Lokalsport

Weltmeister Thomas Berhold in Friedberg: »Die Kinder müssen Spaß haben«

Fußball-Weltmeister Thomas Berthold hat ein Nachwuchstraining in Friedberg geleitet. Für einen guten Zweck.
12. Februar 2020, 12:05 Uhr
Michael Nickolaus
In Spedenboxen wurden Fußballschuhe für syrische Flüchtlinge in Jordanien gesammelt.
In Spedenboxen wurden Fußballschuhe für syrische Flüchtlinge in Jordanien gesammelt.

Ein Fußball-Weltmeister von 1990 und der UEFA-Cup als seltenes Foto-Motiv haben Augen leuchten lassen; von Kindern, wie auch von deren Eltern. Thomas Berthold hat am Samstag eine rund einstündige Trainingseinheit für den Nachwuchs der JSG Friedberg geleitet; für einen guten Zweck. Auf dem Burgfeld wurden alte Fußballschuhe gesammelt, die syrischen Flüchtlingen in Jordanien übergeben werden sollen. Initiiert wurde die Veranstaltung durch Autohaus Kögler, dem Kia-Händler in Rosbach.

»Die Kinder müssen Spaß haben, und sie brauchen gute Pädagogen mit der richtigen Ansprache. Der Ball muss im Mittelpunkt stehen«, sagte Berthold. In Wachenbuchen bei Hanau ist der Ex-Profi (unter anderem Eintracht Frankfurt, FC Bayern München, VfB Stuttgart) groß geworden, als »Bolzplatz-Kicker«, wie er sagt. »Ein Garagentor, eine schräge Wiese, und das jeden Tag.«

Natürlich wurde der Ex-Nationalspieler, der heute unter anderem als TV-Experte auftritt, auch nach seinen Fußballschuhen gefragt. »Der Schuh ist neben dem Ball das Arbeitsgerät eines Fußballers. Da muss man sich wohlfühlen. Ich habe seit meiner Kindheit immer das gleiche Modell gespielt. Und zu meiner Jugend mussten die Schuhe ewig halten«, sagte der 55-jährige.

Berthold ist als eine von über 100 »FIFA-Legends« als Botschafter und Repräsentant viel unterwegs und bei den großen Titelkämpfen vor Ort: »Man trifft überall alte Freunde, gegen die man früher gespielt hat.« Sehr wohl registriert Berthold die Schere zwischen Kommerzialisierung im Profigeschäft und der Amateurbasis. »Die Debatte ist berechtigt. Der Deutsche Fußball-Bund hat ein Image-Problem. Du brauchst die Basis, und die musst du auch unterstützen. Nicht mit lauwarmen Worten, sondern mit Taten. Es muss ein Gedankenwechsel stattfinden«, sagte Berthold.

Dem offiziellen Akt mit der Begrüßung im »Junity« am Burgfeld durch Peter Heidt, Vorsitzender des VfB Friedberg und glühender Eintracht-Fan, folgte die Trainingseinheit mit dem Nachwuchs. »Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Das ist für die Jugendlichen ein Riesen-Ereignis; ein Erlebnis, das man nicht vergisst«, sagt Malte Strohtmann, Abteilungsleiter beim VfB Friedberg.

Automobilhersteller Kia hatte als Partner der UFEA mächtig Aufwand betrieben. Mehrere Stationen, die von JSG-Trainern betreut wurden, waren aufgebaut. Ein TV-Team begleitete den Tag, eine Drohne fing das Geschehen von oben ein.

»Ich finde das bemerkenswert. Das ist kein Quack-Quack, sondern eine nachhaltige Initiative«, sagt Berthold mit Blick auf die Sammlung der gebrauchten Fußballschuhe, die noch bis 14. März beim Händler in Rosbach fortgesetzt wird. Wer ein altes Paar abgibt, nimmt an der Verlosung von zwei VIP-Tickets zum Finale der Europa League im Mai in Danzig (Polen) teil.

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