05. Mai 2017, 07:00 Uhr

Eklat im Handballbezirk

Protokoll verändert

Die zurückgetretenen Handball-Schiedsrichteransetzer aus Mittelhessen erheben Vorwürfe gegen den heimischen Schiedsrichterwart. Und der Betroffene selbst? Schweigt.
05. Mai 2017, 07:00 Uhr
Bei den Schiedsrichtern im Bezirk gibt es einen großen Eklat. (Symbolbild: Archiv)

Ein offener Brief der zurückgetretenen Schiedsrichteransetzer. Eine Stellungnahme des Bezirksvorsitzenden.Dennoch wird nicht klar,welche Verfehlungen konkret sich der Schiedsrichterwart zuschulden kommen habenlassen soll, die zum sofortigen Rücktritt acht seiner Mitarbeiter im Handballbezirk Gießen geführt haben.

Die Dimension ist immens, wenn aus dem Arbeitskreis Schiedsrichter im Handballbezirk Gießen gleichzeitig – wie berichtet – acht Amtsinhaber zurücktreten. Immerhin dehnt sich die Organisation des regionalen Spieltriebs von Biedenkopf bis Friedberg und von Stadtallendorf bis Weilburg aus. Betroffen sind dadurch Dutzende an Vereinen, Hunderte von Mannschaften, Tausende an Aktiven und Jugendlichen. Weshalb es in der Führungsebene des Bezirks durch den Rücktritt von zugleich sieben Schiedsrichteransetzern und einer Schriftführerin zu einem Eklat sondergleichen gekommen ist, darüber können aber weder der offene Brief der Betroffenen noch die Stellungnahme des Bezirksvorsitzenden Kai Gerhardt (Mengerskirchen) restlos Aufschluss geben. Man kann nur Vermutungen anstellen.

Im Bemühen um nach außen hin möglichst diplomatische Formulierungen verlieren sich beide Parteien – trotz verhärterer Fronten – in wenig detaillierte Aussagen. Somit bleibt auch nach den Stellungnahmen viel Raum und Nährboden für Spekulationen von Petterweil bis Ewersbach. Fakt ist, dass Bezirksschiedsrichterwart Harald Späth (Linden) für die Restrunde bis Ende Juni bezüglich eines reibungslosen Ablaufes des Spielbetriebes vor einer Mammutaufgabe steht. Denn ein Zurück gibt es nicht mehr, die Kontaktdaten, Adressen und Fotos der zurückgetretenen Funktionsträger sind bereits auf der Homepage des Bezirks gelöscht.

»Im Verlauf der letzten Wochen wurden seitens Harald Späth mehrere, nicht mit dem AK-SR abgesprochene Entscheidungen getroffen. U. a. wurde von ihm das Sitzungsprotokoll unserer AK-Sitzung vom 29.03.2017 inhaltlich so verändert, dass es deutlich zum Nachteil einzelner AK-Mitglieder war«, heißt es im Offenen Brief, der der Redaktion vorliegt und den wir im Internet auf www.giessener-allgemeine.de im kompletten Wortlaut veröffentlicht haben.

Weiter heißt es: »Der Bitte, dieses Protokoll zu verändern und Richtigstellungen zu veranlassen, ist er (Anm.: Späth) nur teilweise nachgekommen, hat wesentliche Teile weiterhin unkorrekt dargestellt und auf unsere nochmalige Bitte zur Richtigstellung auf den Inhalt ›seines Protokolls‹ beharrt. Zusätzlich stellte er hiernach unsere Protokollführerin von ihrem Amt frei, was wir als Amtsanmaßung ansehen, weil er dazu nicht berechtigt ist.« Welchen Grad und welche Ausmaße die Veränderungen hatten, wird allerdings nicht näher erläutert.

