01. Februar 2020, 12:00 Uhr

Und schließlich fügt sich alles

Von der Bundes- bis zur Kreisliga hat Klaus Raschke alles als Volleyballer erlebt - sowohl auf dem Feld als auch als Trainer. Seit 47 Jahren steht der inzwischen pensionierte Lehrer in Diensten der SG Rodheim. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag. Die große Party muss allerdings noch warten.
01. Februar 2020, 12:00 Uhr
Auch mit 70 Jahren noch Sportler und Lehrer durch und durch: Klaus Raschke im Gespräch mit WZ-Redakteur Philipp Keßler. FOTO: NICI MERZ

Einen Termin mit Klaus Raschke zu finden, ist gar nicht so einfach. Schließlich wird es ein Montagmorgen - allerdings erst, nachdem er sein Programm in der Rückenschule und der Herzsportgruppe »seiner« SG Rodheim abgespult hatte. »Dass ich das alles noch machen kann, ist ein Geschenk«, sagt er. Denn vor zwei Jahren musste er sich einer Operation am Herzen unterziehen. »Ganz ohne Sport geht es aber nicht«, sagt er, der seit 47 Jahren Teil des Vereins im Rosbacher Stadtteil ist. Kurz zuvor hatte es den gebürtigen Sachsenhäuser in die Wetterau verschlagen.

Im Rückblick liest sich der Lebenslauf von Raschke wie eine Fügung: Nach seinem Realschulabschluss geht der Frankfurter nach Wiesbaden, um in vier Jahren Vollzeitstudium nicht nur das Fachabitur zu machen, sondern anschließend auch gleich Lehrer für Sport, Werken und Religion zu werden. Dort kommt er erstmals richtig mit Volleyball in Kontakt. »Ich hatte einfach Talent mit dem Ball - und Volleyball war der Sport, bei dem man sich nur selbst wehtun konnte.« Das erste Erweckungserlebnis war ein Lehrgang in Hamburg, bei dem Raschke von Deutschlands erster Bundestrainerin, Theda von Hoch, trainiert wurde. »Danach bin ich dabei geblieben und spätestens nach den Olympischen Spielen in München 1972 wusste ich, dass Volleyball mein Sport ist.«

Nur ein Jahr später wird Raschke Mitglied der noch jungen Rodheimer Abteilung, trainiert das Team. Zeitgleich spielte er für den USC Gießen in der Bundesliga. Der Grund für seinen Wechsel nach nur einer Saison zu einer Mannschaft, die damals in der untersten Spielklasse spielte, ist kurios: Am selben Wochenende hatte der USC ein Spiel in München, die Rodheimer ihr Aufstiegsspiel in Wiesbaden. Also fährt Raschke mit dem Nachtzug von München nach Frankfurt, mit dem Auto weiter nach Wiesbaden, wo sein Team im entscheidenden Match bereits 0:2 zurückliegt. In seiner letzten Auszeit sagt er: »Wenn ihr das noch gewinnt, spiele ich nächstes Jahr hier.« Die Mannschaft dreht die Partie, steigt auf - und »versprochen ist eben versprochen«, sagt Raschke und lacht. »Aber es war ein wirklich geiler Aufstieg.«

Fortan führt er das Team aus der Wetterau bis in die 2. Liga, spielt, trainiert, ist als Schiedsrichter aktiv, übernimmt gleich dreimal die Abteilungsleitung. Nur für ein paar Monate verschlägt es ihn 1983 noch einmal zum USC - als Trainer der Bundesliga-Mannschaft. »Ich wollte damals eigentlich nicht so richtig, aber meine Teamkameraden haben gesagt: ›So eine Chance bekommst du nie wieder.‹« Der große Erfolg bleibt zwar aus, doch Raschke geht einfach wieder zurück zur SGR - »nach Hause«, wie er sagt.

Der gelernte Zuspieler hat 1993 sein Abschiedsspiel in der »Ersten« gegen den deutschen Meister aus Wuppertal vor über 700 Zuschauern, setzt seine Laufbahn aber bis 2018 in der zweiten und dritten Mannschaft fort. Der ganz große Erfolg bleibt dem Talent jedoch lange verwehrt. Erst 2012 krönt er sich: Raschke wird - gemeinsam mit Stefan Weckmann (Ober-Roden) - erster deutscher Meister im Beachvolleyball der Senioren - 2012, 2014 und 2016 verteidigen sie ihren Titel. Bereits 2012 hatte es mit dem Seniorenteam aus Elmshorn auch in der Halle geklappt. »Es war eine späte Erfüllung. Einmal deutscher Meister in der Halle zu werden war immer mein Traum«, sagt er. »Das war ober-genial.«

Und heute? Auch mit 70 Jahren fühlt er sich so fit, um 2020 wieder anzugreifen - im Sand und in der Halle. »Wenn es so bleibt, will ich es wieder versuchen«, sagt der inzwischen in Ockstadt wohnende Jubilar. »Man muss sich selbst immer wieder etwas anschieben und ein paar Ziele setzen.«

Ein weiteres Ziel dürfte die für Juni geplante Party auf dem Beachvolleyball-Gelände der SG Rodheim sein. »Das gibt ein Fest«, sagt er voller Vorfreude - und schiebt nach: »Ich habe meinen 50. Geburtstag im alten Sportheim gefeiert, meinen 30. im ›Grünen Baum‹ - ich finde, alle 20 Jahre kann man mal richtig feiern.« Den heutigen Ehrentag verbringt er dafür etwas ruhiger mit seinen drei älteren Geschwistern in Baden-Württemberg. Seine Geburtstagswünsche sind ähnlich bescheiden: Gesundheit, die Möglichkeit, weiterhin Sport zu treiben - und Geselligkeit. »Der Verein hier ist für mich eine tolle Sache. Ich spüre, ich habe etwas bewirkt und gleichzeitig weiß ich, es geht weiter.«

Das gilt für Raschke, der es übrigens mal fertig brachte, an einem Tag in drei verschiedenen Altersklassen Hessenmeister in Beachvolleyball zu werden, nicht nur in Sachen Volleyball. Der Mitbegründer der Ski-Abteilung mit ihrer jährlichen Familienfreizeit war in diesem Jahr schon auf den Brettern unterwegs, um - einer seiner weiteren Passionen folgend - dem Nachwuchs ein guter Lehrer zu sein. Aus diesem Grund ist er auch nach 50 Jahren immer noch an seiner einzigen Arbeitsstelle, der Johannes-Vatter-Schule für Hörgeschädigte in Friedberg, als Leiter der Fußball-AG tätig. Es ist neben den Hobbys Lesen, Motorradfahren, seiner Dauerkarte bei Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt und vielem mehr ein weiteres Standbein des Vaters einer erwachsenen Tochter. Der sagt vor seinem Jubiläum nur: »Ich bereue nichts von alldem, sondern erlebe heute vieles bewusster, worüber ich froh und dankbar bin.«

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