10. Juni 2017, 10:00 Uhr

Selbstbewusst

Ruwen Filus setzt sich große Ziele

Ruwen Filus zählt schon lange zu den besten deutschen Tischtennis-Spielern. Nun ist der Florstädter sogar in die Weltspitze vorgestoßen. Doch das reicht ihm noch nicht.
10. Juni 2017, 10:00 Uhr
Auf einer Erfolgswelle: Ruwen Filus steht nach seinem Achtelfinaleinzug bei der Weltmeisterschaft in Düsseldorf erstmals unter den Top 25 der Welt. (Foto: dpa)

Viel hatte Ruwen Filus nicht gefehlt, um im WM-Achtelfinale gegen den Weltranglisten-Zweiten, den Chinesen Fan Zhendong, auf die Siegerstraße zu kommen. Der Spieler des Bundesligisten TTC Fulda-Maberzell gewann den ersten Satz, beinahe sogar den zweiten, ehe der spielstarke Chinese groß auftrumpfte. Unter dem Strich stand ein Achtelfinal-Aus, über das sich Filus hinterher nicht grämte. Denn er spielte stark und weiß freilich, dass manch einer seiner WM-Gegner unter ganz anderen Bedingungen ihren Sport ausüben. »Ich komme pro Woche auf fünf bis sieben Einheiten, mein Achtelfinalgegner trainiert bestimmt zehn mal Woche oder noch häufiger«, sagt Filus. Weil er in der Wetterau keine Trainingsgruppe vor Ort hat, fährt er nach Düsseldorf oder Fulda, um sich adäquat auf Wettkämpfe vorbereiten zu können. An manchen Tagen muss der Profi, der nebenbei ein Fernstudium in Maschinenbau absolviert, komplett auf Training verzichten. Denn der 29-Jährige ist auch familiär stark eingespannt, da er eine schwerbehinderte Tochter hat. Trotzdem ist Ruwen Filus zuversichtlich, dass er es im Tischtennis noch weit bringen kann.

Herr Filus, Sie haben während Ihrer Karriere schon einige Erfolge gefeiert, wurden unter anderem Deutscher Meister im Doppel. Nun glückte Ihnen bei der Weltmeisterschaft in Düsseldorf der Einzug ins Achtelfinale. Wie ordnen Sie diesen Erfolg ein?

Ruwen Filus: Das ist mit einem Vierteleinzug bei einer Europameisterschaft gleichzusetzen, was mir bislang zwei mal gelungen ist. Denn bei einer Weltmeisterschaft ist die Leistungsdichte noch größer, weil etwa die vielen unglaublich starken chinesischen Spieler dabei sind. Überbewerten sollte man meinen Achtelfinaleinzug aber nicht, denn ich hatte Glück bei der Auslosung. Wenn ich könnte, würde ich den Achtelfinaleinzug sehr gerne gegen einen Deutschen Meistertitel im Einzel tauschen. Dieser Titel bedeutet mir unheimlich viel. Im Jahr 2015 und in diesem Jahr musste ich mich Timo Boll geschlagen geben, aber im nächsten Jahr will ich endlich den Titel holen.

Durch den Achtelfinaleinzug sind Sie erstmals unter die Top 25 der Welt vorgerückt. Was bedeutet Ihnen das?

Filus: Das ist für mich ein Meilenstein, weil ich in die absolute Weltspitze vorgestoßen bin. Damit soll aber nicht Schluss sein. Die Top 20 ist mein nächstes Ziel, das ich vielleicht schon im August erreichen kann, wenn ich bei den nun anstehenden Turnieren gut abschneide. Denn so viele Punkte fehlen mir nicht für den Sprung in die Top 20. Die Top 10 ist zwar noch nicht in Reichweite, aber ich traue mir diesen Sprung mittelfristig durchaus zu. Denn ich habe bei der Weltmeisterschaft wieder gezeigt, dass ich mit den besten Spielern der Welt mithalten kann, was mich sehr stolz macht. Ich hatte lange darauf hingearbeitet zu den besten 50 Tischtennisspielern der Welt zu zählen. Seit rund zwei Jahren gehöre ich dazu, aber meine Entwicklung ist noch nicht zu Ende.

