17. April 2020, 07:00 Uhr

Wechsel

Wechsel eines Meistertrainers: Darum geht Daniel Haack vom SV Schwalheim zur SG Melbach

Vom Meistertrainer zur Entlassung in nicht einmal einem Jahr: Daniel Haack geht nach gut einem Jahr von der SV Germania Schwalheim zur SG Melbach. Im Interview erklärt er die Hintergründe.
17. April 2020, 07:00 Uhr
Daniel Haack verlässt des SV Schwalheim und wird neuer Trainer der SG Melbach. (Foto: Nici Merz)

Daniel Haack wird neuer Trainer des B-Ligisten SG Melbach. Diese Meldung überraschte die Wetterauer Fußballkenner, hatte Haack doch im Sommer vergangenen Jahres mit beiden Seniorenmannschaften des SV Schwalheim den Aufstieg in die Kreisligen A und B geschafft. Eigentlich sollte der 63-jährige Übungsleiter aber zumindest die aktuell aufgrund der Coronavirus-Krise ausgesetzte Saison im Klub aus dem Bad Nauheimer Stadtteil zu Ende coachen, ehe ein Interview mit einem Amateurfußballportal das Tischtuch offenbar endgültig zerschnitt. In unserem Interview äußert sich Haack erstmals dazu und erklärt, was er in Melbach bewegen möchte.

Herr Haack, nach den Erfolgen im vergangenen Jahr und einem guten Saisonstart mit der »Ersten« haben Sie sich entschieden, den SV Schwalheim zu verlassen. Wieso?

Bereits in der Sommervorbereitung hatte ich große Teile der beiden Aufstiegsmannschaften nicht zur Verfügung, von daher waren eine entsprechende Vorbereitung auf die gestiegenen Ansprüche der beiden höheren Ligen nicht möglich - übrigens ein großer Unterschied zur Saison davor.

Dafür lief es sportlich aber in Sachen Punktausbeute noch gut…

Ja, zumal, wenn man bedenkt, dass wir ohne unseren etatmäßigen Torwart Florian Winkler in die Saison gestartet sind. Aufgrund seiner Verletzung mussten wir auf der wichtigsten Position immer wieder improvisieren und hatten auch sonst diverse Verletzungen oder berufliche Einschränkungen von Schlüsselspielern zu verkraften. Wenn man den Rest der Hinrunde sieht, muss man dennoch konstatieren, dass der Trend zuletzt eher abwärts zeigte, und wir nicht mehr so oft gepunktet haben. In Verbindung mit der Vorbereitung auf die Rückrunde war es für mich absehbar, dass wir den achten Platz nur schwer würden halten können.

Wie kam es zum Plan, den Verein zu verlassen?

Ich habe nach der Hinrunde im Winter alles Mögliche versucht, um die Leute zu motivieren, habe Gespräche mit Mannschaft und Vorstand geführt, aber die Ergebnisse haben mich darin bestätigt, dass wir ohne richtige Vorbereitung und ohne zweimal Training pro Woche einfach nicht weiterkommen. Das gilt gerade für die zweite Mannschaft, denn die »Erste« lebt aus meiner Sicht davon, dass man genügend Spieler in der Hinterhand hat. Doch das war vollkommen weggefallen, sodass immer mehr SoMa-Spieler miteinbezogen werden mussten, denen ich für ihren Einsatz ausdrücklich danke. Ich habe wiederholt den Finger gehoben und gemahnt, doch es ist mir nicht gelungen, etwas zu bewegen. Dann ist es mein legitimes Recht, mich umzuschauen, zumal auch Ende Februar immer noch nicht klar war, ob ich in der kommenden Saison noch Trainer in Schwalheim sein würde.

Am Ende ist es die SG Melbach geworden. Warum?

Ich kenne den kompletten Vorstand in Melbach schon lange, wir haben seit jeher ein gutes Verhältnis zueinander, was die Spieler, die dort sind, auch bestätigt haben, indem sie gesagt haben, dass ein engagierter Trainer wie ich eine gute Sache für sie sei. Die SG hat dementsprechend nachgesetzt, wir hatten ein gutes Gespräch und sind uns sofort einig geworden.

Wie bewerten Sie Ihren Abschied aus Schwalheim?

Ich kann damit leben, es ist eben, wie es ist. Ich wollte ja letztlich auch, dass der Verein eine Entscheidung trifft. Wenn ich bis Saisonende hätte bleiben sollen, hätte ich das auch gemacht und mich wie seit jeher engagiert, auch wenn der Verein in seiner Stellungnahme einiges von dem dementiert hat, was ich öffentlich gesagt habe. Aber da ist auch vieles Ansichtsache.

Sie wollen ein Trainer mit Ambitionen zu sein, gehen jetzt aber den Schritt zurück in die B-Liga. Ein Widerspruch?

