10. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Eishockey

Vom Fußball-Stadion zum Eishockey-Tempel: So läuft der Umbau am Bieberer Berg

Das Fußball-Stadion am Bieberer Berg in Offenbach hat sich binnen weniger in eine Eishockey-Arena verwandelt. Wir haben die Arbeiten begleitet.
10. Dezember 2019, 12:00 Uhr
Steffen Steingass

Eishockey im Fußballstadion! Das klingt schon sehr verrückt. Die Roten Teufel schreiben mit diesem Projekt Geschichte. Am Samstag trifft der EC Bad Nauheim in Offenbach auf die Löwen Frankfurt. - Ein Besuch im Stadion am Bieberer Berg, das sich in den vergangenen neun Tagen in eine Eis-Arena verwandelt hat.

Marco Linossi ist morgens der Erste und knipst abends als Letzter das Licht aus. Beim EC Bad Nauheim ist der 27-Jährige zusammen mit Felix Kurz als »Leiter Catering und Event« beschäftigt. In diesen Tagen aber ist Linossi im Stadion am Bieberer Berg in Offenbach der Ansprechpartner der Roten Teufel für alles; und dies quasi Tag und Nacht. Er hat den Generalschlüssel, er koordiniert Lieferanten und die Crew an ehrenamtlichen Helfern des Zweitligisten, die die Firma ISS beim Wandel des Fußball-Tempels in eine Eishockey-Arena unterstützt. »Ein solches Projekt ist gibt’s nicht von der Stange. Das ist immer wieder eine Herausforderung, gerade aufgrund des engen Zeitfensters. Wir müssen in wenigen Tagen eine Eisqualität herstellen, für die in normalen Eisstadien oft mehrere Wochen genutzt werden«, sagt Steffen Steingross, Projektleiter des Unternehmens aus Neu-Isenburg, das mit vier Technikern vor Ort ist und den Aufbau verantwortet.

Neun Sattelzüge der Eisbahn-Experten hatten am Dienstag letzter Woche das Material nach Offenbach gebracht, unter anderem drei Kühlaggregate (mit 1,5 Mega Watt-Leistung), zwei Eismaschinen, die Bande (zerlegt in mehr als 90 Module), Hochdruckpunpen, Isoliervlies, 16 000 Liter Kühlmittel, Plexiglasscheiben, Tore - ISS bietet auf Wunsch das Komplettpaket.

Im Innenraum des Sparda-Bank-Hessen-Stadions, wie die Arena am Bieberer Berg offiziell benamt ist, herrscht in diesen Tagen reges Treiben. Mehr als ein Dutzend Ehrenamtliche dazu auch einige Werbepartner haben die Roten Teufel bei den Vorarbeiten unterstützt; nach dem Sonntagabendspiel gegen Ravensburg am 1. Dezember teils noch weit nach Mitternacht. Mit 400 Tonnen Brechsand wurde der Fußballrasen von Regionalligist Kickers Offenbach, der am Nachmittag noch gespielt hatte, eingeebnet. Tagtäglich schauen seitdem Geschäftsstellen-Mitarbeiter und Eishockey-Freunde aus der Wetterau vorbei, um Unterstützung zu leisten und damit auch die Kosten dieses geschichts-prägenden Projekts »Winter-Derby« möglichst gering zu halten. Ein Gesamtbudget von rund 400 000 Euro wurde bei Veranstaltungen gleicher Größenordnung in der Vergangenheit veranschlagt. Nach dem Spiel am Samstag steht die Eisbahn für Publikumslauf und zwei Eisdiscos zur Verfügung, wird gemeinsam vom Eishockey-Klub und der Stadion-GmbH Offenbach betrieben. Am 30. Dezember wird die Kühlanlage abgeschaltet. Eine Woche später soll auch das letzte Bauteil wieder im Lager im sächsischen Borna eintreffen.

Die Kälte-Experten von ISS hatten bereits das Summer Game 2016 in der Commerzbank-Arena in Frankfurt betreut. Neben dem Summer Classic im Vorjahr im Ullevall-Stadion in Oslo war dies die größte Herausforderung. »30 Grad und Sonnenschein - damit ist in Norwegen im August normalerweise nicht zu rechnen. Das war schon spektakulär. Am Ende ist aber alles reibungslos gelaufen«, sagt Steingass, der diese Geschichten oft wiederholen muss. Winter-Derby, Eis im Fußball-Stadion - das sorgt schon im Vorfeld für ein erhöhtes Medieninteresse.

Trotz vieler Großprojekte - parallel betreut das Unternehmen aktuell noch mobile Eisanlagen in den Vereinigten Staaten, in Malta und China und ist Partner der World Curling Federation - wollte Steingass nicht von einem »Tagesgeschäft« sprechen, »auch wenn vieles Routine und eingespielt ist«.

Unmittelbar hinter dem Stadion brummen die Maschinen, sind Schläuche und Kabel verbunden, fahren Gabelstabler. Steingass zieht einen Vergleich: »Von der Größenordnung her sind das rund 5000 Haushaltskühlschränke, die die Fläche kühlen.«

Die größte Unabwägbarkeit beim Open-Air-Spiel: das Wetter. Anhaltender Starkregen könne den Ablauf beeinflussen. »Weil solche Wassermassen nicht einfach mal festfrieren, sondern auf dem Eis stehen bleiben. Da müsste das Spiel eben mal außerplanmäßig kurzzeitig unterbrochen und das Wasser abgetragen werden.« Am Spieltag - so die Prognose - soll es aber allenfalls leicht regnen.

Am Samstag, beim Stadion-Besuch unserer Redaktion, war unerwartet wenig Betrieb rund um die Eisfläche. Die Eis-Crew war - aufgrund des kurzen Zeitfensters teils in Nachtschichten - gut vorangekommen, lag vor ihrem eigentlichen Plan. Umso besser. Da sich für den Folgetag Regen angekündigt hatte, wurde die Zeit genutzt, um die Linien zu ziehen und die Werbefolien zu platzieren. Abends kreiste dann wieder und wieder die Eismaschine. Das Eis muss »gebrochen« werden, wie Steingross im Fachjargon erklärt. Anschließend wird heißes Wasser aufgetragen. »Kaltes Wasser würde sich als Schicht obendrauf legen. Heißes Wasser geht in die Tiefe, wird gebunden. Es entsteht eine Struktur. Das Eis wird hart.« Voraussichtlich ab Mittwoch ist die Fläche dann bespielbar. FOTOS: NICKOLAUS

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