Welche Erwartungen hatten Sie vor der Weltmeisterschaft?

Filus: Mein Ziel war das Achtelfinale, da ich in der Runde der letzten 32 gesetzt war. Ich war mir im Klaren darüber, dass der Sprung ins Viertelfinale unheimlich schwer werden würde. Allerdings fehlte nicht so viel, da ich mich im Turnierverlauf steigern konnte. Die ersten beiden Spiele habe ich vor allem aufgrund meiner mentalen Stärke gewonnen. Ab dem dritten Spiel war ich auch spielerisch voll da und habe mein bestes Tischtennis gezeigt.

In der Bundesliga spielen Sie für den TTC Fulda-Maberzell selten vor 1000 Zuschauern. Ihr Achtelfinalspiel gegen den Weltranglisten-Zweiten Fan Zhendong aus China sahen 8000 Fans. Wie nervös waren Sie?

Filus: Ich war nicht besonders nervös, da ich immer froh bin, wenn ich vor vielen Zuschauern spielen darf. Es pusht mich unheimlich, wenn die Stimmung in der Halle gut ist. Die Fans haben jeden meiner Bälle gefeiert, nach dem Spiel gab es sogar Standing Ovations. Das war unglaublich.

Sie hielten überraschend gut mit, hätten sogar mit 2:0 in Führung gehen können. Überwiegt nach solch einem Spiel die Enttäuschung oder der Stolz über die gezeigte Leistung?

Filus: Mein Ärger war sehr schnell verflogen, obwohl das Spiel natürlich anders hätte verlaufen können. Wenn ich nach drei Sätzen mit 3:1 geführt hätte, dann hätte ich Druck aufbauen und vielleicht gewinnen können. Nach hinten raus hatte ich aber keine Siegchance. Zhendong war einfach fitter und technisch besser. Er hat verdient gewonnen, aber ich habe mich sehr teuer verkauft. Um einen Chinesen schlagen zu können, muss alles passen. Alle anderen Spieler kann ich schlagen, wenn ich mein Leistungsvermögen abrufe.

Wie haben Sie die öffentliche Wahrnehmung während der Weltmeisterschaft erlebt?

Filus: Wenn ich in der Halle war, dann gab es hier und da mal Wünsche nach Autogrammen oder Bildern. Nach den Spielen kamen eine handvoll Reporter von Tageszeitungen und vom Fernsehen zu mir. Wenn ich die Halle verlassen hatte, wurde ich aber von niemandem erkannt. Die deutschen Aushängeschilder sind eben Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov. Ich habe zumindest die ein oder andere SMS von Freunden und Bekannten bekommen (schmunzelt).

Ist es ein Vor- oder Nachteil im Schatten von Boll und Ovtcharov zu agieren?

Filus: Ich sehe das definitiv als Vorteil und bin froh, dass ich derzeit »nur« die Nummer drei in Deutschland bin. In dieser Position kann ich zeigen, dass ich zu Recht in der nationalen Spitze bin, verspüre aber nicht den ganz großen Druck. Denn den Trubel müssen Boll und Ovtcharov aushalten. Irgendwann würde ich aber gerne mal das Aushängeschild im deutschen Tischtennis sein. Allerdings wird mir das sicher nicht in der Weise gelingen, wie es Timo Boll gelungen ist. Er ist ein Ausnahmetalent, war sehr früh sehr gut und ist schon sehr lange dabei. Ich bin zu alt, um annähernd ähnliche Erfolge feiern zu können. Am Samstag will ich ihn aber schlagen, wenn ich in Frankfurt im Bundesliga-Finale mit Fulda auf Düsseldorf treffe.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Der Spieler
  • Dimitrij Ovtcharov
  • Maschinenbau
  • Nervosität
  • Timo Boll
  • Tischtennis
  • Tischtennisspieler
  • Ziele
  • Daniel Seehuber
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.