24. April 2018, 16:00 Uhr

Spielabbruch

Spielabbruch nach Elfmeterpfiff in der C-Liga

Das Spiel zwischen Blau-Gelb Friedberg und Dorn-Assenheim/Weckesheim II in der Fußball-Kreisliga C Friedberg Süd endete am Sonntag mit einem Spielabbruch. Nun werden die Hintergründe klarer.
24. April 2018, 16:00 Uhr
Daniel Keim (l.) und seine SG Dorn-Assenheim/Weckesheim II - hier gegen Mohammad Noori (SV Assenheim) mussten am Sonntag ihr Spiel gegen Blau-Gelb Friedberg in der Kreisliga C Süd abbrechen. (Archivfoto: Jaux) (Foto: Jaux)

An dieses Spiel wird sich die Wetterauer Fußball-Schiedsrichterin Natalie Busse (Florstadt) gewiss noch lange erinnern. Und für Blau-Gelb Friedberg dürfte es vor dem Rechtsausschuss noch zu einem Nachspiel mit unliebsamen Folgen kommen. Was war geschehen? Im Spiel der Kreisliga C Friedberg Süd waren am Sonntag zwischen dem Tabellenzehnten PSV Blau-Gelb Friedberg und Spitzenreiter SG Dorn-Assenheim/Weckesheim II 86 Minuten gespielt. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Blau-Gelben etwas überraschend mit 2:1 (1:1) vorne. Aus dem 0:1 (15.) durch Benjamin Krätschmer hatten Patrik Stranczyk (19.) und Qorane Hassan Abdi (81.) eine 2:1-Führung für die Friedberger gemacht. Die 86. Minute lief auf dem Friedberger Burgfeld, als ein Dorn-Assenheim/Weckesheimer Freistoß in den Friedberger Strafraum segelte. Patrik Stranczyk (Friedberg) und Gästespieler Lars Kempf stiegen zum Kopfball hoch. Dabei habe, so Klaus Hofmann, Vorstandsmitglied des KSV Weckesheim, Stranczyk seinen Gegenspieler Kempf mit dem Ellenbogen am Hinterkopf getroffen. Kempf ging daraufhin im Strafraum zu Boden und Schiedsrichterin Natalie Busse entschied – unter energischen Protesten seitens Blau-Gelb – auf Elfmeter.

SG-Torjäger Krätschmer schnappte sich daraufhin den Ball und platzierte ihn auf den Elfmeterpunkt. Zum Anlaufen, geschweige denn zur Ausführung des Strafstoßes, kam er jedoch nicht mehr. Ein Spieler des PSV Blau-Gelb war laut Aussagen von Hofmann zum Ball gelaufen und trat ihn vom Elfmeterpunkt weg. Derweil beschäftigte sich das Blau-Gelb-Lager damit, die Unparteiische zu bearbeiten – in zunehmend rüderen Ton –, »bis Blau-Gelb-Trainer Reiner Grau seine Mannschaft geschlossen vom Platz holte«, sagt der Augenzeuge Hofmann.

 

Trainer Grau wiederspricht Zeugen des Gegners

Daraufhin beendete Schiedsrichterin Busse, die vor einigen Jahren noch als Spielleiterin für Blau-Gelb Friedberg aktiv war, die Partie – Spielabbruch! Dass dann am Abend im Ergebnisportal »fussball.de« zunächst für einige Zeit bei der Partie Blau-Gelb Friedberg – SG Dorn-Assenheim/Weckesheim II an der betreffenden Stelle 2:1 zu lesen war und nicht »Abbruch«, lag daran, dass man Schiedsrichterin Busse im Anschluss an die Partie keinen Zugang zum Computer gewährt hatte. Aus diesem Grund hatte die WZ auch in ihrer Montag- und Dienstagausgabe in der Tabelle sowie im Text über die C-Liga am Wochenende von einem regulären Spiel mit dem Ergebnis 2:1 berichtet. Nun kommen die Details ans Licht.

Die entscheidenden Szenen hat Reiner Grau, Trainer von Blau-Gelb-Friedberg, jedoch ganz anders erlebt. Er berichtete am Dienstag auf WZ-Nachfrage, dass die Schiedsrichterin Busse bekanntermaßen stets mit ihrem Vater zu Spielen komme, der regelmäßig den Linienrichter gebe. Trotz etlicher Fehlentscheidungen, so Grau, sei die Partie ruhig verlaufen. Dann kam die 86. Minute, in der der Gästespieler angeblich eine Schwalbe gemacht habe. Busse hätte dies zunächst gepfiffen und sei im Begriff gewesen, dem Übeltäter eine Gelbe Karte zu zeigen, als ihr Vater von außen lautstark Elfmeter gefordert habe. Erst dies habe zur umstrittenen Entscheidung geführt. »In dem Moment bin ich ausgeflippt«, gibt Grau zu. Er habe sein Team vom Feld geholt. »So etwas geht gar nicht. Deshalb stehe ich auch zu der Aktion und werde eine mögliche Strafe zahlen. Das Ergebnis war uns komplett egal, aber diese bekannte Praxis zwischen Vater und Tochter geht für mich als Schiedsrichter überhaupt nicht«, sagt Grau.

 

Rechtsausschuss ist nun gefordert

Laut Busse sei in der Folge zudem ihre Schiedsrichter-Quittung zerknüllt in einen Papierkorb geworfen worden – Einsatzspesen habe man der Spielleiterin ebenfalls verweigert. Busse kündigte ob des von Blau-Gelb Friedberg verursachten Spielabbruchs einen Sonderbericht an. Nun ist der Rechtsausschuss gefordert.

(Mit Recherchen von Wolfgang Bardong)

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