23. Mai 2020, 07:00 Uhr

Coronavirus-Krise

Wetterauer Fitnessstudiobetreiber zwischen Hoffnung und Angst

Seit vergangenen Freitag ist es Fitnessstudios wieder erlaubt, ihre Tore für Kunden zu öffnen. Doch die Auflagen sind hoch. Ein zwiegespaltenes Stimmungsbild bei zwei Betreibern in der Wetterau.
23. Mai 2020, 07:00 Uhr
Neuer Alltag in Fitnessstudios weltweit - auch in der Wetterau: Sportler und Mitarbeiter müssen die Geräte nach jeder Benutzung desinfizieren, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Auch ein Mund-Nase-Schutz wird beim Wechsel der Trainingsstelle zum neuen ständigen Begleiter. (FOTO: ROSS D: FRANKLIN/AP/DPA) (Foto: Ross D. Franklin (AP))

Menschen mit Sporttaschen machen sich mitten in der Nacht auf, um Punkt 0 Uhr ihr Fitnessstudio zu betreten und wieder zu trainieren. Bilder wie diese, die vergangenen Freitag durch die Nachrichten gingen, gab es in der Wetterau wohl kaum, doch auch hierzulande sind Kunden und Betreiber froh, dass sie im Zuge der Lockerungen der Corona-Maßnahmen endlich wieder in ihrem Studio schwitzen dürfen. »Die Leute waren heiß darauf. Sie sind happy, dass sie überhaupt wieder etwas machen dürfen«, sagt etwa Andreas Lindemann, Chef des »Fitness-Treff Lindemann« in Bad Nauheim.

Auch er hat seit vergangenen Freitag wieder geöffnet - allerdings mit strengen Regeln. Die Kunden müssen sich für eine 90-minütige Einheit am Tag vorher telefonisch anmelden, warten dann an der Tür, bis sie von Lindemann oder einem seiner drei Festangestellten reingelassen werden. Im Studio gilt bis zum Gerät Maskenpflicht, beim eigentlichen Training darf diese abgesetzt werden. Nach jedem Training muss der Kunde das Gerät desinfizieren, das gilt auch für seine Hände beim Rein- und Rausgehen, das Benutzen der Umkleiden ist untersagt, geduscht werden muss zu Hause. Im Studio sind die Wege markiert, in den Kursräumen sind die jeweiligen Positionen eingezeichnet, die maximale Personenzahl in den Räumen wird ständig überwacht, sodass überall und jederzeit der Mindestabstand eingehalten wird.

Regeln einhalten

»Es klappt besser, als ich dachte. Die Leute sind sehr aufmerksam und sensibilisiert«, lautet Lindemanns Fazit nach den ersten Tagen. »Es ist zwar alles etwas umständlicher als normal, aber die Leute halten sich an die Regeln.« Schwierig werde es nur, wenn die Trainer korrigierend eingreifen müssten, denn das muss mit Maske und trotzdem aus der Distanz passieren.

»Je mehr wir auf die Regeln achten, desto mehr scheint es den Kunden zu gefallen«; sagt auch Rainer Hofmann, Inhaber von »Go-Fitness« in Butzbach. Auch dort läuft der Betrieb wieder, die Zahlen seien im Vergleich zum Vorjahr aber noch etwas verhalten. Deshalb würden er und seine Angestellten nun nach und nach die Kunden abtelefonieren und über die neuen Gegebenheiten informieren. »Wir stellen fest, dass rund ein Viertel der Menschen gar nicht weiß, dass wir wieder offen haben«, sagt er. »Aber es wird jeden Tag etwas mehr.«

Auch er hat ein strenges Hygienekonzept eingeführt, »wir haben mehr Desinfektionsflaschen als Kunden«, scherzt der Chef von rund 30 Festangestellten, schiebt dann aber ernst nach: »Unsere Arbeit hat sich verändert.« Dazugehöre nicht nur die Konzentration auf die Einhaltung der Regeln, sondern etwa auch die Erfassung von Konktaktdaten für den Fall einer Infektion.

Das und vor allem eine zweite Welle mit einem erneuten Lockdown wollen beide Geschäftsführer unbedingt vermeiden. Denn: Beide haben ihren Kunden die Beiträge während der Schließung erlassen, obwohl die Fixkosten teils weiterliefen. Immerhin: Corona-Soforthile und Kurzarbeit hätten den finanziellen Verlust etwas gemindert. Aber dennoch: »Verdienen können wir unter den momentanen Umständen nichts, nur unsere Kosten decken und hoffen, dass es wieder besser wird«, sagt Lindemann und erzählt: »Die letzten zwei Monate waren hart, die Soforthilfen decken nicht einmal meine Unkosten, aber alles ist besser als nichts.«

Das sieht auch Hofmann so, der trotz allen Herausforderungen die Zeit der Schließung für Renovierungsmaßnahmen genutzt hat. »Das hätten wir so bei normalem Betrieb nie machen können. Ich war jeden Tag hier und habe gemeinsam mit einigen Trainern die Zeit genutzt. Das ging aber nur, weil ich etwas auf die Seite gelegt hatte«, sagt er.

Einnahmen fehlen

Zudem fehlen weiterhin wichtige Einnahmequellen, wie etwa einige Teile des Kursangebotes, das Geschäft an den Getränketheken oder die Nutzung der Saunen. »Wir sind im Dauereinsatz, bieten aber letztlich nur die Grundversorgung an«, sagt Lindemann. Allerdings helfe auch die gerade den Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen trainieren und dadurch ihre Lebensqualität verbessern.

Trotz aller der Umstände ist auch nicht alles schlecht, sagt Hofmann: »Die Desinfektion der Geräte durch uns gab es vorher schon, jetzt machen es die Leute aber selbst und bewusst. Davon wird sicher etwas hängen bleiben, denn die Bedingungen für ein gutes und sicheres Training sind jetzt eigentlich optimal.«

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