13. November 2019, 07:00 Uhr

»Wir sind die Legende«

»Wir sind die Legende« - Das ist der Macher hinter der TV-Serie über den EC Bad Nauheim

Das hat es noch nie gegeben! Der EC Bad Nauheim wurde während einer kompletten Saison von einer TV-Crew begleitet. Entstanden ist dabei die sechsteilige Serie »Wir sind die Legende«.
13. November 2019, 07:00 Uhr
Markus Riemer ist Chef der Firma EMU Productions mit Sitz in Wöllstadt. (Foto: Nici Merz)

EC Bad Nauheim


Wie wird ein Kader zusammengestellt? Was passiert in der Kabine? Wie wächst eine Mannschaft zusammen? Welcher Aufwand, welche Manpower ist rund um einen Profispielbetrieb erforderlich? EMU-Productions um Chefredakteur Markus Riemer hat die Roten Teufel eine komplette Saison hinweg begleitet und dabei exklusive Einblicke erhalten. An 78 Drehtagen wurden von sechs Kameraleuten 388 Stunden Filmmaterial gesammelt und von drei Redakteuren und vier Cuttern im Anschluss gesichtet und bearbeitet. Entstanden sind sechs Episoden von jeweils rund 40 Minuten. Folge I unter dem Titel »Katerfrühstück und Aufbruchstimmung« ist seit vergangenen Freitag auf dem Online-Portal Amazon.de kostenpflichtig abrufbar. Teil II »Hessens wahre Liebe« folgt an diesem Freitag. Zum Winter-Derby gegen Frankfurt am 14. Dezember in Offenbach ist die komplette Staffel auf DVD und Blue Ray erhältlich.

Im Interview spricht Markus Riemer über seine Intension, über überraschende Momente und warum er im EC Bad Nauheim Potenzial für den nordamerikanischen Markt sieht.

Markus Riemer; vergleichbar zeit- und arbeitsintensive Projekte kann man bundesweit an einer Hand abzählen; im Fokus stehen dabei der Fußball, oder zumindest Erstligisten. Warum haben Sie sich für den EC Bad Nauheim, einen Eishockey-Zweitligisten, entschieden?

Markus Riemer: Wir produzieren seit 30 Jahren TV-Content, zumeist in Sachen Auto und Mobilität, und wir wollten einfach mal etwas anderes machen. Intern kamen wir schnell auf den EC Bad Nauheim, weil das für uns auch ein Hobby ist. Wer nicht dreht, den sieht man bei den Heimspielen ohnehin oft im Stadion.

Wie hat der Klub reagiert?

Riemer: Sehr positiv. Dem Klub ist durchaus bewusst, über dieses Format eine öffentliche Wahrnehmung zu erhalten, die es so nicht gegeben hätte. Beginnend mit den Dreharbeiten hat zudem die Produktion für die Formate EC-TV und Bodycheck begonnen. Wir waren also in dem Sinne keine Fremden, die da mal etwas ausprobieren wollten.

Sie zeigen Bilder aus der Kabine, aus dem Bus; aus den sensiblen Bereichen von Trainern und Mannschaft. Wie ist es gelungen, Zugang und Vertrauen zu gewinnen?

Riemer: Das ist anfangs natürlich schwierig. Die Leute wissen ja zunächst nicht, was dabei herauskommt. Wir waren den Sommer über schon mit Spielern zusammen, waren auch im Trainingslager dabei. Da entwickelt sich doch recht schnell ein Gefühl und eine Vertrauensbasis. Christof Kreutzer hat als Trainer aber auch Grenzen gezogen. Die Ansprache vor dem Spiel beispielsweise war ihm heilig. Andere Sachen wiederum stellt man sich als Außenstehender anders, viel spannender, vor, als sie letztlich sind. Ich bin beispielsweise im Bus mitgefahren und hab schnell die Lehre daraus gezogen, dass man dies kein zweites Mal machen muss. Die Jungs steigen ein und schlafen. Das würde ich letztlich genauso machen.

Bei 388 Stunden Material - wie gelingt es, das Wichtigste herauszufiltern?

