14. Oktober 2018, 12:12 Uhr

Fussball-Hessenliga

Türk Gücü Friedberg: Jubel nach Drei-Tore-Rückstand

Das war spektakulär! Türk Gücü Friedberg punktet in der Fußball-Hessenliga beim SC Waldgirmes. Und dabei hatte der Aufsteiger zwischenzeitlich mit drei Treffern im Rückstand gelegen.
14. Oktober 2018, 12:12 Uhr
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Von Uwe Born
Alit Usic (links, im Zweikampf mit Kian Marius Golafra) trifft sechs Minuten vor Schluss zum 4:5-Anschluss und kann mit Türk Gücü Friedberg wenig später einen Punktgewinn beim SC Waldgirmes feiern. (Foto: Rainer Schmidt)

Auch in der Hessenliga soll’s ja zuweilen Fußballspiele geben, nach denen sich die Zuschauer angesichts eher langweiliger 90 Minuten fragen, wofür sie eigentlich Eintritt gezahlt haben. Jene 410 Zaungäste, die am Samstagnachmittag auf dem Sportgelände des Tabellensechsten SC Waldgirmes das Duell gegen den um den Klassenerhalt kämpfenden Aufsteiger Türk Gücü Friedberg verfolgten, brauchten sich mit ähnlich trüben Gedanken nicht zu befassen. Hohes Tempo, Torchancen en masse und nicht weniger als zehn Treffer sorgten nämlich dafür, dass alle auf ihre Kosten kamen. Am Ende gab’s keinen Sieger, denn unterm Strich stand ein spektakuläres 5:5 (4:1)-Remis zu Buche.

Ein Resultat, das unterschiedliche Reaktionen erzeugte: Während SC-Coach Daniyel Bulut und seine Spieler, die einen sicher geglaubten Sieg noch in den Sand setzten, wie begossene Pudel vom Kunstrasenplatz schlichen, bildeten die Friedberger Cracks inklusive ihrer Trainer Mustafa Fil und Gültekin Cagritekin den magischen Kreis und feierten enthusiastisch. Kein Wunder, gelang es ihnen doch, einen scheinbar aussichtslosen 2:5-Rückstand noch in einen Teilerfolg zu verwandeln. »Zur Pause hätten wir höher als 4:1 führen können, ja müssen. Auch später haben wir noch etliche gute Chancen versiebt. Für uns ist dieses Unentschieden eine gefühlte Niederlage«, meinte Daniyel Bulut. Dagegen attestierte Mustafa Fil seiner Mannschaft ein Pauschallob: »Defensiv gesehen, waren die ersten 45 Minuten zwar eine Katastrophe, aber wie wir später trotz des klaren Rückstands mit hohem läuferischen Aufwand, taktischen Änderungen und Mut zum Risiko wieder ins Spiel zurückgefunden haben, war überragend.«

Waldgirmes eröffnete das muntere Toreschießen in der 14. Minute, als Zentrumstürmer Nicolas Strack einen Flachpass von Außenverteidiger Marcel Siegel aus kurzer Distanz vollendete. Auch in der Folgezeit brillierten die Mittelhessen durch ihr schnelles, schnörkelloses Spiel über die Außen und hebelten die TG-Abwehr ein ums andere Mal aus. Tolga Duran erhöhte per leicht abgefälschten 25-Meter-Kracher auf 2:0 (24.), ehe Türk Gücü drei Minuten später das erste offensive Ausrufezeichen setzte. Dabei stand Sebastian Bartel nach Vuk Toskovics Freistoß goldrichtig – nur noch 2:1. Bartels Tragik: Keine 100 Sekunden nach seinem Treffer grätschte der Friedberger Abwehrmann in eine Duran-Flanke und bugsierte das Leder mit einem klassischen Eigentor über die Linie. Und nachdem Strack bereits in der 31. Minute das 4:1 vergönnt war (Steilvorlage Mert Civaci), schien sich aus Friedberger Sicht ein Debakel anzubahnen. Jedenfalls dokumentierten Pfostenschüsse von Strack (19.) und Duran (45.) die Dominanz der Bulut-Elf zur Genüge.

Ab den zweiten 45 Minuten änderten sich jedoch die Verhältnisse, weil die nunmehr stabiler wirkende Friedberger Abwehr außer Durans Goal zum 5:2-Zwischenstand (61. – knallharter Schrägschuss ins lange Eck) sowie Chancen für Lucas Hartmann und Duran (66./75. – Vladan Grbovic parierte reaktionsschnell) nichts mehr zuließ. Dafür klappte es bei den Gästen vorne zunehmend besser: Vuk Toskovic hatte schon vor dem fünften SC-Tor in die Vollen getroffen (4:2/52.), und in der Schlussphase ging’s Schlag auf Schlag: Abdussamad Gürsoy zog aus halblinker Position ab – Waldgirmes führte ab der 72. Minute nur noch mit 5:3. Dann profitierte Alit Usic nach Toskovics Freistoß-Flanke von viel Verwirrung in der SC-Defensive (86./5:4), während Younes Bahssou die Aufholjagd der Wetterauer erfolgreich abschloss. Marcel Siegel hatte den Friedberger Torjäger im Strafraum gefoult. Bahssou übernahm selbst die Verantwortung und verwandelte cool zum 5:5-Endstand.

SC Waldgirmes: Dühring (50.) Boss – Siegel, Cost, Oliver Schmidt, Civaci – Golafra, Schneider – Hartmann (85. Helm), Duran, Öztürk – Strack (77. Tobias Schmitt).

Türk Gücü Friedberg: Grbovic – Usic, Bartel, Biber (36. Penava) – Erdogan, Tesfaldet, Takahashi, Toskovic – Kohnke (36. Bell Bell), Gürsoy (93. Akkus Rodriguez), Bahssou.

Im Stenogramm/Schiedsrichter: Nicklas Rau (Wöllstadt). – Zuschauer: 410. – Tore: 1:0 (14.) Strack, 2:0 (24.) Duran, 2:1 (27.) Bartel, 3:1 (29.) Eigentor Bartel, 4:1 (31.) Strack, 4:2 (52.) Toskovic, 5:2 (61.) Duran, 5:3 (72.) Gürsoy, 5:4 (86.) Usic, 5:5 (87.) Foulelfmeter Bahssou.



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