27. Juni 2018, 07:00 Uhr

Fußball WM 2018

Zwei Wetterauer in Russland: So ist es bei der WM wirklich

Partys mit Mexikanern und Isländern, Public Viewing mit 100.000 Menschen, bei den Deutschland-Spielen live im Stadion: Zwei Wetterauer erzählen über ihre Reise zur Fußball-WM.
27. Juni 2018, 07:00 Uhr
Der Fußball verbindet: Marco Walther (2. v. l.) und Sandro Beutnagel (hinten) sind in Russland mittendrin. (Foto: privat)

Frankfurt, Moskau, Sotschi, Moskau, Frankfurt – so lautet die Route von Marco Walther, Spielertrainer bei der SG Wohnbach/Berstadt, und seinem Kumpel und Teamkollegen Sandro Beutnagel. Gemeinsam sind sie noch bis heute bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland unterwegs. Am Ende ihrer Reise werden sie nicht nur Tausende Kilometer zurückgelegt und mit Fußballfans aus allen Herren Ländern gemeinsam gefeiert haben, sondern auch ein echtes Abenteuer erlebt haben. Via WhatsApp und dank W-Lan am Strand in Sotschi kommt der Kontakt mit den beiden Wetterauern zustande. Es sind beeindruckende Erzählungen aus zehn Tagen WM in Russland.

Gemeinsam Fußballschauen: Beim großen Fan-Fest in Moskau mit 100 000 Fußballbegeisterten geht es um den Sport und ein paar schöne Stunden zusammen. (Foto: privat)
Gemeinsam Fußballschauen: Beim großen Fan-Fest in Moskau mit 100 000 Fußballbegeisterten g...

»Die Stimmung vor Ort ist fantastisch – besonders in Moskau auf der Fanmeile, wo rund 100 000 Menschen zusammen Public Viewing machen können, aber auch auf dem Roten Platz und rund um die Stadien. Wir haben mit so vielen verschiedenen Nationen zusammen Fußball geschaut und gefeiert. Alle sind hier, um Spaß am Turnier und miteinander zu haben«, erzählt Walther. Er hatte sich an den Plan seines Freundes gehängt, der sich Anfang des Jahres zunächst um Karten beworben hatte. Als die Zusage kam, begannen die Planungen – und zogen sich bis kurz vor der Abreise hin. »Das ist schon etwas anderes, als mal eben nach Malle zu fliegen«, sagt Walther mit einem Zwinkern.

Wenn wir deutsche Trikots gesehen haben, waren es meistens die Asiaten, die sie getragen haben

Marco Walther

Zwei Wetterauer bei der WM 2018 in Russland: Enttäuschung über deutschen Anhang

Zum Auftakt ging es für die beiden Wetterauer in die russische Hauptstadt Moskau, wo die deutsche Mannschaft beim 0:1 gegen Mexiko ihre Fans allerdings enttäuschte. Dort ist übrigens auch das DFB-Fan-Camp, dessen Manager ebenfalls aus der Wetterau kommt. Der Stimmung tat das allerdings nur kurzzeitig etwas Abbruch, denn die Mexikaner sorgten für Abwechslung. »So eine Stimmung wie die Mexikaner im Spiel gegen Deutschland im Stadion gemacht haben, haben wir noch nie erlebt. Und es war sicher nicht unser erstes Spiel im Stadion«, erzählt Walther. »Wir haben Mexikaner kennengelernt, die für dieses eine Spiel 20 Stunden um die Welt geflogen sind.« Überhaupt würden gerade die südamerikanischen Fans für die entsprechende Stimmung sorgen, da sie ihr Team jederzeit mit einer unfassbaren Leidenschaft anfeuerten.

Marco Walther ( 2. v. l.) und Sandro Beutnagel (r.) genießen in Russland besonders die Bekanntschaften mit Fans anderer Mannschaften – und ihren Kulturen. (Foto: privat)
Marco Walther ( 2. v. l.) und Sandro Beutnagel (r.) genießen in Russland besonders die Bek...

Etwas enttäuscht waren die beiden WM-Fahrer aus Hessen aber von der Präsenz der deutschen Anhängerschaft. »Wir deutschen Fans sind natürlich etwas reservierter als die Südländer. Wir haben zwar viele ganz interessante Deutsche kennengelernt, die unglaublich viel gesehen haben und uns tolle Geschichten von vorausgegangenen WM-Turnieren erzählen konnten, aber bei den großen Fanfesten haben wir doch relativ wenig Deutsche getroffen. Wenn wir deutsche Trikots gesehen haben, waren es meistens die Asiaten, die sie getragen haben«, erzählt Walther mit einem lachenden Smiley. Es sei ihnen wohl auch deshalb einmal passiert, dass sie bei einem Foto mit marokkanischen Fans gefragt wurden, ob sie echte Deutsche seien oder nur das Trikot tragen würden. Daher auch das Fazit der beiden aus Fan-Sicht: »Wenn es darum geht, unsere Nationalelf zu unterstützen, können wir Deutschen von anderen Kulturen noch viel lernen

Reise zur WM 2018 nach Russland: So ist es wirklich vor Ort

Überhaupt fällt den beiden Schlachtenbummlern auf, dass die WM in Russland gerade in den deutschen Medien und in den sozialen Netzwerken daheim vor allem negativ dargestellt wird. Das sehen die beiden nach ihren Erfahrungen vor Ort aber ganz anders: »Wenn man die Stimmung mitbekommt, sind das wie zwei komplett verschiedenen Welten zwischen hier und dort, obwohl es um dasselbe Event und dasselbe Land geht. Das ist sehr schade, weil es dem Gastgeber sowie dieser grandiosen Veranstaltung in keinster Weise gerecht wird«, sagt Walther.

Die negative Stimmung in Deutschland ist sehr schade, weil es dem Gastgeber sowie dieser grandiosen Veranstaltung in keinster Weise gerecht wir

Marco Walther

Übrigens gab es für die beiden Wetterauer auch abseits der Stadien in Russland viel zu erleben: Egal, ob es das etwas gewöhnungsbedürftige Hotel im Moskauer Zentrum zu Beginn der Reise war, die doch eher mangelhaften Englischkenntnisse der Russen bei ausgedehnten Touren zu Fuß durch die Hauptstadt oder aber abenteuerliche Taxi-Fahrten in der russischen Megametropole: »Dabei sind wir um Jahre gealtert. Wenn die mit 140 Stundenkilometer durch die Innenstadt rasen, auf einer siebenspurigen Autobahn drei Handys gleichzeitig bedienen oder einem beim Fahren Familiengeschichten vom Angeln auf dem Handy vorführen – Wahnsinn! Wir waren immer wieder froh, wenn wir heil ausgestiegen sind.«

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So denken die beiden Wetterauer über das DFB-Team

»Ja, die ersten beide Spiele waren noch nichts. Unsere Mannschaft hatte große Probleme im Umschaltspiel in der Defensive. Wir hatten den Eindruck, dass die Mannschaft noch nicht im Turnier angekommen ist. Das war alles zu langsam, zu behäbig, zu uninspiriert und ohne den nötigen Biss«, sagt Marco Walther. Aber er ist sich auch sicher: »Wir werden gegen Südkorea in die K.-o.-Phase einziehen und dann ist alles möglich.« Immerhin: Der beste Moment der Reise war für die beiden heimischen WM-Fahrer das Tor von Toni Kroos zum 2:1 gegen Schweden in der Nachspielzeit: »Diesen Moment live erlebt zu haben, dafür sind wir sehr dankbar«, sagt Walther.

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