Lokalsport

Winter-Derby-Fazit: Das Gesamtbild für den EC Bad Nauheim stimmt

Das Winter-Derby ist Geschichte. Der EC Bad Nauheim hat mit seinem Freiluftspiel im Offenbacher Fußballstadion mehr als 15 000 Zuschauer angelockt. Wir ziehen Bilanz.
16. Dezember 2019, 12:00 Uhr
Philipp Keßler
Kurstadt-Eishockey in Offenbach: Die Choreografie beim Einlauf der Mannschaften ist mit Spannung erwartet worden. Das war aber nur eine von vielen Randgeschichten rund um das Winter-Derby .	FOTO: NICKOLAUS
Kurstadt-Eishockey in Offenbach: Die Choreografie beim Einlauf der Mannschaften ist mit Spannung erwartet worden. Das war aber nur eine von vielen Randgeschichten rund um das Winter-Derby . FOTO: NICKOLAUS

»Danke« war was wohl meist benutzte Wort auf der Pressekonferenz nach dem Winter-Derby. Es war in den meisten Fällen ein Dank an das Organisatoren-Team um den Geschäftsführer des EC Bad Nauheim, Andreas Ortwein, der gut ein Jahr zuvor sein Team mit der »Schnapsidee«, der Ausrichtung eines Freiluftspiels im Offenbacher Stadion gegen die Löwen Frankfurt, erst geschockt und dann nach kurzer Zeit auf seine Seite gezogen hatte - ein Dank von Spielern, Trainern, Betreuern, Fans und Offiziellen inner- und außerhalb des Sports.

Winter-Derby: Mehr als ein Jahr harte Arbeit zwischen Idee und Verwirklichung

»Eishockey in Bad Nauheim hat sich heute grandios präsentiert. Es war ein tolles Event, dessen Rahmenprogramm neben dem Spiel viele Menschen begeistert hat«, sagte Ortwein am Abend noch hochzufrieden. »Wir haben sehr viel Lob vom Präsidium und den Geschäftsführern der beiden deutschen Eishockey-Ligen bekommen.« Da konnte René Rudorisch, Chef der DEL 2 nur zustimmen: »Das war ein Top-Event. Die Zuschauer waren super unterhalten. Als kleiner Verein so etwas auf die Beine zu stellen - dem muss man Respekt zollen. Wir als Liga fühlen uns gut vertreten und den Eishockey-Sport positiv verkauft.«

Zwischen der ursprünglichen Idee und dem teils überbordenden Lob lagen ein Jahr harte Arbeit, zwei intensive Woche nach dem letzten Heimspiel des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach - und ein aufregender Samstag, der erst weit nach Mitternacht sein Ende gefunden hatte. Mehr als 15 000 Zuschauern wurde ein beeindruckendes Event geboten, facettenreich, unterhaltsam, spannend. Das Fazit: Die Roten Teufel haben die Eishockey-Familie zusammen geführt - friedlich, feierwütig und ein kleines bisschen verrückt angesichts der Tatsache, überhaupt ein Eishockey-Spiel in einem Fußballstadion unter freiem Himmel zu absolvieren.

Winter-Derby: Rund 11 000 Fans aus der Wetterau fahren nach Offenbach

Besonders der Anhang aus der Wetterau machte mit rund 11 000 Schlachtenbummlern ein Gros der Zuschauer aus - und sorgte spätestens ab dem zweiten Drittel mit Wechselgesängen für Gänsehaut-Feeling, das dem Klischee jedes Flutlichtspiel beim Fußball gerecht wurde. Bis dahin allerdings schien die räumliche Distanz zum Spielgeschehen ähnlich groß gewesen zu sein wie die Vorfreude auf das »größte Spiel in der Vereinsgeschichte«, was die übliche Derby-Atmosphäre erst spät zum Ausdruck brachte. Angesichts des positiven Gesamtbildes konnte sich der Wetterauer Landrat aber eine kleine Stichelei in Richtung Mainmetropole nicht verkneifen: »Wir wollten eben den Frankfurtern auch mal zeigen, dass auch ›Landeier‹ etwas bewegen können.«

Damit hatte er den Finger in die Wunde gelegt: Der Löwen-Anhang mied das Winter-Derby in großen Teilen, war mit rund 4000 Zuschauern nicht einmal über dem Zuschauerschnitt in der heimischen Eissporthalle am Ratsweg. Auch der Verkauf an der Tageskasse war angesichts von nur einigen Hundert abgesetzter Tickets überschaubar geblieben - und wird letztlich den Gewinn für die Roten Teufel am Ende schmälern, die in dieser Saison trotz der besten Hinrunde seit dem Wiederaufstieg 2013 ohnehin gegen zunehmend leerer werdende Ränge kämpfen und angesichts der langen Verletztenliste unter den Kontingentspielern weiteres Geld in die Hand nehmen mussten und müssen. Auch Ortwein sagte: »Dieses Spiel hätte ein ausverkauftes Haus verdient gehabt.«

Winter-Derby: »Das war Werbung f+r Eishockey«

Auch die Einschaltquote der Live-Übertragung des »Hessischen Rundfunks« ist mit 60 000 Zuschauern und einem Marktanteil von 2,9 Prozent überschaubar geblieben. Immerhin: Die Fernseh-Bilder samt der deutlich hörbaren Stimmung auf den Rängen, die vor Ort teilweise etwas weniger deutlich gewesen war, schafften das, was das Hauptanliegen des Vereins gewesen war: eine positive Außendarstellung des traditionsreichen Eishockeysports in der Kurstadt. Da fiel am Ende weder die sportliche 2:3-Niederlage nach Penalty-Schießen, noch der Stimmungsboykott der Fan-Gruppierung »Fanatics« sonderlich ins Gewicht.

Denn am Ende - und da hatte Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier recht - wurde denen, die zuschauten »alles geboten«. Für ihn wie für viele andere im Offenbacher Stadion war das Winter-Derby nicht nur wohl ein einmaliges Erlebnis, sondern vor allem »Werbung für Eishockey«. Und darauf kommt es in den Diskussion rund um Stadionneubauten und finanziellen Anstrengungen zum Ligaerhalt am Ende an.

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