18. Juli 2018, 07:00 Uhr

Handball

SV Rosbach: Erinnerungen an gute alte Zeiten - und schwierige Perspektiven

Der SV Rosbach hat im Handball bewegte Zeiten hinter sich. Heute spielt die erste Mannschaft in der C-Klasse – und hofft auf den Nachwuchs. Ein Besuch auf der Suche nach sportlicher Perspektive.
18. Juli 2018, 07:00 Uhr
Erinnerungen an bessere Zeiten aus dem Privatarchiv von Harald Willitsch: die Meistermannschaft von 2002/03 (Foto: privat)

Thomas Höhl, Detlef Durchdewald und Harald Willitsch schwelgen in Erinnerung. Was waren das für Zeiten bei den Handballern des SV Rosbach. Denn aktuell sieht die Perspektive für den C-Ligisten nicht besonders rosig aus: Damenmannschaft? Vor Jahren abgemeldet. Herrenteam? In der C-Klasse. Jugend? Ein kleiner Hoffnungsschimmer, denn immerhin 45 Nachwuchshandballer spielen noch. Wie konnte es bei der einst so stolzen Abteilung aus dem Herzen der Wetterau so weit kommen?

Legendär ist beim SV Rosbach der Besuch der SG Wallau/Massenheim um den späteren finnische...

»Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre war die beste Zeit. Die Halle war bei jedem Heimspiel proppenvoll, wir hatten viele Sponsoren und haben selbst Veranstaltungen organisiert, die gutes Geld gebracht haben«, sagt Harald Willitsch heute. Der 69-Jährige war seinerzeit Abteilungsleiter. Nach zehn Jahren hängte er das Amt an den Nagel. Bis dahin hatte er als Vorstandsmitglied der Rosbacher Handballabteilung viel erlebt: den Aufstieg der Männermannschaft bis in die Bezirksliga, Duelle gegen Handballgrößen wie Dutenhofen/Münchholzhausen (heute HSG Wetzlar) und Besuche vom damaligen deutschen Meister SG Wallau/Massenheim – und das alles nachdem die Abteilung erst 1974 neu gegründet worden war.

Überhaupt gilt: Egal, wer bei uns war: In Rosbach haben sich alle wohlgefühlt

Harald Willitsch

Seinerzeit veranstaltete der Verein mit dem Rosbacher Brunnen-Cup sogar eine eigene Turnierserie, zu der die Zuschauer zu Hunderten in die Halle am Eisenkrain pilgerten. Unter anderem war Handballlegende Dragoslav »Drago« Dajovic Trainer in Rosbach, brachte ein paar Spieler aus dem damaligen Jugoslawien mit. Unter ihm erlebte der Verein seine erfolgreichste Zeit und träumte sogar von der Bezirksoberliga. »Drago ist heute noch da, wenn etwas ist. Überhaupt gilt: Egal, wer bei uns war: In Rosbach haben sich alle wohlgefühlt«, erzählt Willitsch. Herzlichkeit, Geselligkeit und Zusammenhalt seien eben großgeschrieben worden, die Mannschaft habe meist größtenteils aus Einheimischen bestanden.

 

SV Rosbach: Erfolge, Rückzug und Wiederaufbau seit dem Jahr 2000

Detlef Durchdewald, selbst Rückraumspieler, Trainer verschiedenster Mannschaften und jahrelanges SV-Vorstandsmitglied erinnert sich, dass Mitte der 1990er Jahre der Abstieg begann. Statt Aufstiegen gab es Abstiege, statt Neuzugängen Abgänge und so war der Aufstieg in die Bezirksliga A 2002/03 einer der letzten großen Erfolge. Zwei Jahre später folgte der erneute Abstieg, dem neuerlichen Aufstieg 2005/06 folgte schließlich sogar der Rückzug des Herrenteams in der Saison 2006/07. Dabei war es eigentlich der Plan gewesen, um eine starke A-Jugend eine neue Mannschaft aufzubauen. Denn die gemeinsame Spielgemeinschaft mit der TG Friedberg hatte just zu der Zeit die Bezirksoberliga-Meisterschaft geholt. Doch daraus wurde nichts. »Übermäßig viele Spieler hatten wir noch nie. Damals sind aber gleich vier Spieler aus beruflichen Gründen weggegangen. Auf die Schnelle und ohne großes Geld zu haben, bekamen wir niemanden Neuen. Deshalb mussten wir die Mannschaft schließlich abmelden«, erzählt Thomas Höhl.

