20. Juli 2017, 12:00 Uhr

Titelkandidat

Trainer Linde baut keinen Druck auf

Fußball-Kreisoberligist FC Ober-Rosbach hat sich in den letzten Jahren zu einem Titelkandidaten entwickelt. Trotzdem gibt sich Trainer Jens Linde zweieinhalb Wochen vor Saisonstart zurückhaltend.
20. Juli 2017, 12:00 Uhr
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Von Uwe Born
Immer am Ball: Jens Linde, Trainer des Kreisoberligisten FC Ober-Rosbach, bestimmt auf dem Sportfeld Eisenkrain die Richtung. (Foto: ub)

Dass die Fußballer des FC Ober-Rosbach in der kommenden Saison lediglich Kreisoberliga-Status genießen, ist auch unter geographischen Gesichtspunkten ärgerlich. Weshalb, verrät ein Blick auf die Landkarte: In den Taunus ist es nur ein Katzensprung, und Frankfurt liegt quasi vor der Haustür. Die Gruppenliga Frankfurt-West, deren Teams sich aus den Fußballkreisen Friedberg, Frankfurt und Hochtaunus rekrutieren, wäre eigentlich die richtige Kragenweite für den Klub. Dort spielte er zwischen 2007 und 2011 bereits. Danach ging es rauf und runter: Zunächst gelang der Aufstieg in die Verbandsliga Süd, ehe man binnen zwei Jahren in die Kreisoberliga abstürzte.

In der neuen sportlichen Heimat sprangen zunächst die Positionen fünf (2013/14) und zwölf (2014/15) heraus, ehe Jens Linde auf dem Sportfeld Eisenkrain das Kommando übernahm. Unter seiner Regie zählten die FCO-Kicker in den beiden zurückliegenden Meisterschaftsrunden zu jenen Vereinen, die bis zum Schluss um die Meisterschaft mitspielten, jedoch stets anderen Teams den Vortritt lassen mussten. Dem FC Ober-Rosbach im dritten Jahr seiner Trainertätigkeit endlich die Rückkehr auf die überregionale Fußballbühne zu ermöglichen, wäre deshalb für Jens Linde gewiss eine feine Sache.

Doch der 37-jährige Sportwissenschaftler, der zu aktiven Zeiten für den SV Germania Ockstadt, den FV Bad Vilbel und für den SV Reichelsheim auflief und vor seinem Ober-Rosbacher Engagement in Ockstadt und bei der TSG Ober-Wöllstadt als Übungsleiter arbeitete, gibt sich knapp zweieinhalb Wochen vor dem Saisonstart zurückhaltend.

Herr Linde, am vergangenen Sonntag bezog der FC Ober-Rosbach gegen den Gruppenliga-Aufsteiger Sportfreunde Frankfurt eine 1:5-Schlappe. Drücken solche Niederlagen auf das Gemüt?

Jens Linde: Auf keinen Fall, denn wir lernen daraus. Bei der Auswahl der Testgegner wurde darauf geachtet, dass wir uns ausschließlich mit spielstarken Mannschaften messen. In solchen Partien sind Fehler leichter erkennbar, und man kann sie umgehend abstellen. Spiele gegen Mannschaften aus unteren Klassen, die wahrscheinlich mit hohen Siegen enden würden, bringen hingegen gar nichts.

Wie ist es um die Fitness der Spieler bestellt? Entsprach die bisherige Trainingsbeteiligung Ihren Vorstellungen?

Linde: Unser Kader umfasst etwa 20 Spieler. An den Übungseinheiten nehmen durchschnittlich 16 bis 18 Spieler teil. Da gibt es für mich keinen Grund zur Klage. Konditionell sind fast alle gut drauf. Wir liegen exakt auf Kurs, werden aber bis zum Rundenstart den Akku noch weiter aufladen.

In der Endabrechnung der Saison 2016/17 landete Ihre Mannschaft auf Platz drei, lediglich zwei Punkte hinter Vizemeister FC Karben. Weshalb hat es nicht zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde gereicht?