Riemer: Wir sind ja nicht blauäugig an das Projekt herangegangen, sondern hatten unser grobes Gerüst im Kopf. Eckpunkte wie ein Trainingslager, Ankunft der Spieler, erstes Eistraining, Sonderzug oder auch das Weihnachtssingen wiederholen sich ja. Am Ende gibt’s da - egal, wie die Saison sportliche läuft - ja keinen Unterschied. Dass wir die Playoffs mitnehmen konnten, war natürlich umso schöner.

Inwiefern hat Ihnen die amerikanische Dokumentationsreihe »All or Nothing« als Vorlage gedient?

Riemer: Wir haben erkennen können, dass dieses Serien- und Reality-Format national und international Erfolg haben kann; obwohl es nichts mit Fußball zu tun hat. Wir haben uns ganz bewusst für eine andere Sportart entschieden und auch den Titel »Wir sind die Legende« bewusst gewählt, um eine Serie mit Traditionsklubs gestalten zu können. Gerade ein Traditionsverein ist mehr als nur der reine Sport. Beim EC hängt wahnsinnig viel am Ehrenamt, und das versuchen wir aufzuzeigen, am Beispiel des Maskottchens, am Beispiel von Jana Duderstadt, die nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit leitet, sondern ganz nebenbei studiert. Solche Dinge sind entscheidend für die Serie. Der Sport allein aus rund 60 Spielen - das wäre uns viel zu langweilig gewesen.

Was war der schwierigste Moment beim Dreh?

Riemer: Im Grunde genommen alles, was mit der Infrastruktur im Stadion zusammenhing. Der Nebel beispielsweise ist als optischer Effekt ja mal ganz cool, aber nunmal keine professionelle Produktionsumgebung.

Was hat Sie emotional am meisten bewegt?

Riemer: Emotional schwierig war das Bietigheim-Spiel mit der schweren Verletzung von Garret Pruden. Emotional war auch die Fahrt mit dem Sonderzug. Emotional bin sicher, wenn wir Frankfurt schlagen. Und das wird auch nie langweilig.

Gibt es Momente, die Sie gerne gefilmt hätten, aber nicht dokumentiert haben?

Riemer: Ja. Die Pruden-Verletzung. Er wurde vom Eis in den Vorraum der Schiedsrichterkabine gebracht. Mein erster journalistischer Impuls war, das zu drehen. Das haben wir aber nicht gemacht. Und die Launen von Christof Kreutzer nach einer Niederlage kennt man auch. Er hat mir auch das eine oder andere Mal die Tür vor der Nase zugeschlagen.

Sie haben zweifellos eine Nische besetzt. Ist ein ähnliches Format denkbar?

Riemer: Ja, aber das muss nicht unbedingt der Fußball sein. Was ich gerne machen würde, wäre Wasserball. Das reizt, weil man optisch gute Sachen machen kann und es zugleich eine Sportart ist, die oft hinten runter fällt. Oder Handball. In Bezug auf Eishockey wären sicher die Adler Mannheim reizvoll. Wir werden mit dem »Wir sind die Legende«-Format an Vereine herantreten.

Was war der verrückteste Moment?

Riemer: Wenn etwas Unerwartetes geschieht. Wir waren beispielsweise dabei, als Andreas Ortwein im Marketingausschuss erstmals das Thema Winter-Derby angesprochen hat. Da war nichts vorab besprochen. Das war Zufall, dass wir dabei waren.

Ist eine Expansion auf den sportverrückten nordamerikanischen Markt denkbar?

Riemer: Ja, das ist geplant. Wir hatten uns auch ganz bewusst für den Dienst von Amazon entschieden, weil er internationale Vermarktungsoptionen bietet. Was derzeit generiert wird, ist ein sehr kleiner Tropfen auf einem sehr großen Stein. In Deutschland gibt es etwa 100 000 bis 300 000 Menschen, die sich medial mit Eishockey auseinandersetzen. Für uns ist ein englischsprachiges Format mit leicht modifizierten Inhalten auf dem US-Markt interessant, weil sich dort und 30 Millionen Menschen für den Sport interessieren, die wir mit dem Slogan »crazy german hockey« auch erreichen wollen.

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