Ihre Schlussfolgerung legen die ausgeschiedenen Ansetzer wie folgt dar: »Dem Bezirksspielausschuss haben wir mitgeteilt, dass unsererseits eine Zusammenarbeit mit Harald Späth aufgrund vorgenannter Verfehlungen dauerhaft ausgeschlossen ist und dass wir aufgrund der vorgenannten Tatsachen seinen Rücktritt erwarten. Hiernach haben wir auch weitere Gesprächsbereitschaft und eine Rückkehr in unsere bisherigen Positionen angeboten. Der Bezirksspielausschuss wurde von unseren Rücktritten also keinesfalls überrascht. In diversen Telefonaten wurde sowohl dem stv. Schiedsrichterwart Tobias Lambmann als auch dem Bezirksvorsitzenden Kai Gerhardt mehrmals mitgeteilt, dass die Rücktritte bevorstehen.

Man hat nichts unternommen und unseren Worten keinen Glauben geschenkt. Da angeblich der komplette Bezirksspielausschuss weiterhin in vollem Umfang hinter ihm steht, sieht Harald Späth aber keinerlei Gründe, von seinem Amt zurückzutreten.« Weshalb am 23. April Rainer David, Sabrina Gerullis, Thorsten Große, Egbert Klaassen, Franziska Schneider, Guido Schremmer, Karl Schuller und Jürgen Strasheim ihrerseits geschlossen ihre Ämter niederlegten.

Auch Bezirkswart Kai Gerhardt äußerte sich zu dem in der Historie einmaligen Vorgang: »Der Entschluss, die Protokollführerin freizustellen, war sicherlich nicht richtig. Aber das wurde Harald auch entsprechend mitgeteilt – hier liegt die ›Personalvollmacht bei berufenen Mitarbeiter‹ beim Bezirksspielausschuss – er weiß, dass er diesen Fehler gemacht hat. Er hat sie auch nicht ›rausgeschmissen‹, sondern bis zur nächsten Sitzung des Bezirksspielausschusses freigestellt, daher kann nicht von Amtsanmaßung gesprochen werden.

Hinsichtlich des Protokolls bleibt zu sagen, dass der Protokollentwurf – wie nach jeder AK-Sitzung – allen Mitgliedern des AK-SR zur Durchsicht und Korrektur zugemailt wurde. Wie üblich wurden entsprechende Anmerkungen/Änderungen in das Protokoll eingearbeitet, das geänderte Protokoll danach verteilt. Dass hier im Nachgang der Verteilung des Protokolls noch Anmerkungen/Einwände eingingen, wurde zur Kenntnis genommen und wird entsprechend auf der kommenden AK-Sitzung in das neue Protokoll zur Klarstellung aufgenommen. Fakt ist aber, dass Harald Späth nie Vereine des Bezirkes oder den Bezirk Gießen/den Hessischen Handball-Verband, durch Entscheidungen geschädigt hat. Daher hat er vom Spielausschuss auch die volle Rückendeckung.«

Über die zeitlichen Abläufe, die fehlende Gesprächsbereitschaft und die Androhung der Rücktritte für den Fall, dass Späth seine Amt nicht niederlege, gehen die Meinungen der Parteien auseinander. Zwischen dem 11. April, als Bezirkswart Gerhardt nach eigener Aussage erstmals von den Dissonanzen erfahren haben will, und den Rücktritten am 23. April lagen nur zwölf Tage, dazwischen befand sich Gerhardt bis zum 18. April sogar in Urlaub. Von Konsensbereitschaft kann man bei diesem engen Zeitfenster wohl eher nicht sprechen.

Allerdings brachte auch die schriftliche Erklärung des Bezirkswartes kein Licht ins Dunkel, was die Schwere der Vergehen betrifft, die dem Schiedsrichterwart vorgeworfen werden. Der Betroffene selbst, Harald Späth, war im Laufe des Donnerstags zu keiner Stellungnahme zu erweichen.

Aber ist es vorstellbar, dass ein Achter-Gremium entschieden und geschlossen von einem auf den anderen Tag zurücktritt? Schwer! Hinter vorgehaltener Hand ist von Querelen zwischen Späth und seinen Arbeitskreis-Mitarbeitern die Rede, die bereits seit einem Jahr andauern und von denen der Bezirksvorsitzende sehr wohl Kenntnis gehabt haben soll. Späth werden aus dem Kreis der Zurückgetretenen immer wieder Alleingänge vorgeworfen, sodass das abgeänderte Protokoll der AK-Sitzung vom 29. März nur noch das Fass zum Überlaufen gebracht haben soll.

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