20. November 2018, 16:00 Uhr

Mädchenfußball

Rüdiger Köhler: Gründer, Koordinator und Trainer bei der MSG Bad Vilbel

In den »Club der 100« des DFB kommt nur ein erlesener Kreis der Ehrenamtssieger. Rüdiger Köhler hat es geschafft. Mit einigen anderen hat er die MSG Bad Vilbel groß gemacht.
20. November 2018, 16:00 Uhr
Allen Grund zur Freude hat Rüdiger Köhler. Der engagierte Gründer der MSG Bad Vilbel gehört für ein Jahr zum »Club 100« des DFB. (Foto: Nici Merz)

Rüdiger Köhler feiert am Donnerstag 50. Geburtstag. Grund zum Feiern hatte der engagierte Gründer, Koordinator und Trainer der MSG Bad Vilbel aber schon am 17. Oktober, als ihn die Ehrenamtsjury des HFV als Ehrenamtssieger des Kreises Friedberg auszeichnete und in den »Club 100« des DFB berief. Köhler, der vor seinem Engagement bei der MSG Bad Vilbel Junioren-Mannschaften des FV Bad Vilbel und des SC Dortelweil trainierte, wurde diese Auszeichnung zu Teil, nachdem ihn Spielerinnen und Eltern der MSG »hinter seinem Rücken« für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen hatten. Die Story der MSG Bad Vilbel – bestehend aus den Vereinen SC Dortelweil, SSV Heilsberg, FC Hessen Massenheim und SV Gronau – ist seit der Gründung 2011 eine Erfolgsgeschichte. Aus sieben Spielerinnen bei der Gründung sind mittlerweile sieben Mannschaften mit über 120 Spielerinnen geworden – vor allem dank des aufopferungsvollen Engagements von Köhler, der hauptberuflich bei der Stadt Bad Vilbel angestellt ist.

Herr Köhler, was bedeutet Ihnen persönlich die Auszeichnung als Ehrenamtssieger des Kreises Friedberg und die Aufnahme in den »Club 100« des DFB?

Rüdiger Köhler: Die Auszeichnung bedeutet mir sehr viel, da ich in den ganzen Jahren sehr viel Zeit und Herzblut in meine Aufgabe bei der MSG Bad Vilbel investiert habe. Ich sehe die Auszeichnung vor allem als Anerkennung der Spielerinnen und Eltern der MSG Bad Vilbel an. Ich freue mich sehr, dass mein Engagement innerhalb des Vereins so positiv wahrgenommen wird.

Spielerinnen und Eltern der MSG schätzen, dass Sie täglich am Sportplatz anzutreffen sind. Welchen zeitlichen und inhaltlichen Rahmen nimmt Ihr Engagement für den Mädchen- und Frauenfußball ein?

Köhler: Als Koordinator der sieben MSG-Teams bin ich für alle Trainer, Betreuer, Spielerinnen und Eltern ansprechbar. Vor allem bei auftretenden Problemen bin ich oft erster Ansprechpartner. Der zeitliche Rahmen umfasst – inkl. meiner Tätigkeit als Co-Trainer der U17-Juniorinnen in der Hessenliga – 20 bis 25 Stunden pro Woche.

2011 wurde die MSG gegründet. Wie ist es damals dazu gekommen und wie ist die Entwicklung des Vereins vorangeschritten?

Köhler: Ich war damals Trainer der D-Junioren des SC Dortelweil, wobei vier Mädchen, unter anderem meine älteste Tochter, in dieser Mannschaft aktiv waren. Beim FC Hessen Massenheim waren im selben Jahrgang ebenfalls drei Mädchen aktiv, so dass wir uns damals dazu entschlossen hatten, mit der MSG Bad Vilbel ein ganz neues Projekt anzustoßen. Wir haben im Sommer mit diesen sieben Spielerinnen locker trainiert und haben zunächst »außer Konkurrenz« am Spielbetrieb teilgenommen. Es wurden stetig mehr Spielerinnen, so dass wir bereits im November mit 25 Mädchen zwei U12-Mannschaften ins Rennen schicken konnten.

Wie kam es in den darauffolgenden Jahren zu der beachtlichen Entwicklung der MSG Bad Vilbel, sowohl von der Anzahl der Spielerinnen als auch von der Qualität des Teams her?

Köhler: Wir haben innerhalb der MSG Bad Vilbel kontinuierlich sehr gute Arbeit geleistet, die auch von außen wahrgenommen wurde, so dass wir immer mehr Spielerinnen für uns gewinnen konnten, die auch die entsprechenden sportlichen Qualitäten mitbrachten. Die Entwicklung des Vereins wurde durch mehrere Personen neben mir vorangetrieben. Ich möchte an dieser Stelle vor allem meine Frau Nicole Steppan und unseren jetzigen Trainer der Damen, Martin Schönig, erwähnen, die mich immer zu 100 Prozent unterstützt haben.

