12. Dezember 2019, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

Winter-Derby: Wenn beste Freude zu Gegnern werden

Daniel Stiefenhofer (EC Bad Nauheim) und Dominik Meisinger (Löwen Frankfurt) sind zusammen großgeworden. Im Winter-Derby der DEL2 stehen sich die Freunde nun als Rivalen gegenüber.
12. Dezember 2019, 07:00 Uhr
Stairdown: Daniel Stiefenhofer (links/Bad Nauheim) und Dominik Meisinger (Frankfurt). Am Samstag stehen sich die beiden Füssener im Winter-Derby der Deutschen Eishockey-Liga2 in Offenbach gegenüber. FOTO: NICKOLAUS

Sie sind beste Freunde. Und dies schon von kleinauf. Daniel Stiefenhofer und Dominik Meisinger, Eishockey-Profis aus Füssen. Am Samstag in Offenbach treffen sie aufeinander; als Gegner. Stiefenhofer verteidigt für den EC Bad Nauheim, Meisinger spielt für die Löwen Frankfurt.

Füssen ist ihre Heimat. 14 000 Einwohner. Jeder kennt hier quasi jeden. Man wächst zusammen auf, teilt Träume, Sorgen und Tränen - und wird als keiner Junge Mitglied im Eislaufverein. Dessen große Zeit liegt zwar lange zurück (16 deutsche Titel, zuletzt 1973), der Klub machte das Allgäu-Städtchen aber zusammen mit dem Schloss Neuschwanstein bekannt. Hier sind Daniel Stiefenhofer und Dominik Meisinger groß geworden. Die Großväter sind Cousins, Vater Meisinger hat die beiden einst trainiert. Mit der Jugend-Mannschaft wurden sie deutscher Meister (in Bad Nauheim im übrigen). Als Eigengewächse schafften sie später beim damaligen Oberligisten den Übergang in den Seniorenbereich. Stiefenhofer und Meisinger sehen sich während der Sommermonate im Heimaturlaub fast täglich, sie trainieren gemeinsam, pflegen den gleichen Freundeskreis und waren auch schon gemeinsam zum Sightseeing in den Vereinigten Staaten.

Am Samstag (20.30 Uhr) treffen die beiden Freunde im Winter-Derby in Offenbach als Gegner aufeinander. Wir haben sie vorab zum Interview auf neutralem Boden getroffen; im »Down Under« in Bad Vilbel.

Dominik Meisinger, haben die Löwen denn am Samstag eigentlich einen spielfähige Kader zusammen?

MEISINGER (lacht): Klar. Irgendwie wird’s schon gehen. Vielleicht haben wir nur gerade einmal drei Reihen. Das ist sicherlich nicht optimal. Aber wir reden jetzt auch erstmal nur von einem Spiel.

Zur Hauptrunden-Halbzeit steht Frankfurt auf Platz acht. Das kann nicht der Anspruch der Löwen sein. Müssen sich die Fans Sorgen machen?

MEISINGER: Die Resultate und die Platzierung nur auf die Verletzungen und Ausfälle zu schieben, ist mir zu einfach. Wir spielen engagiert, treffen aber zu oft falsche Entscheidungen. Wir lassen zu viele Chancen liegen, und die Über- und Unterzahl-Formationen sind nicht so erfolgreich wie wir uns das vorstellen. Sorgen muss sich dennoch keiner machen. Wenn wir wieder komplett sind, haben wir eine ganz andere Qualität. Aber klar: Die Situation ist nicht einfach und darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Was muss passieren?

MEISINGER: Wir brauchen einfach wieder ein positives Signal, sodass ein Ruck durch die Mannschaft geht und wir aus diesem Abwärtsstrudel herauskommen. Im Moment läuft schon sehr vieles gegen uns. In erster Linie gilt es aber, unsere Leistung auf dem Eis zu verbessern. Da stehen die in der Pflicht, die aktuell auf dem Eis sind. Und das sind noch immer genug Spieler.

Bad Nauheim ist erstmals favorisiert. Wie gehen Sie mit dieser Rolle um?

STIEFENHOFER: Ein Derby hat - das haben wir uns selbst immer wieder gesagt - eigene Gesetze. Da kann alles passieren. Klar, wir haben die bessere Formkurve, aber wir reden hier auch nur von einem einzigen Spiel. Unter den besonderen Vorzeichen ist’s vielleicht mit einem Endspiel vergleichbar. Aber klar: Wir gehen auf jeden Fall selbstbewusst in die Partie.

Dominik, was macht Ihnen mit den Löwen Hoffnung?

MEISINGER: Wir haben genug Qualität. In einer solch außergewöhnlichen Partie ist die Formkurve egal.

Hat ein Derby für Spieler die gleiche Magie wie für die Fans?

STIEFENHOFER: Man wird durch die Fans schon gepusht. Gerade in einer Stadt wie Bad Nauheim spürt man die besondere Bedeutung, man ist motiviert, weiß, wie wertvoll so ein Sieg für die Fans ist und möchte den Anhängern so einen Erfolg natürlich schenken. Und natürlich: Es ist geil, vor einer großen Kulisse zu gewinnen.

Welches Derby hat Ihr Leben geprägt?

STIEFENHOFER: Als Teenager erinnere ich mich an ein Derby der Senioren in Kaufbeuren. Füssen hatte Top-Ausländer in diesem Jahr und gewann in Kaufbeuren mit 8:0. Danach wurden extra T-Shirts gedruckt. Zwei Tage später wurde das Rückspiel abgebrochen, weil die Fans eskaliert sind.