Die Rosbacher Mannschaft bei »ihrem« Brunnen-Cup vor einem Spiel in ausverkaufter Halle in...

Der gebürtige Vogelsberger kam Ende 1997 aus beruflichen Gründen in die Wetterau und schloss sich dem Verein an. Auch heute, im Alter von 54 Jahren, nach zahlreichen Stationen als Spieler und Trainer – auch innerhalb des Vereins – schnürt er weiterhin seine Schuhe für die Herrenmannschaft unter Spielertrainer Patrick Fritscher in der C-Klasse. »Von solchen Leuten hat der Verein immer gelebt. Sie sind einmal gekommen und nicht mehr gegangen. Thomas war und ist eine Bereicherung für uns«, sagt Willitsch.


SV Rosbach: Erste Mannschaft mit Spielern zwischen 22 und 58 Jahren

Höhl erlebte auch, wie 2011/12 ein neuer Versuch gestartet wurde. Auch wenn es weder Frauen- noch Jugendteams gab, gingen die Herren wieder an den Start, stiegen in der ersten Saison gleich in die C-Klasse auf – und spielen dort bis heute. Immerhin: Zumindest bei den Jüngsten sieht es inzwischen im Rosbacher Handball wieder etwas besser aus: Bei den Minis sowie bei den E- und D-Junioren werden in der kommenden Saison Mannschaften gestellt, insgesamt 45 Kinder spielen für den SVR. »Mittlerweile ist die Bude in diesen Altersklassen wieder voll. Das ist vor allem Heidi Jarasch zu verdanken«, sagt Willitsch, der – auch wenn schon lange nicht mehr im Tagesgeschäft aktiv – weiterhin das Geschehen »seines« Vereins verfolgt.

Heute sind wir ein Sammelbecken von Spielern, die aus dem Spaß heraus noch oder wieder spielen wollen

Thomas Höhl

»Heute sind wir ein Sammelbecken von Spielern, die aus dem Spaß heraus noch oder wieder spielen wollen«, erzählt Höhl derweil über sein Team. Die Zukunftsaussichten sind angesichts des Altersspanne zwischen 22 und 58 Jahren allerdings nicht besonders rosig, denn der Zulauf ist eher mau. »Wir sagen immer, dass wir so lange spielen müssen, bis die Jungen oben ankommen, aber eigentlich schauen wir nur, dass es irgendwie weitergeht«, sagt Höhl. »Das Problem ist aber, wer in der Jugend etwas erreichen will, der bleibt sowieso nicht in Rosbach.«


SV Rosbach: Der Kampf ums sportliche Überleben

Eine Damenmannschaft gibt es übrigens bis heute nicht mehr, dabei war auch die zeitweise in der Bezirksliga A beheimatet. Zudem sind weiterhin die oberen Jugendklassen nicht besetzt, die Trainingsbeteiligung bei den Herren ist vor der neuen Saison ausbaufähig Immerhin: Einige Sponsoren sorgen dafür, dass es stets aktuelle Trikots gibt und der Spielbetrieb gesichert ist. Die »Alten« treffen sich derweil beim Kartenspielen oder alle paar Jahre bei einer größeren Veranstaltung für alte Weggefährten – und schwelgen in Erinnerungen. Währenddessen geht es bei den Aktiven des SV Rosbach um das Überleben des Amateursports.

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