Nein. Ich bin damals von Espa nach Schwalheim gegangen, weil die Schwalheimer eine gute Mannschaft hatten, die aber die entscheidenden Spiele gegen die direkte Konkurrenz verloren hat. Und so geht es den Melbachern aktuell auch. Vielleicht hilft hier ein Wechsel auf der Trainerposition. Ich bin ein Mann, der in einem neuen Verein etwas bewegen kann. Diese neue Herausforderung reizt mich, weil hier ein Neuaufbau stattfindet. So etwas liebe ich. Ich trete quasi mit demselben Ziel wie an, mittelfristig eine Klasse höher zu spielen. In Schwalheim ging das aufgrund des dortigen Potenzials gleich im ersten Jahr, in Melbach ist es ein mittelfristiges Ziel.

War eine Stelle in der A-Liga oder in der Kreisoberliga auch ein Thema?

Ich hatte ein Angebot aus dem Kreis Gießen, das sogar noch eine Klasse höher war. Aber da braucht man schon eine B-Lizenz, die ich nicht habe. Ich traue mir die Kreisoberliga prinzipiell schon zu, aber vom Taktischen und anderen Komponenten her ist die A-Liga doch die Klasse, für die ich mich für geeignet halte.

Wollen Sie Spieler aus Schwalheim mit nach Melbach nehmen?

Das hat man mir damals, als ich von Espa nach Schwalheim gegangen bin, zwar vorgeworfen, aber es hat überhaupt nicht gestimmt. Ich werde mich in dieser Situation jetzt genauso verhalten, wie damals: Ich werde keinen Spieler ansprechen und aktiv mitnehmen, aber wenn Spieler an Melbach herantreten, ist es eine Sache des Vereins - da bin ich dann außen vor. Abgesehen davon sind die Schwalheimer Spieler alle sehr bodenständig und treu zum Verein.

Welche Mannschaft erwartet Sie in Melbach?

Grundsätzlich hat der aktuelle Melbacher Trainer Andreas Offermanns aus meiner Sicht gute Arbeit geleistet. Vielleicht ist da inzwischen ein bisschen der Alltag eingekehrt, von daher erwarte ich eine Mannschaft, die neugierig auf etwas Neues ist - auf ein anderes Training und eine andere Ansprache. Ich glaube, dass ich da gewisse Reizpunkte setzen kann. Aber natürlich wird es zwei, drei Monate dauern, bis die Spieler verinnerlicht haben, was ich vorhabe.

Inwiefern werden Sie nun in die Melbacher Kaderplanung miteinbezogen?

Nach der Trennung von Schwalheim habe ich Gewissheit und kann direkt anfangen. Ich werde mit Einzelgesprächen beginnen, um die aktuellen Spieler davon überzeugen, dass sie etwas verpassen, wenn sie Melbach verlassen sollten, während bei uns dann richtig die Post abgeht.

Inwiefern wird sich das Gesicht der Mannschaft verändern?

Die Melbacher haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt und mich auch über Abgänge nicht im Unklaren gelassen. Aber der Verein hat bereits Gespräche geführt und gewisse Dinge in die Wege geleitet. Dazu kommt nun mein Schatz an Kontakten, den ich mir über die vergangenen Jahre aufgebaut habe.

Was erwarten Sie von einem Spieler allgemein?

Ich lege sehr viel Wert auf das Miteinander und die Umgangsformen. Das ist gemeinsam mit der Einsatzbereitschaft die Basis eines Vereins - und aus meiner Sicht auch wichtiger als etwas das individuelle Leistungsvermögen eines Spielers, gleichwohl das bei gewissen Zielen natürlich auch eine Rolle spielt. Es muss sich einfach aus den Gesprächen ergeben, ob der Spieler zum Team und zum Verein passt. Anders hätte es auch in Schwalheim nicht funktioniert.

Sie mit Espa aufgestiegen und mit Schwalheim gleich doppelt. Sehen Sie sich als Aufstiegstrainer?

Die Erfolge sprechen für sich. Aber man darf sich als Trainer nicht selbst über die Mannschaft stellen, sondern muss realistisch bleiben. Aber natürlich versuche ich, jedes Team egal in welcher Liga, nach vorne zu bringen.

Inwieweit bedeutet die aktuelle Lage rund um die Coronavirus-Pandemie eine Unsicherheit für Sie?

Ich finde es eine gute Idee, diese Saison irgendwie zu beenden - auch wenn damit eine Verlängerung einhergeht. Aber der Hessische Fußballverband wird sich bei seiner Entscheidung, egal wie diese dann aussieht, etwas gedacht haben. Dann muss man schauen, wie Melbach, deren aktueller Trainer den Verein im Sommer ja auch verlassen will, damit umgeht. Ich habe kein Problem damit, meine neue Stelle früher oder später anzutreten. Ich will - wie ich es für jeden Verein gemacht habe - auch in Melbach alles reinhauen.

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