21. März 2020, 12:00 Uhr

Coronavirus-Krise

Umfrage Wetterauer Amateurfußball wegen Coronavirus im Ausnahmezustand

Seit Ende vergangener Woche ruht der Ball in den hessischen Fußball-Ligen, seit Mittwoch der sind die Sportstätten gesperrt. Wie gehen die Vereine mit dem Coronavirus um? Eine Umfrage.
21. März 2020, 12:00 Uhr
Das Wetter wäre ideal zum Fußballspielen, doch die Ausbreitung des Coronavirus zwingt die Amateure zur Pause - vorerst bis 10. April. (Symbolfoto: Nici Merz) (Foto: MERZ_N)

Das Coronavirus beherrscht Deutschland. Und auch der Wetterauer Sport ist längst durch das Virus lahmgelegt. So ruht der Fußball nach einem Beschluss des hessischen Fußballverbands vom Freitagnachmittag vorerst bis zum 10. April (Karfreitag) in allen Spielklassen. Aus der HFV-Empfehlung zur Einstellung des Trainingsbetrieb wurde durch Beschlüsse des Bundes und des Landes Hessen spätestens am Mittwoch Gewissheit, als alle Sportstätten gesperrt wurden. Das heißt für die Fußballer - wie für viele andere Sportler - Zwangspause. Wir haben uns in der Wetterau umgehört, wie die Kicker damit umgehen.

Coronavirus: Aufruf zu Solidarität und Gemeinschaft

»Das alles ist Wahnsinn«, sagt Stefan Raab , Pressesprecher des Gruppenligisten SKV Beienheim. »Aber wir müssen sehen, dass wir die Sache irgendwie in den Griff bekommen. Und das schaffen wir nur als Gemeinschaft und in Solidarität.« Aus diesem Grund hat der Klub nicht nur den Trainingsbetrieb vollständig eingestellt, sondern seine Spieler auch gebeten, sich an die Empfehlungen der Behörden zu halten. »Als Verein muss man mit gutem Beispiel vorangehen«, sagt Raab. »Wir haben eine soziale Verantwortung.« Die Spieler seien aber dazu aufgerufen, individuell Lauf- und Krafteinheiten zu absolvieren und natürlich auf ihre eigene Gesundheit zu achten.

Finanziell macht sich Raab keine Sorgen um den SKV: »Wir kommen absolut nicht in Schieflage.« Der Grund: Einerseits seien die Vereinbarungen mit den Spielern und Trainer leistungsbezogen - also mit Blick auf die Beteiligung an Training, den Einsatz in Spielen und die Punktausbeute. Andererseits sei der Klub durch die Strategie mit fünf Säulen (Förderkreis, Spenden, Bewirtschaftung des Sportheims, Bandenwerbung, Veranstaltungen) gut aufgestellt. »Aber natürlich müssen wir schauen, wie sich die Lage entwickelt«, sagt Raab mit Blick auf die Ausrichtung des Vatertags (21. Mai) und die Open-Air-Disco (25. Juli), die fest in den Vereinskalender gehören.

Coronavirus: »Gesundheit hat Vorrang vor allem«

Eine ganz besondere Situation erlebt derzeit wohl Markus Pioch . Der ehemalige Spieler von Türk Gücü Friedberg ist seit der Winterpause Trainer des abstiegsbedrohten Kreisoberligisten FV Bad Vilbel II - und muss nun gleich in den Zwangsurlaub. »Ich hatte einen positiven ersten Eindruck von Verein und Mannschaft und hätte das gerne weiter gepusht, aber jetzt müssen wir das Beste daraus machen.« Denn er sagt auch: »Die Gesundheit hat Vorrang vor allem anderen. Im Rahmen soll jeder meiner Spieler etwas für sich tun wie Joggen, Radfahren oder etwas Krafttraining, wenn er es in seinen Tagesablauf mit Homeoffice und Kinderbetreuung integrieren kann.«

Im Hintergrund spielt da natürlich auch die Tabellensituation eine Rolle, denn die Hessenliga-Reserve hat nur zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. »Ich würde mir wünschen, dass wir diese Saison noch einmal spielen, mache mir aber angesichts der internationalen Lage nur wenig Hoffnung. Sollten wir weitermachen, werden wir aber in jedem Fall alles dafür tun, nicht das Team zu sein, dass die Relegation spielen muss«, sagt der Vater zweier Kinder. »Wir bleiben jetzt einfach kämpferisch.«

Coronavirus: Mit Gedanken bei den Älteren

»Wir machen auch Pause«, lautet das nüchterne Statement von Hans-Jürgen Zeeb , dem Abteilungsleiter Frauen- und Mädchenfußball bei der Spvgg. 08 Bad Nauheim. Trainer und Physiotherapeuten hätten den Spielerinnen entsprechende Anweisung für ein Training zu Hause mitgegeben, da das Sportgelände durch die Stadt seit Mittwoch ebenfalls komplett gesperrt sei. Darüber hinaus habe der Verein dazu aufgerufen, auch nicht auf eigene Faust in Gruppen oder gar auf dem Sportplatz zu trainieren. »Das ist auch voll akzeptiert. Ich selbst bin 70 Jahre alt, also sollen sie an mich und die anderen Älteren denken«, sagt Zeeb.

