22. Juni 2018, 21:31 Uhr

TV-Fußball dominiert Gewinn für Fans und Sponsoren

Fußball über alles – das gilt auch bei den Fernseh- Zuschauern. Handball, Basketball, Eishockey und Volleyball haben es im TV schwer. Der häufige Senderwechsel einiger Verbände macht es nicht einfacher.
22. Juni 2018, 21:31 Uhr
TV-Handball begeistert die Fans, hat aber in puncto Relevanz noch einiges an Entwicklungspotenzial. (Foto: dpa)

Zahlen über Zahlen: Die TV-Quoten der gerade abgelaufenen Spielzeiten zeigen, wie schwer es die anderen Mannschafts-Sportarten im Schatten des Fußballs haben – nicht nur während der Weltmeisterschaft. Auch im Liga-Alltag ist das mediale Übergewicht des weltweit beliebtesten Sports erdrückend. Durchschnittlich 5,40 Millionen Zuschauer schauen beim Fußball in der »Sportschau« zu. Davon können andere nur träumen.

Handball

Vom neuen TV-Vertrag war die Handball-Bundesliga begeistert, doch die Ergebnisse der ersten Saison sind eher bescheiden. Die ungewöhnliche Allianz aus Sky und ARD löste Sport 1 ab, sodass erstmals 306 Erstliga-Spiele live zu sehen waren – zumindest für Kunden des Pay-TV-Senders. Genaue Zahlen wollte Sky nicht mitteilen, was auf ein eher mäßiges Ergebnis schließen lässt. Zumal die beste Quote nur bei 100 000 Zuschauern beim Topspiel der Rhein-Neckar Löwen gegen die SG Flensburg/Handewitt lag. Die beste Handball-Konferenz lag nach Sky-Angaben bei 120 000 Zuschauern. Im Vorjahr hatte Sport1 49 Spiele der Bundesliga gezeigt und durchschnittlich immerhin noch 220 000 Zuschauer erreicht.

Die ARD übertrug in der laufenden Serie vier Spiele live im Ersten, acht weitere in den 3. Programmen. Die erfolgreichste Übertragung war die Partie des THW Kiel gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 1,83 Millionen Zuschauern. »Man sieht, dass Handball Potenzial hat, aber es ist eine langfristige Aufgabe«, kommentierte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Er sagte aber auch: »Es ist ein großer Unterschied zwischen Handball und den anderen Mannschafs-Sportarten.«

Eishockey

Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat es schon mit einigen TV-Partnern versucht. Bei Premiere und beim DSF lief Eishockey – und bis 2016 sogar beim Nischensender ServusTV und beim Internetdienst Laola.tv. Seit 2016 zeigt die Telekom alle Spiele – allerdings nur für ihren Kunden oder gegen Extrazahlung. Insgesamt verfolgten in der abgelaufenen Saison rund zehn Millionen Fans die Spiele der DEL live beim Sport-Ableger des Telekommunikations-Anbieters. Bei mehr als 400 Spielen ergibt das einen bescheidenen Schnitt von weniger als 25 000 Zuschauern pro Partie.

Das bedeutet laut Telekom eine Steigerung um 17 Prozent im Vergleich zur Vorsaison. Den Rekordwert erzielte das entscheidenden Finalspiel mit 160 000 Zuschauern. Trotz der mageren Zahlen sagte Sportmarketing-Leiter Henning Stiegenroth. »Telekom Sport hat sich als TV-Angebot bei den Eishockey-Fans voll etabliert.« 45 Spiele durfte Sport 1 in der abgelaufenen Spielzeit live zeigen. Beim etablierten, aber sparsamen Spartensender sahen in der Saison 2017/2018 im Schnitt immerhin 220 000 Eishockeyfans zu.

Basketball

Die Deutsche Telekom zeigt seit 2014 für seine Entertain-Kunden und gegen Bezahlung über telekombasketball.de alle Spiele der Liga und der Playoffs live – und hat den Vertrag schon bis 2023 verlängert. Im Vorjahr schauten insgesamt sechs Millionen Menschen zu, im Durchschnitt also weniger als 20 000. Aktuelle Zahlen der gerade abgelaufenen Spielzeit gab es vier Tage nach dem Finale noch nicht. Auch beim Basketball darf Sport1 einige Spiele übertragen. 120 000 sahen im Durchschnitt bei den 47 Partien zu. Beim vierten Spiel der Best-of- five-Serie schalteten 240 000 Zuschauer ein, das fünfte lief nur bei der Telekom. Sport 1 ist mit den Zahlen zufrieden, wie Chefredakteur Dirc Seemann sagte: »Auch im Basketball freuen wir uns über die positive Entwicklung in dieser Saison und das beste Hauptrunden-Ergebnis seit vier Jahren.«

Volleyball

Sport 1 sucht sich immer wieder neue Lücken und wird künftig noch mehr Live-Spiele aus der Volleyball-Bundesliga übertragen. In der abgelaufenen Saison war die Resonanz aber äußerst bescheiden: 90 000 Menschen schauten im Schnitt eine der sieben Übertragungen. Alle Partien der Volleyball-Bundesligen werden auch künftig auf sporttotal.tv gezeigt.

