26. August 2018, 10:00 Uhr

Tischtennistalent

Über das Leben eines Wetterauer Tischtennis-Wunderkindes

Josephina Neumann ist gerade einmal acht Jahre alt, doch an der Tischtennisplatte hat sie schon internationale Erfolge errungen. Auszug aus dem Leben des Okarbener Wunderkindes.
26. August 2018, 10:00 Uhr
Josephina Neumann vom TV Okarben, hier bei der Tischtennis-Hessenrangliste der Schülerinnen C vor einer Woche, gehört mit ihren acht Jahren zu den besten Spielerinnen in ganz Europa. (Foto: privat)

Auf die Frage »Wann hat Josephina Neumann mit dem Tischtennisspielen angefangen?«, gibt es eigentlich keine richtige Antwort, denn sie wurde schon als Baby mit in die Halle genommen, wenn Mama und Papa spielten. Mit fünf Jahren entdeckte Elke Schall-Süß, damals noch hessische Landestrainerin und langjährige Nationalspielerin, bei einem privaten Besuch das kleine Ausnahmetalent des TV Okarben. Sie holte die 2010 geborene Ausnahmeathletin aus der heimischen Garage ins Landesleistungszentrum. Erst einmal, dann zweimal die Woche wurde sie ganz behutsam von von Asen Asenov, dem heutigen bulgarischen Nationaltrainer, ans Tischtennistraining herangeführt. Zuhause trainierte sie mit Mama und Papa in der Garage oder bei ihrem Heimatverein mit der ehemaligen Europameisterin und kroatischen Nationalspielerin Branka Batinic. Heute gehört sie europaweit zu den besten ihres Jahrgangs – und bricht einen Rekord nach dem anderen.

Josephina Neumann: Aufregender Moment mit ihrem Idol Petrissa Solja

Ende 2016, also im Alter von sechs Jahren, hatte sie sich bereits für ihre ersten hessischen Meisterschaften qualifiziert. Nun war sie endgültig vom Tischtennisvirus infiziert: Wieder zu Hause wollte sie mehr Tischtennis-Matches im Internet anschauen. Schnell kannte sie alle Tischtennisgrößen auf der Welt. Besonders gefiel ihr die deutsche Spielerin Petrissa Solja. Beim Pokalfinale der Damen in Seligenstadt durfte sie ihr Idol das erste mal live erleben. Als »Petti« auf die Tribüne kam, ging die Kleine »Josi« mit einem selbstgemalten Bild zu ihr und fragte diese ohne Scheu, ob sie nicht mal mit ihr spielen würde. Die deutsche Nationalspielerin konnte die Bitte ihres kleinen Fans einfach nicht abschlagen und ging mit ihr in die Trainingshalle. Begeistert von dem Talent und dem Können der erst Sechsjährigen holte diese sogleich ihre zuvor gewonnene olympische Medaille aus der Tasche und hängte sie dem Nachwuchstalent um den Hals. Vor Ehrfurcht und Freude erstarrt wurden zum Abschied noch ein paar Fotos gemacht. Noch heute sind die beiden in Kontakt und der deutsche Superstar verfolgt die Laufbahn des kleinen Wetterauer Nachwuchstalents. Nicht zuletzt rufen ihre Eltern während ihrer Spiele gerne auch: »Denk an Petti!«

Ein Jahr später gewann der Wirbelwind aus Okarben als jüngste Teilnehmerin im Mai 2017 die hessischen Jahrgangsmeisterschaften der Schülerinnen C und krönte dieses erfolgreiche Jahr im Dezember mit dem Gewinn der hessischen Meisterschaften als jüngste Spielerin aller Zeiten. Das Trainingspensum im Landesleistungszentrum wurde nun von zwei auf drei Mal pro Woche erhöht.