MEISINGER: Heute als Erwachsener hat man einen anderen Blick. Und ich denke, das Derby Bad Nauheim - Frankfurt hat schon eine herausragende Bedeutung. Stiefi, wenn Du vor Samstag noch einmal anrufst, gehe ich nicht mehr ran.

STIEFENHOFER: Da ruht die Freundschaft also wieder eine Woche plus 60 Minuten plus X; je nach Spielverlauf.

Dominik, Sie kennen das Hessen-Derby von beiden Seiten. Wird das in Bad Nauheim intensiver gelebt, weil die Roten Teufel gewöhnlich Außenseiter sind?

MEISINGER: Ich glaube, das hat sich verändert. Bad Nauheim ist nicht mehr klein, sondern eine Top-Sechs-Mannschaft. Vor zwei, drei Jahren hatte ein Sieg in Bad Nauheim aber tatsächlich eine höhere Bedeutung; eben weil man der Underdog war.

Verändert dieses Spiel den alltäglichen Kontakt zwischen Ihnen? Oder wird geflachst und provoziert?

STIEFENHOFER (lacht): Eher nach dem Spiel.

MEISINGER: Da sieht’s für mich meist schlecht aus. Das gehört dazu. Aber wir pflegen eine ganz normale Freundschaft.

STIEFENHOFER: Man tauscht sich unter Freunden aus. Da geht’s ja nicht grundsätzlich nur um das Thema Eishockey.

Sind Sie durch Ihren Kontakt über das Kabinenleben des jeweils anderen informiert? Wissen Sie beispielsweise, was hinter Ober- oder Unterkörperverletzungen wirklich steckt?

STIEFENHOFER: In der Derbywoche würde man das wohl nicht preisgeben. Aber natürlich fragt man nach der Gesundheit von Freunden. Da ist das Vertrauen da.

MEISINGER: Man hat doch in fast jeder Mannschaft Freunde, die einem näher stehen. Da spricht man bestimmt nicht von einer Ober- oder Unterkörperverletzung. Wenn sich jetzt heute einer verletzt, würde ich aber ganz bestimmt keine präzisen Angaben dazu machen. Da ist man clever genug.

Wie ist der Umgang miteinander, wenn das Spiel erstmal läuft?

STIEFENHOFER: Auf dem Eis schaltet man das aus. Ich selbst bin vielleicht eher noch einen Tick motivierter, wenn’s gegen Freunde geht. Das Spiel hat seine eigenen Regeln - und das ist im Anschluss vergessen.

MEISINGER: Man merkt im Spiel auch nicht immer, wer da gerade steht; gerade im Zweikampf nicht. Vielleicht gibt’s mal eine Situation mit einer 50:50-Entscheidung, wo man vielleicht mal etwas machen könnte. Das macht man natürlich nicht, wenn da ein guter Freund steht.

STIEFENHOFER: Eine Schelle hast Du schon verdient.

MEISINGER: Dann musst Du das Echo vertragen können.

Ist es in der jetzigen Situation schwieriger, die Resultate immer wieder zu bestätigen, oder dem eigenen Anspruch endlich gerecht werden zu können?

STIEFENHOFER: Wir haben den angenehmeren Druck. Wir haben uns eine gute Ausgangslage erarbeitet, wollen den Gegner auf Abstand halten und uns oben festigen. Den Druck machen wir uns selbst. Wir haben richtig gute Spiele gezeigt, wenn wir unser Konzept durchgezogen haben. Wenn wir den Weg aber verlassen, wie beispielsweise in Landshut, dann können wir auch gegen jeden Gegner verlieren.

Die Löwen haben vom Tabellenletzten zehn Gegentore bekommen, jetzt hagelt es Kritik nach einer Heimniederlage gegen Crimmitschau. Wie sehen Sie die Ausgangslage für Samstag?

MEISINGER: Wir haben Spiele verloren, die wir normal nicht verlieren. Das ist jetzt so. Klar, wir haben einen anderen Anspruch. Jetzt haben wir nur ein Wochenend-Spiel. Wenn es ein Null-Punkte-Spiel gibt, dann geht’s vielleicht schnell nach unten. Diesen Druck haben wir uns selbst zuzuschreiben. Da müssen wir jetzt durch. Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen.

Bad Nauheim und Frankfurt genießen drei Stunden Live-Präsenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Welche Wirkung kann von dieser Partie ausgehen?

STIEFENHOFER: Natürlich wünscht man sich Nachhaltigkeit. Und eine solche Partie ist auch eine Chance; für beide Klubs. Wir haben die Möglichkeit, Menschen für unseren Sport zu begeistern, in einer Region, in der - anders als bei uns zu Hause in Bayern - viele Eishockey vielleicht gar nicht kennen. Diese Leute müssen wir erreichen. Nicht allein das Spiel, sondern das Flair dieses Events muss im Vordergrund stehen.

MEISINGER: Die Region ist auf Fußball fixiert. Wenn die Eintracht ein internationales Quali-Match bestreitet, rennen 50 000 Menschen ins Stadion. Jetzt bietet ein anderer Sport hier ein außergewöhnliches Event. Da müsste doch eigentlich jeden Sport-Interessierte ins Stadion locken; ob Eishockey-Fan oder nicht.

Zum Abschluss: Wer gewinnt?

MEISINGER: Wir schaffen am Samstagabend den Turnaround.

STIEFENHOFER: Wir wollen die Derbysieg-Serie fortsetzen. Da spielen wir unser bestes Hockey.

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