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Slaton trifft bei Kantersieg

Steve Slaton hat ein Tor geschossen. Klingt nicht besonders, ist es aber. Es war nicht nur sein erstes für den EC Bad Nauheim in seiner vierten Spielzeit, es war sein erstes Tor seit 1325 Tagen, es war die Geschichte des 8:3 (1:1;3:1;4:1)-Heimsieges der Roten Teufel gegen die Eispiraten Crimmitschau in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Was deutlich klingt und den Derbysieg vom Freitag bei den Löwen Frankfurt veredelte, war aber lange Zeit eine knifflige Angelegenheit.
04. November 2019, 22:00 Uhr
Erik Scharf
Auftakt zum Spektakel: Zach Hamill (r.) trifft zum 1:0 für den EC Bad Nauheim, sieben weitere Treffer der Roten Teufel gegen die Eispiraten Crimmitschau sollten folgen.	(Foto: Chuc)
Auftakt zum Spektakel: Zach Hamill (r.) trifft zum 1:0 für den EC Bad Nauheim, sieben weitere Treffer der Roten Teufel gegen die Eispiraten Crimmitschau sollten folgen. (Foto: Chuc)

Steve Slaton hat ein Tor geschossen. Klingt nicht besonders, ist es aber. Es war nicht nur sein erstes für den EC Bad Nauheim in seiner vierten Spielzeit, es war sein erstes Tor seit 1325 Tagen, es war die Geschichte des 8:3 (1:1;3:1;4:1)-Heimsieges der Roten Teufel gegen die Eispiraten Crimmitschau in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Was deutlich klingt und den Derbysieg vom Freitag bei den Löwen Frankfurt veredelte, war aber lange Zeit eine knifflige Angelegenheit.

»Es war das erwartet schwere Spiel. Ich bin zwar mit einigen Sachen nicht zufrieden, aber wir haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt geschossen. Am Ende ist der Sieg sicher etwas zu deutlich ausgefallen«, sagte EC-Trainer Christof Kreutzer. Sein Gegenüber, Daniel Naud, stimmte aus seiner Sicht überein: »Wir waren gut im Spiel, hätten auch nach dem zweiten Drittel nicht zurückliegen müssen. Im letzten Drittel sind wir zusammengebrochen. Das darf nicht passieren. Gegen Bad Nauheim musst du immer hellwach sein.«

Bis zum besagten Schlussdrittel war der Spielverlauf eine Art Dauerschleife. Der EC zog davon, verpasste es nachzulegen und lud Crimmitschau ein, im Spiel zu bleiben. Der erste gelungene Spielzug der Partie führte zur Bad Nauheimer Führung. Daniel Ketter verschaffte sich im gegnerischen Drittel technisch fein Platz, legte auf Andreas Pauli ab, der wiederum mit seinem Querpass Zach Hamill fand (15.). Die Führung hielt aber nur drei Minuten, weil die Roten Teufel die Scheibe ohne Not im eigenen Drittel herschenkten und sie dann trotz mehrerer Gelegenheiten nicht geklärt bekamen. Dominic Walsh stocherte die Scheibe zum Ausgleich über die Linie.

Im zweiten Abschnitt kam der Moment des Spiels. Zunächst brachte Kyle Gibbons sein Team im dritten Powerplay in Führung (26.), dann kam Steve Slaton, arbeitete sich durch die Zone der Westsachsen, wollte gerade wieder zurücklaufen und bekam dann den Puck, von Marvin Ratmanns Kopf abprallend, vor den Schläger - und die Fans rasteten aus. »Da mussten wir uns alle die Augen reiben«, sagte Christof Kreutzer. Zuletzt traf Slaton am 18. März 2016, damals noch im Trikot der Fishtown Pinguins aus Bremerhaven. Daran konnte sich Slaton noch gerade so erinnern, sein Sohn hielt neben ihm stolz den Puck mit der draufgeschriebenen Trikotnummer»22« in den Händen.

Zwar versuchte sich Mitch Wahl mit seinem Anschlusstreffer in Überzahl als Spielverderber (38.), doch im Gegenzug machte mit Simon Gnyp ein zweiter EC-Verteidiger dieses Spiel für sich zu einem besonderen. Der 18-Jährige schloss einen Konter über Pauli abgezockt ab und erzielte im Gegenzug sein erstes Tor im Profibereich - 4:2.

Trotzdem war der Sieg noch lange nicht in trockenen Tüchern. Erst ließ der EC eine doppelte Überzahl zu Beginn des dritten Abschnitts ungenutzt, dann durfte Austin Fyten ungestört den erneuten Anschluss erzielen (4:3/48.). Es blieb aber das letzte Zucken der Gäste. Marvin Ratmann mit einem Doppelpack (49./56), Huba Sekesi (54.), und Andrej Bires mit einem für ihn typischen Powerplay-Tor (58.) schossen den am Ende deutlichen 8:3-Sieg heraus. Obendrauf feierte Daniel Stiefenhofer nach dreiwöchiger Verletzungspause ein gelungenes Comeback und Andreas Pauli gewann seine Meinungsverschiedenheit mit Walsh kurz vor Schluss nach Punkten. Als Tabellendritter geht der EC nun in die Länderspielpause.

EC Bad Nauheim: Bick - Slaton, Gnyp, Kokkila, Card, Ketter, Sekesi, Stiefenhofer. - Fiddler, Gibbons, Strodel, Hamill, Pauli, Bires, Köhler, Kahle, Ratmann, Bindels, Cornett, El-Sayed.

Crimmitschau: Bitzer - Hudson, Thomas, Olleff, Halbauer, Schietzold, Kaisler, Kokes - Schlenker, Pohl, Demmler, Wideman, Wahl, Grygiel, Walsh, Fyten, Körner, Kuchejda, Vantuch.

Steno / Tore: 1:0 (15.) Hamill (Pauli, Ketter), 1:1 (18.) Walsh (Körner, Hudson), 2:1 (26.) Gibbons (PP/Fiddler, Hamill), 3:1 (34.) Slaton (Köhler, Ratmann), 3:2 (38.) Wahl (PP/Wideman, Hudson), 4:2 (39.) Gnyp (Pauli, Hamill), 4:3 (48.) Fyten (PP/Schietzold, Vantuch), 5:3 (49.) Ratmann (Kokkila, Kahle), 6:3 (54.) Sekesi, 7:3 (56.) Ratmann (Kahle, Köhler), 8:3 (58.) Bires (PP/Köhler, Ratmann). - Schiedsrichter: Sicirschi/Singer. - Strafminuten: Bad Nauheim 24 Min., Crimmitschau 30 Min. - Zuschauer: 1856.

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