Josephina Neumann: Erster internationaler Pokal mit 7 Jahren

Das Jahr 2018 begann mit Neumanns ersten internationalen Meisterschaften in Budapest/Ungarn. Hier musste »Josi« gegen drei Jahre ältere Kinder an den Start gehen. Sollte sie doch eigentlich nur Erfahrungen sammeln und die europäische Konkurrenz kennenlernen, spielte sie dort ihr allerbestes Tischtennis und gewann fast gegen die an Nummer eins gesetzte Nationalspielerin aus Ungarn. Sie unterlag nur knapp im fünften Satz. Nach dieser Kraftanstrengung schlief sie direkt danach auf dem Hallenboden ein. Im Mai dieses Jahres fuhr sie dann mit der hessischen Delegation nach Belgien. Am Wettkampf in Lüttich nahmen die besten Spielerinnen aus Belgien, Luxemburg, Frankreich und den Niederlanden aus dem Jahrgang 2009 teil. Neumann gewann, nachdem sie in einem engen Spiel ihre chinesischstämmige Kontrahentin aus Frankreich bezwungen hatte. Es war der erste internationalen Pokal.

Das beste Turnier ihrer bislang noch jungen Karriere aber spielte »Josi« Anfang Juni in Prag. Hier gewann sie gegen drei Jahre älteren Nationalspielerinnen aus Osteuropa, die sich fassungslos der Wetterauerin und ihrem unbändigen Siegeswillen geschlagen geben mussten. Nur eine Inderin, die schon in diesem Alter nicht mehr zur Schule geht, sondern über das Internet lernt und acht Stunden am Tag trainiert, gewann gegen die Okarbenerin im vierten Satz. Die Trainer der anderen Nationen zeigten sich erstaunt über Josis Alter und Können. Die österreichische Nationaltrainerin Yuan Liu, frühere chinesische Nationalspielerin und Bundesligaspielerin in Deutschland, war gar so fasziniert, dass sie »Josi« in den Sommerferien zu einem Lehrgang zu sich nach Linz einlud.

Josephina Neumann: Starker Saisonauftakt macht Lust auf mehr

Das Training in den Ferien unter anderem auch mit ihrer Entdeckerin Elke Schall-Süß, die den Kontakt nicht abbrechen lassen will, zahlte sich aus, denn der Auftakt zur neuen Saison hätte nicht besser laufen können: Am vorletzten Wochenende gewann Neumann souverän die hessische Rangliste der Schülerinnen C und am vergangenen Wochenende krönte sie ihre 23:1-Siege-Bilanz mit dem zweiten Platz, punktgleich mit der favorisierten Erstplatzierten, bei der hessischen Rangliste der Schülerinnen B bis Jahrgang 2006. Dies ist noch nie zuvor einer Achtjährigen gelungen und unterstreicht wieder einmal das herausragende Talent von Josephia Neumann.

Info

Ein typischer Tagesablauf im Leben der Josephina Neumann

Wenn Josephina Neumann morgens aufsteht, dann geht es bereits (fast) nur um Tischtennis. Nach dem Aufwecken um 6.30 Uhr geht es mit Mama in die Garage zum Balleimertraining. Von 8 Uhr bis 13 Uhr ist Schule in der Grundschule in Petterweil angesagt, anschließend Mittagessen und Hausaufgaben machen, ehe es dreimal pro Woche um 15 Uhr Abfahrt zum Landesleistungszentrum nach Frankfurt geht. Das Training dauert von 16 Uhr bis 18.30 Uhr unter Leitung von Tobias Kirch, dem Cheftrainer des hessischen Tischtennisverbandes. Donnerstags und freitags hat gibt es zusätzlich Einzeltraining mit Mama und/oder Aufschlagtraining mit Papa. Zwischendurch ist Pause, um sich mit Freunden zu treffen, denn am Wochenende sind meistens Wettkämpfe – oder noch mehr Training. Wichtig für ihre Eltern: An erster Stelle steht der Spaß an der Bewegung und die Freude am Tischtennissport.

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