30. Juni 2020, 21:46 Uhr

Viel Lob nach anfänglicher Skepsis

30. Juni 2020, 21:46 Uhr
Das Finalturnier der Basketball-Bundesliga im Münchener Audi-Dome ist weltweit viel beachtet worden. FOTO: DPA

Alba Berlin hat sich am vergangenen Wochenende in München in der Basketball-Bundesliga den Meistertitel gesichert. Im Finale setzte sich der Klub aus der Landeshauptstadt gegen die MHP Riesen aus Ludwigsburg durch. Wir haben heimische Basketballer und Funktionäre gefragt, wie sie das Finalturnier in München erlebt haben.

Michael Koch : Als Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten Gießen 46ers hatte er längst nicht die Zeit, alle Spiele anzusehen. »Aber abends und am Wochenende habe ich mir viel angeschaut«, rekapituliert Koch. »Man hat immer ein weinendes Auge. Als Erstligaclub hätten wir gerne mitgespielt, wie wohl alle der 17 Mannschaften, die gefragt wurden.« Aus finanziellen Gründen wäre eine Partizipation allerdings wenig clever gewesen, erinnert Koch an die vielen Heimspiele, die die Gießener bereits vor dem Corona-Abbruch hatten austragen können. Teams wie Alba Berlin waren da in einer anderen Kompensationssituation. »Sie waren vor dem Turnier Favorit, weil sie ihre ganze Mannschaft zurückholen konnten«, erklärt der ehemalige Spieler und Coach, weshalb sich die eingespielte Einheit souverän zum Meistertitel reusen konnte. »Das Flair glich einem Vorbereitungsturnier, aber das Level war schon hoch. Man hat gemerkt, wer es mitgehen konnte«, sagt Koch weiter und meint damit auch Ludwigsburg, das sich durch seinen Kampfgeist bis ins Finale vorgekämpft hatte.

Anne Leinweber : »Das war überraschend positiv in der Umsetzung«, sagt Anne Leinweber. Die Managerin des ProB-Vereins der 46ers Rackelos hat das Turnier und sein Konzept auch beobachtet, um daraus Rückschlüsse für die anstehende Zweitliga-Saison zu ziehen. »Ich war erst skeptisch, was es für die Sportart bringt«, führt sie aus. Aus der »surrealen Situation« habe die BBL aber das Beste gemacht. Dass Ligen wie die spanische ACB und selbst die nordamerikanische NBA mit Argusaugen nach München geblickt haben, stimmt sie positiv. Persönlich am schönsten fand sie aber den Umstand, dass sogar die Tagesschau vom Finalspiel berichtete. Basketball fristet in der Nachrichtensendung für gewöhnlich ein Nischendasein. Auf die Frage, ob die 46ers nachträglich doch gerne mitgemacht hätten, gibt sie eine klare Antwort: »Alle, die am Turnier teilgenommen haben, mussten die Kosten abwägen. Für uns in der Umstrukturierungsphase war es die richtige Entscheidung.«

Bjarne Kraushaar : Der Guard der Gießen 46ers sagt, dass er jedes Spiel gesehen habe: »Vielleicht mit Ausnahme von einem oder zwei.« Das Gesamtkonzept sei überzeugend gewesen, die Qualität der Teams überraschend hoch. »Nach ein paar Spielen hat man sich auch daran gewöhnt, dass keine Fans dabei sind. Das war beim Fußball irgendwie nicht so«, erklärt der 21-Jährige. Dass die Meisterschaft verdient an Alba Berlin ging, davon ist der Spielmacher überzeugt. Die Mischung aus alten Recken und Nachwuchskräften, die gleichermaßen über Jahre an den Verein gebunden wurden, hat am Ende den Unterschied gemacht. Natürlich wäre er gerne dabei gewesen: »So geht es wohl jedem Spieler.« Aber die 46ers hätten von vornherein klar kommuniziert, dass die Saison für sie zu 90 Prozent gelaufen sei. »Es war auch nicht klar, wer zurückgekommen wäre und ob wir ein konkurrenzfähiges Team hätten aufstellen können«, so Kraushaar weiter.

Johannes Lischka : Der ehemalige Nationalspieler und Kapitän der 46ers Rackelos war froh, »mal wieder ein bisschen Livebasketball im Fernsehen zu sehen«. Die leere Halle empfand er als komisch: »Das ist nicht dasselbe und sollte nicht zur Gewohnheit werden, auch wenn es nicht krass schlimm war.« Für die neue Saison hofft er auf eine Lösung, bei der möglichst viele Zuschauer wieder zugelassen werden. Den sportlichen Reiz sieht er ambivalent. Einerseits seien viele Teams mit starkem Roster angetreten. Andererseits sei es schade, dass Mannschaften wie Vechta durch den personellen Aderlass nicht konkurrenzfähig waren: »In der Saison haben sie viel Spaß gemacht.« Weil die Hauptstädter als »konstant beste Mannschaft« aufgetreten seien, ginge die Meisterschaft Lischkas Einschätzung nach völlig verdient an Alba Berlin. »Die BBL hat das gut gemacht«, führt er mit Blick auf die Quarantäne-Situation im Hotel aus, die er, wenn er gefragt worden wäre, als Teilnehmer des Turniers auch auf sich genommen hätte.

Rolf Scholz : Der Coach der Gießen 46ers Rackelos verfolgte das Geschehen teilweise: »Ich habe mir damit anfangs schwergetan, auch emotional.« Zwar hätte es unterm Strich einige hochklassige Spiele gegeben, aber auch viele, die man sich »hätte schenken können«. Kritisch bewertet er den Modus in den Playoffs: »Im Nachhinein ist man immer schlauer, besser wären vielleicht ein oder drei Spiele gewesen«, erklärt er mit Blick auf die meist wenig spannenden Rückpartien. Durchgesetzt habe sich ein besonderer Teamgedanke. Jene Teams, die geschlossen aufgetreten seien, hätte es weit gebraucht. Für wertvoll hält Scholz den Perspektivwechsel, der auch für seine Spieler mit der Gesamtsituation einhergeht. »Sie wissen jetzt, was sie an ihrem Spiel und ihrem Beruf haben«, sagt er. ARCHIVFOTO: FRIEDRICH

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