Linde: Ausschlaggebend war, dass wir angesichts zwei Niederlagen gegen Meister SKV Beienheim sowie vier Unentschieden gegen Karben und Ober-Wöllstadt gegen keinen der direkten Aufstiegsrivalen gewinnen konnten. Hinzu kamen das enttäuschende Heimremis gegen Kaichen und die bittere 1:3-Niederlage in Nieder-Wöllstadt. Ich denke, der FC Karben hat uns durchaus verdient Platz zwei vor der Nase weggeschnappt. Andererseits behaupte ich, dass wir als Mannschaft, die über reichlich Routine verfügt, in der Aufstiegsrunde eine bessere Rolle als die Karbener Truppe gespielt hätten.

Als Trainer beabsichtigt man, sich gegenüber der Vorsaison zu verbessern. Da müsste nach den Positionen vier und drei in der anstehenden Runde der Sprung in die Gruppenliga doch eigentlich das erklärte Saisonziel sein…

Linde: Klingt logisch, ist es aber nicht. Vielmehr möchte der Verein nach unruhigen Zeiten wieder in ruhigeren Fahrwassern segeln. Wir wollen in erster Linie den Zuschauern guten Fußball bieten, wobei sich die einzelnen Spieler individuell verbessern sollen. Vorhaben dieser Art haben meines Erachtens nichts mit Tabellenpositionen zu tun. Ich und die Mannschaft stehen unter keinerlei Druck. Eröffnet sich allerdings die Chance zum Aufstieg, werden wir uns nicht mit Händen und Füßen dagegen wehren.

Welche Teams werden ab Anfang August im Kampf um die Kreisoberliga-Meisterschaft die Hauptrollen übernehmen?

Linde: Neben dem FC Karben sind da vor allem die Gruppenliga-Absteiger Türkischer SV Bad Nauheim und FCO Fauerbach zu nennen. Ob unsere Mannschaft diesem Trio gefährlich werden kann, bleibt abzuwarten. Ausschließen möchte ich es nicht, denn im oberen Tabellendrittel mitzumischen, sollte für uns allemal möglich sein.

Den Abgängen der Stammspieler Steven Cue und Mario de Oliveira stehen sieben Neuzugänge gegenüber. Sehen Sie ihre Mannschaft qualitativ besser aufgestellt als in der vergangenen Saison?

Linde: Davon gehe ich aus. Nadim Ahmed gilt in der Defensive als Nachfolger von Steven Cue. Daniel Griepentrog ist in der Offensive ähnlich veranlagt wie Mario de Oliveira. Nicht zu vergessen ist Marijan Lazeta, der von Croatia Frankfurt kam und letzte Saison in der Frankfurter A-Liga mit 51 Treffern erfolgreichster Torschütze war. Hinzu kommen junge Leute wie Fabio Inverso und Philip Käding, der Sohn unseres Klubchefs Christoph Käding, oder auch der aus Ilbenstadt zurückgekehrte Thomas Benkhofer. Auch in der Breite sieht es vielversprechend aus.

Routine scheint in Ober-Rosbach nach wie vor Trumpf zu sein. Schließlich sind Robert und Jeremy Cue, Özkan Can oder Jens Paetzold, der auch als sportlicher Leiter fungiert, nicht mehr die Jüngsten...

Linde: Ich bin froh, dass wir sie haben. Die Erfahrung dieser Spieler ist für den Verein enorm wichtig. Sie sind Vorbild für die jüngeren Leute und gelten als Leitwölfe, wobei ich weder auf Keeper Robert Cue, den wohl besten Kreisoberliga-Torwart, und Jeremy Cue in der Abwehr, noch auf Jens Paetzold als Spielmacher im Mittelfeld oder auf Özkan Can als treffsicheren Torjäger im Angriffszentrum verzichten möchte.

Es sollen nach Angaben der Vereinsführung vermehrt Spieler aus dem regionalen Umfeld an den Klub gebunden werden. Ein ehrenwerter Plan, der allerdings einen Nachteil hat: Überregionaler Fußball auf Dauer ist damit kaum realisierbar...

Linde: Das mag durchaus so sein, doch ein Problem ergibt sich daraus meiner Meinung nach nicht. Jedenfalls spricht nichts dagegen, auch mal einen nicht im Rosbacher Einzugsgebiet wohnenden Fußballer zu verpflichten, wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet. Diesbezüglich ist Jens Paetzold unser Spezialist. Er kennt jeden, und jeder kennt ihn. Als Trainer kann man von seinen Insider-Kenntnissen nur profitieren.



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