Sie waren vorher Trainer im Juniorenbereich. Was sind die größten Unterschiede für Sie als Trainer zwischen Mädchen und Jungs?

Köhler: Horst Hrubesch, bis zuletzt Interimstrainer der Damen-Nationalmannschaft, hat es neulich in einem Interview treffend beschrieben. Die Kameradschaft ist bei den Mädchen bzw. Frauen größer als bei den Jungs. Im Mädchenbereich ist der Fußball noch viel ehrlicher und weniger theatralisch.

Im Mädchenbereich ist der Fußball noch viel ehrlicher und weniger theatralisch

Rüdiger Köhler

Sie sind jetzt über sieben Jahre im Mädchen- und Damenfußball tätig. Wie sehen Sie die Entwicklung im Mädchenfußball allgemein bzw. im Speziellen in der Wetterau? Welche Rolle wollen Sie mit der MSG Bad Vilbel zukünftig einnehmen?

Köhler: Wir wollen unsere momentan führende Rolle im Mädchen- und Damenfußball in der Wetterau behaupten und ausbauen. Wir haben der Spvgg. 08 Bad Nauheim mittlerweile den Rang abgelaufen. Wir wollen den Mädchen mit der MSG Bad Vilbel weiter eine gute Plattform bieten, um sich sportlich und persönlich weiterentwickeln zu können.

Zu dieser sportlichen Weiterentwicklung zählt auch der Übergang von den Juniorinnen zu den Damen. Seit 2016 gibt es beim SC Dortelweil eine Damen-Mannschaft. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung in diesem Bereich?

Köhler: Unsere Damenabteilung ist seit über zwei Jahren ebenfalls eine wahre Erfolgsgeschichte. Nach zwei Aufstiegen sind wir momentan mit der ersten Damen-Mannschaft Tabellenführer in der Gruppenliga und peilen den Aufstieg in die Verbandsliga an. Die zweite Mannschaft soll künftig in der Kreisoberliga spielen. Wenn wir diese Ziele erreichen, können wir unseren talentierten Mädchen aus der U17-Hessenliga einen nahtlosen Übergang in den ambitionierten Damenbereich bieten.

Wollen Sie zukünftig mit der MSG Bad Vilbel im Rhein-Main-Gebiet die zweite Rolle hinter dem 1. FFC Frankfurt einnehmen?

Köhler: Im Mädchenbereich ist es unser Ziel, uns als dritte Kraft hinter dem 1. FFC Frankfurt und der Frankfurter Eintracht zu etablieren. Eine mögliche Fusion dieser beiden Vereine sehen wir als positiv für uns an. Wir wollen als »Dorfverein«, der von diesen beiden Vereinen immer noch ein bisschen belächelt wird, weiterhin eine sportlich gute Rolle spielen. Sollten unsere U17-Juniorinnen diese Saison den Aufstieg in die Bundesliga realisieren können, wollen wir dieses Abenteuer nächste Saison gerne angehen. Wir sind besonders stolz darauf, mit Sophie Trepohl und Leonie Springer, die mittlerweile für den 1. FFC Frankfurt spielen, zwei Nationalspielerinnen im Juniorinnenbereich ausgebildet zu haben. Im Damenbereich wird es etwas schwieriger. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es viele gute Damen-Mannschaften, so dass die Konkurrenz dort viel größer ist. Unsere Zielsetzung ist dort zunächst einmal der Aufstieg in die Verbandsliga.

Info

Stichwort: DFB-Ehrenamtspreis

Seit 1997 verleiht der DFB in Zusammenarbeit mit seinen Landesverbänden jährlich den »DFB-Ehrenamtspreis«. Jeder Verein hat die Möglichkeit, hochengagierte Vereinsmitarbeiter für die Auszeichnung vorzuschlagen. Die Ehrenamtsbeauftragten der Kreise und Bezirke wählen anschließend mit viel Fingerspitzengefühl 272 Preisträger – einen aus jedem Fußballkreis – aus. Die Kreissieger werden, stellvertretend für viele weitere Vereinsmitarbeiter, für ihre ehrenamtlichen Leistungen ausgezeichnet. Das Dankeschön-Wochenende des Hessischen Fußball-Verbandes findet 2019 am 11./12. Mai in der Sportschule Grünberg statt. Am 11. Mai steht zunächst der Besuch des letzten Heimspiels der Saison von Eintracht Frankfurt gegen den 1. FSV Mainz 05 in der Commerzbank-Arena auf dem Programm, danach geht es nach Grünberg, wo weitere Programmpunkte folgen. In diesem Rahmen erhalten die Kreissieger auch ihre »DFB-Ehrenamts-Urkunden«. Aus bundesweit allen Kreisehrenamtssiegern werden zusätzlich die 100 engagiertesten Ehrenamtlichen ausgewählt und für ein Jahr in den »Club 100« des DFB aufgenommen. Diese erwartet neben der Einladung zur offiziellen Ehrungsveranstaltung der Besuch eines Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft. (mad)

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