dritte Einheit eigentlich obligatorisch dazu«, erklärt Strödter. Das einzige Problem: Die Hallenzeiten sind eng begrenzt, meistens müssen sich zwei Teams das Feld teilen - und das obwohl angesichts der Spielgemeinschaft eigentlich viele Hallen im Einzugsgebiet sind. Kraft- und Athletiktraining werden so nicht selten nach draußen und ins Hallen-Foyer verlegt.

Dem Teamspirit scheint das eher gut zu tun. Bleibt die HSG-Mannschaft zusammen, wäre auch der Sprung in die B-Jugend-Oberliga im kommenden Jahr möglich, der dann allerdings als jüngerer Jahrgang erneut deutlich schwieriger wäre, zumal in dieser Altersklasse nur noch eine Oberliga-Staffel existiert. »Die Qualifikation würde ich trotzdem spielen, um sich einfach auf diesem Niveau messen zu können«, sagt Strödter. »Vielleicht spielen wir erst eine Saison später wieder auf Landesebene.« Auch das wäre im Wetteraukreis - Stand jetzt - ein Alleinstellungsmerkmal. »Man nimmt mittlerweile von außen durchaus ein Interesse wahr - und aus dem Verein heraus einen gewissen Stolz«, sagt Strödter. »Das ist mir manchmal fast etwas unangenehm.«

Neuling aus der Wetterau mit dem besten Zuschauerschnitt der Spielklasse

Grundlage für den Erfolg ist neben dem Sportlichen auch der HSG-Förderverein, der einen Großteil seines Geldes in die Jugendarbeit steckt - und nicht in die Aktivenmannschaften. Immerhin: Dank des besten Schnitts der Liga von knapp 80 Zuschauern finanzieren die C-Jugendlichen durch den Eintritt ihre Auswärtsfahrten ein Stück weit selbst. Das wird auch in der Rückrunde so sein.

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