Er selbst hat sich schon auf die neue Situation eingestellt: »Meine Frau und ich gehen zwar noch spazieren, aber meistens im Wald und in jedem Fall auf Abstand zu anderen Menschen.« An eine schnelle Fortführung des Spielbetriebs glaubt er übrigens nicht: »Meine persönliche Meinung ist, dass wir diese Saison nicht mehr spielen. Selbst wenn: Wie wäre das mit all den Nachholspielen überhaupt zu schaffen? Ein Abbruch der Runde wäre daher die beste Lösung, alles andere, wie etwa eine Wertung der Hinrunde, wäre aus meiner Sicht unfair.«

Coronavirus: Neue Wege für Jugendfußballer

Gleich doppelt im Dilemma steckt Kevin Müller , Spieler des 1. FC Rendel und Trainer der C 2-Jugend des Karbener SV. »Die Situation ist schon schwierig und ungewohnt«, sagt er, weiß aber auch: »Doch vielen bleibt nicht mal Zeit, groß über Fußball nachzudenken, sie bangen um ihren Job. Die Gefühlslage ist bei jedem unterschiedlich. Ich selbst trainiere viel zu Hause, aber mit Ball ist das natürlich schwierig.« Mit seinen Jugendspielern hat er ein gutes Arrangement gefunden: Jeder, der etwas trainiert, soll ein Foto oder Video in der WhatsApp-Gruppe der Mannschaft posten - und so die anderen anspornen sowie Inspiration für Übungen geben. »Das läuft sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass jeder spätestens alle zwei Tage etwas macht«, sagt Müller.

Dennoch glaubt er nicht, dass der Amateurfußball seine Saison zu Ende spielt. Das wäre vor allem für die Rendeler Aufstiegsmannschaft extrem bitter, steht sie doch aktuell mit elf Punkten Vorsprung an der Spitze der Kreisliga A Friedberg. »Wenn das alles nicht zählen würde, wäre das schon brutal«, gibt Müller zu, hat aber auch gleich einen anderen Vorschlag: Es gibt Auf- aber keine Absteiger, die Ligen werden dann in der kommenden Runde mittels mehr Absteigern auf die Sollgröße zurückgestellt. Bis dahin sollten sich die Vereine, wenn das Schlimmste vorbei ist, mit Training und Freundschaftsspielen beschäftigen.

Coronavirus: Sorge um das Vereinsleben

Etwas andere Sorgen haben Daniel Stüber und der SV Germania Leidhecken. Der Spieler und Abteilungsleiter des C-Ligisten sagt, ein Restart der Saison sei aus seiner Sicht derweil »nicht in Aussicht«. Daher lautetet die Parole: »Wir warten jetzt einfach ab und bis dahin sind Spiel- und Trainingsbetrieb eben komplett eingestellt.«

Das sei nicht immer leicht, denn durch das Coronavirus sei das Vereins- und damit auch ein Stück weit das Dorfleben »eingeschränkt«. Das gelte auch für den Stammtisch in der Vereinskneipe, die neben Trainings- und Spieltagen eine nicht unwesentliche Einnahmequelle darstellt. »Momentan ist es finanziell noch nicht schlimm, aber wenn das noch lange dauert, dann könnte es kritisch werden«, sagt Stüber.

Coronavirus: Carsten Weber mahnt Verantwortung an

Auch Carsten Weber hat es erwischt: Homeoffice. Der Lehrer an einer Schule in Oberursel geht nur noch tageweise zur Arbeit, betreut sonst Tochter und Patenkind daheim. Und auch seine Spieler »machen Homeoffice«. Der Trainer des Hessenligisten Türk Gücü Friedberg hat Pläne verteilt, die via Apps und sozialen Medien überprüft werden, sodass jeder Akteur auf mindestens fünf Einheiten pro Woche kommen soll. Vorrangige Themen: Athletik, Beweglichkeit, Ausdauer - je nach individuellen Bedürfnissen. »Zwar ist gemeinsames Training derzeit nicht vertretbar, aber solange nichts anderes entschieden ist, müssen wir uns darauf einstellen, dass die Runde am 11. April weitergeht«, sagt er. »Und bis dahin müssen wir die Jungs irgendwie fit halten.«

Wichtig ist dem Pädagogen aber auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der Lage und keine unnötige Beteiligung seiner Spieler an der Verbreitung des Virus. »Ich habe den Eindruck, dass sie das Thema ernst behandeln und seriös damit umgehen«, sagt er. Immerhin: Aufgrund des Trainings bekommen alle weiterhin ihr Geld, wenn auch die Prämien derzeit ausbleiben. »Es gibt allgemein aktuell wichtigere Dinge, die entschieden und geregelt werden müssen, als Fußball«, sagt Weber. »Aber der Verein geht da sehr sensibel mit um - mit unserer Tabellensituation (Platz zwölf, Anm. d. Red.) im Rücken ist das auch etwas leichter.«

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