Das sagen die Mittelhessen

Gerade unsere mittelhessischen Topsportarten Basketball, Eishockey und Handball fristen TV-mäßig hinter dem Fußball eher ein Schattendasein. Für die Geschäftsführer der Gießen 46ers, des EC Bad Nauheim und der HSG Wetzlar sind die aktuell ausgehandelten und laufenden Fernsehverträge für ihre Sportarten und Klubs aber ein erster, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Für alle steckt in den verschiedensten TV-Formaten noch viel Entwicklungspotenzial:

Heiko Schelberg (Geschäftsführer Gießen 46ers): »Wir haben in der Basketball-Bundesliga mit der Telekom einen guten TV-Vermarktungsvertrag abgeschlossen. Dort sind wir sehr gut aufgehoben. Wir haben eine Zielgruppe, die jung und dynamisch ist, sich genau diesen Portalen widmet und Sportevents im Internet ansieht. Ich bin davon überzeugt, dass dies das Zugpferd für die Zukunft ist.

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Heiko Schelberg (mv)

Der Telekom-Vertrag hat sich bei uns positiv ausgewirkt. Die Spiele sind für jeden einzelnen Telekom-Kunden kostenfrei empfangbar. Die BBL ist von der Reichweite her ebenfalls in neue Dimensionen vorgestoßen. Der Telekom-Vertrag hilft uns enorm, den Basketballsport weiter auszubauen und zu positionieren. Reichweite ist die Benchmark, die Sponsoring definiert.«

Andreas Ortwein (Geschäftsführer EC Bad Nauheim): »Die Einschaltquoten während der Olympischen Spiele haben gezeigt: Eishockey hat in den öffentlich-rechtlichen Sendern Potenzial. Generell haben wir es liga- und verbandsseitig aktuell aber nicht wirklich optimal genutzt. Hier ist – ähnlich wie nach der Heim-WM – eine Chance vertan worden. Eishockey ist für TV-Zuschauer nicht einfach zu verfolgen. Aber ich denke, durch verschiedene Übertragungsformate wurde viel getan, um auch weniger eishockeyaffinen Zuschauern einen schnellen Einstieg zu ermöglichen. Allerdings tut sich die DEL mit Salami-Spieltagen keinen Gefallen; genauso wenig wie der Fußball. Regeltermine sind wichtig. Natürlich kann man den Spielbeginn wegen TV-Zeiten schieben, aber es ist nicht gut, die Spiele auf die gesamte Woche zu verteilen.

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Andreas Ortwein (ch)

Ich denke, dass im Handball, Basketball und Eishockey attraktive Live- und TV-Events dargestellt werden. In der DEL 2 haben wir als Liga mit Sprade TV ein gutes Medium aufgebaut. Wir haben dadurch zu jedem Heimspiel noch mal einige Hundert Zuschauer mehr und generieren Einnahmen. Ich sehe das als einen Gewinn für Fans und Sponsoren.«

Björn Seipp (Geschäftsführer HSG Wetzlar): »Mit dem neuen Fernsehvertrag sind wir in der abgelaufenen Saison, was die TV-Reichweiten angeht, in neue Dimensionen vorgedrungen. Noch liegen uns die endgültigen Zahlen durch die Agentur der Handball-Bundesliga nicht vor, da diese quartalsmäßig an die Clubs weitergegeben werden, aber von August bis April dieses Jahres haben beispielsweise über 13 Millionen Zuschauer die Berichterstattung über die Heimspiele der HSG Wetzlar am Fernseher mitverfolgen können. Insgesamt, mit unseren Auswärtsspielen, sind es weit über 22 Millionen Kontakte. Solche Reichweiten hatten wir davor nicht annähernd. Solche Zahlen freuen uns, vor allem unsere Sponsoren, und sie sind für die unternehmerische Weiterentwicklung der HSG Wetzlar extrem wichtig.

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Björn Seipp (ov)

Auch die neuen Anwurfzeiten, allen voran die vieldiskutierte Sonntagszeit um 12.30 Uhr, haben sich bei uns nicht negativ auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt. Wir haben in der jetzt abgelaufenen Saison den Zuschauerschnitt der Rekordsaison 2016/2017 bestätigt. Das und auch die Zahlen aus dem Dauerkarten-Vorverkauf für die kommende Saison zeigen, dass unsere Zuschauer die Leistungen der Mannschaft und das gebotene Live-Event sehr wertschätzen. Auch die Zusammenarbeit mit Sky sowie ARD und ZDF lief höchst professionell und reibungslos. Natürlich sind der zeitliche Anspruch und damit der Aufwand für Spieler, Trainer und Verantwortliche dadurch deutlich gestiegen, aber das nehmen alle gerne in Kauf, wenn man sieht, welche zusätzliche Fläche die Handball-Bundesliga und somit auch Wetzlar erzielt. Alles in allem können wir somit mit der neuen Partnerschaft und den Ergebnissen wirklich sehr zufrieden sein.«

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