28. Oktober 2020, 12:00 Uhr

Fußball

Warum einige Klubs auf Zuschauer verzichten und andere nicht

Klar ist: Fußball ohne Zuschauer macht keinen Spaß. Einige Wetterauer Klubs folgen den Empfehlungen, ohne Fans spielen. Andere Vereine wollen auf Zuschauer nicht verzichten und lieber pausieren.
28. Oktober 2020, 12:00 Uhr
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Mit oder ohne Zuschauer: Mancher Fußballverein in der Wetterau betreibt hohen Aufwand, um Interessierte auf das Sportgelände lassen zu können. Andere Klubs spielen lieber gänzlich ohne Zuschauer. FOTO: IMAGO

Angesichts der anhaltenden Corona-Problematik und sich fast wöchentlich ändernden Allgemeinverfügungen hinsichtlich der maximal zugelassenen Zuschauerzahl stoßen die Fußballvereine im Amateurbereich in organisatorischer Hinsicht immer mehr an ihre Grenzen.

Gab es in den ersten Saisonmonaten unter Einhaltung des bewährten Hygienekonzeptes mit 250 Besuchern noch einen gewissen Spielraum, so wurde die Zahl bereits in der Vorwoche auf 150 herabgesetzt. Angesichts der auf über 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohmer gestiegenen Inzidenzzahl bedeutet das nun konkret für die Fußballclubs in der Wetterau: Nur noch 100 Fußballfreunde dürfen das Eingangstor passieren, danach sind die Pforten dichtzumachen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um zahlende oder nicht zahlende Zuschauer handelt. Die maximal sich gleichzeitig auf dem Sportgelände befindende Zahl der nicht direkt am Ereignis beteiligten Personen darf die Summe 100 nicht übersteigen. Vereinfacht gesagt finden sich in dieser Zahl all jene wieder, die nicht auf dem Spielberichtsbogen der Partie vermerkt sind und auch sonst keine offizielle Funktion wie Platzwart, Sprecher oder Ordner ausüben.

Hatten die Clubs mit ihren wenigen Ehrenamtlichen schon mit der Umsetzung des Hygienekonzeptes jede Menge zu tun, so müssen sie sich nun auch noch darum kümmern, dass das vorgegebene Zuschauerlimit nicht überschritten wird.

Gerade in der Hessenliga sind die Bedingungen von Region zu Region und vo n Kreis zu Kreis verschieden. Im Kreis Groß-Gerau sind derzeit Kontaktsportarten wie Fußball untersagt, die Partien der davon betroffenen Vereine Rot-Weiß Walldorf und VfB Ginsheim wurden bereits von Klassenleiter Matthias Bausch abgesetzt. Im Main-Taunus-Kreis sowie in der Region Darmstadt-Dieburg sind derzeit offiziell keine Zuschauer zugelassen.

Beim FV Bad Vilbel, der am Samstag im Auswärtsspiel bei Viktoria Griesheim (0:0) von einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit betroffen war, haben die Verantwortlichen eine klare Meinung: »Wir sind gegen Geisterspiele im Amateurbereich. Aus unserer Sicht ist dies ein nicht zumutbarer Zustand«, teilt Pressesprecher Alexander Juli im Namen des Vorstandes mit. »Die Einnahmen aus Catering und Eintrittsgeldern stellen einen hohen Anteil zur Begleichung der laufenden Kosten dar. Ohne diese Einnahmen kann der Spielbetrieb nicht aufrecht erhalten werden und fördert daher langfristig das Vereinssterben«, heißt es in der Mitteilung.

Auch die jetzige Situation mit Einschränkungen wie derzeit nur noch 100 Zuschauer sehen die Brunnenstädter als Grund, sich für eine temporäre Aussetzung des Spielbetriebs auszusprechen.

»Fast alle unserer ehrenamtlichen Helfer gehören zur Risikogruppe. Wir wissen nicht, wie lange uns diese noch zur Verfügung stehen. Ohne diese Helfer ist der Aufwand, der derzeit nötig ist, nicht mehr zu bewältigen«, erklärt der FV- Vorsitzende Willi Eckhardt.

Bei Ligakonkurrent Türk Gücü Friedberg möchte man seine Klientel nicht hinter verschlossenen Toren sehen. Denn Menschenansammlungen an den Zäunen des von außen gut sichtbaren Sportgeländes am Ober-Rosbacher Eisenkrain wären in der jetzigen Lage sicherlich kontraproduktiv. »Wir sind nicht gewillt, auf unsere Anhänger zu verzichten. Ohne Zuschauer ergibt Fußball keinen Sinn. Angesichts hoher Schiedsrichterkosten sind wir auf diese Einnahmen angewiesen«, verdeutlicht TG-Pressesprecher Selim Karanfil. Ein, zwei Heimspiele könne man das stemmen, auf Dauer sei das kein Zust and. »Dann lieber den Spielbetrieb zeitweise unterbrechen«, so Karanfil.

Zwei Etagen tiefer, in der Gruppenliga Frankfurt West, folgen mit dem SV Steinfurth und dem SC Dortelweil bereits zwei Clubs der Empfehlung des Landkreises, ohne Zuschauer zu spielen. Für den SCD-Vorsitzenden Martin Gunkel »eine Vorsichtsmaßnahme, weil wir der Überzeugung sind, einen Beitrag leisten zu wollen, dass die Infektionszahlen fallen.« Die Entscheidung gelte »bis auf weiteres. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass elementare Abstandsregeln oft nicht eingehalten wurden.«

Beim SKV Beienheim sehen sie sich am Bahndamm mit der Besonderheit konfrontiert, dass der Rasenplatz nicht umzäunt ist. Neben freien Feldern führt ein öffentlicher Weg direkt am Sportplatz entlang. Für SKV-Trainer Matthias Tietz kein Problem: »Das ist seit vielen Jahren so und nichts Neues. Der Zuschauereingang befindet sich ja direkt am Nadelöhr an der Bahnunterführung.«

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