19. April 2018, 12:00 Uhr

Fußball

Warum Besiktas Istanbul und West Ham United in Ober-Rosbach spielen

Besiktas Istanbul kommt. West Ham United ist dabei. Drei Klubs der Fußball-Bundesliga spielen ebenso beim U10-Turnier in Rosbach. Und diese Top-Vereine haben spezielle Wünsche und Forderungen.
19. April 2018, 12:00 Uhr
Der FC Ober-Rosbach richtet zum siebten Mal das U10-Turnier um den "Rosbacher Cup" aus. 40 Mannschaften spielen am Wochenende um die Trophäe. (Foto: Nici Merz)

Der Spielplan umfasst 232 Begegnungen. Ein Mammutprogramm. Auf fünf Spielfeldern wird am Samstag (9.30 bis 18.30 Uhr und Sonntag (ab 9 Uhr, Finale um 15.45 Uhr) in Ober-Rosbach gespielt. Das Außergewöhnliche: Unter den 40 Mannschaften finden sich Nachwuchsteams von Red Bull Leipzig, Hannover 96, Mainz 05 oder auch vom FC St. Pauli. Das Turnier um den »Rosbacher Cup« hat sich in der Szene etabliert. Zugleich stellen sich vor einem derartigen Teilnehmerfeld aber auch viele Fragen.

Was steckt hinter der Idee, Top-Vereine in die Wetterau zu holen? »Wir wollen unseren Kindern etwas Besonderes bieten. Wer kann schon von sich behaupten, einmal gegen einen international renommierten Klub gespielt zu haben? Wenn auch nur in der Jugend. Wir wollen unseren Kindern solche Erlebnisse mitgeben. Das prägt und bleibt in Erinnerung«, sagt Christoph Käding. Der Vorsitzende des FC Ober-Rosbach sieht den Stellenwert der Jugendarbeit beim FCO deutlich aufgewertet. »So ein Turnier gibt’s im Umkreis kein zweites Mal.«

Wie kommt der FCO an Klubs wie Besiktas oder West Ham? Über eine Agentur; in diesem Fall PTSports. Andreas Saur ist lizenzierter Spielervermittler der UEFA und hält Kontakt zu allen Bundesligisten und vielen europäischen Topklubs. Vereine buchen über ihn ihre Turniere. Wichtig sei es, sich frühzeitig die Zusage von zwei, drei namhaften Vereinen zu sichern. »Wenn andere das sehen, dann ziehen sie auch eher nach«, sagt Stefan Corthaus, der die Organisation leitet.

Verlangen solche Klubs Antrittsgeld? Nein. Von den Topklubs werden die Flugkosten übernommen. Sportgerechtes Essen wird gestellt. Den Trainern wird zudem ein Hotelzimmer bezahlt. Den deutschen Vereinen werden ebenfalls Fahrtgelder erstattet. Die Kinder selbst sind privat untergebracht. Klubs, die in Ober-Rosbach mitspielen wollen, müssen auch eine Gastmannschaft aufnehmen; oftmals zwei. Und genau aus diesem Grund fehlt besonders in diesem Jahr der regionale Bezug. »Natürlich haben wir Klubs aus der Nachbarschaft und die, die in der Wetterau in der Jugendarbeit Vorreiterrollen spielen, angeschrieben. Leider konnten diese Klubs keine Kapazitäten zur Unterbringung schaffen, wie es nötig gewesen wäre. Deshalb mussten wie andere Vereine, beispielsweise aus dem Raum Frankfurt bevorzugen«, sagt Corthaus. Der FC Ober-Rosbach selbst ist mit drei Mannschaften vertreten.

Sind die Zehnjährigen aus nationalen und internationalen Topklubs tatsächlich schon besser? Ja. Die Kinder sind fußballerisch reifer. »Da ist eine andere Dynamik und Ballsicherheit im Spiel. Man sieht: Da steht – beispielsweise – nach Ballverlusten, ein Konzept dahinter. Die Kommunikation ist eine ganz andere«, sagt Käding. Und auch Corthaus zieht den Nachwuchs der Topklubs als »gedankenschneller.«

Welche Bedingungen knüpfen Topklubs an ihre Teilnahme? In der Altersklasse U10 gibt es keinen bundesweiten Spielbetrieb. Die Topklubs wollen sich in erster Linie mit gleichstarken Mannschaften messen und suchen zudem den internationalen Vergleich. Aus diesem Grund wurde der Modus in all den Jahren immer wieder überarbeitet, wurden auch Ideen und Anregungen aufgegriffen. »Die Großen sind – wenn sie sich denn wie erwartet durchsetzen – früher und länger zusammen in einem Pool. Dennoch haben sich die Kleinen in der Vorrunde zumindest mal gegen einen Großen gespielt«, erklärt Corthaus. Eine Besonderheit bringt die Teilnahme von West Ham United mit sich. Die Statuten der englischen »Football Association« sehen für Klubs der Premier League eine Vor-Ort-Besichtigung vor. Spielstätte, Umkleide und Hotel sind vor einer Turnierteilnahme durch den Jugendkoordinator zu inspizieren.

Ist ein solches Turnier auch in älteren Jahrgängen denkbar? Nein. Nicht in Ober-Rosbach. Nicht in dieser Größenordnung. »Das Konzept lebt von der Altersstruktur«, sagt Käding. Auf dem Sportgelände am Eisenkrain stehen ein Natur- und ein Kunstrasenplatz zur Verfügung. Im U10-Bereich können somit fünf Spiele gleichzeitig stattfinden. Ältere Jahrgänge spielen auf dem Großteil und obendrein in Konkurrenz. »Da brauchen die Klubs den Aufwand, zu Turnieren zu reisen, nicht in diesem Maß betreiben«, sagt Käding.

Warum droht Ärger um die Rückpassregel? Ein sensibles Thema für Corthaus. Sechs Jahre lang hatte sich der FCO, geduldet von den Verbandsfunktionären, über die Rückpassregel, die das Zuspiel zum Torwart erlaubt, hinweggesetzt. Der Hintergrund: Der Rückpass kann – wenn es gegen qualitativ überlegene Teams geht – ein Mittel sein, Spielfluss zu unterbinden und deutliche Niederlagen zu vermeiden. Das könne nicht im Sinne der Topklubs sein, sagt Corthaus. »Diese Vereine kommen mit ihren Kindern, um Fußball zu spielen, um spielerische Elemente auf den Platz zu bringen. Wir werden abwarten müssen, wie die Resonanz ist und ob solche Klubs auch im nächsten Jahr noch kommen«, sagt Corthaus. Trotz seiner eindringlicher Bitte sei der Wunsch, nach den bislang bewährten Regeln zu spielen, von den Verbandsfunktionären mit Verweis auf die entsprechenden Paragraphen diesmal strikt abgelehnt worden. »Das ärgert mich sehr; auch persönlich. Das ist schließlich kein gewöhnliches Turnier, und auch finanziell hängt einiges dran. Wenn die neue Regel von den Klubs nicht akzeptiert wird, könnte das Turnier sterben«, sagt Corthaus.

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