06. April 2017, 15:09 Uhr

Derby-Zoff

Porno-Eklat mit Nachspiel

Ein Sex-Video hat den Sport im Playoff-Halbfinale der Deutschen-Eishockey-Liga 2 in den Hintergrund gedrängt und sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Im Zentrum: Ein Ex-Publikumsliebling des EC Bad Nauheim.
06. April 2017, 15:09 Uhr
Verhängnisvoller Zusammenhang: Huskies-Torwart Markus Keller vor der Werbefläche des Erotik-Unternehmens in der Eissporthalle Frankfurt. (Foto: Storch)

»Unser Partner Orion präsentiert den Torwart der Huskies: Markus Keller.« Ein Satz mit Sprengkraft. Der Sport, das Playoff-Halbfinale zwischen Frankfurt und Kassel, ist nach dieser Anmoderation vor Spiel drei am Dienstagabend in den Hintergrund gerückt. Stattdessen bestimmt derzeit der »Porno-Eklat« der Deutschen Eishockey-Liga 2 bundesweit die Schlagzeilen. Im Fokus: Markus Keller, der Torwart der Nordhessen. Der 27-Jährige war zwischen 2010 und 2012 ein Publikumsliebling beim EC Bad Nauheim.

Die Vorgeschichte: Seit Monaten wird in der Szene getratscht, getuschelt, geschmunzelt. Eindeutige Videoclips und schlüpfrige Screenshots, im Internet längst gelöscht, machen in internen Kreisen die Runde. Zu sehen: Markus Keller und seine Freundin beim Sex. Wie die Aufnahmen einst ins Netz gelangt sind, ist nicht bekannt. Beim letzten Gastspiel der Huskies in Bad Nauheim war in der Kurve ein Spruchband mit Kellers Internet-Nickname und dem Zusatz »Geile Aufnahmen« zu lesen.

Das Vorspiel am Dienstag: Rüdiger Storch, der Stadionsprecher der Löwen, wählt seine Worte (»Unser Partner Orion präsentiert den Torwart der Huskies: Markus Keller«) bewusst. Den eigenen Torwart, der bis dato den Unterschied in der Serie ausgemacht hatte, preist er derweil mit dem Werbeslogan eines südhessischen Beton-Unternehmens an. Storch will sticheln, piesacken, provozieren. Dass das Erotik-Unternehmen tatsächlich Werbepartner der Löwen ist und eine Nennung im Laufe der Partie vertraglich vereinbart ist, passt ins pikante Bild. Bereits zwei Tage zuvor hatten die Löwen-Fans in Kassel Torwart Keller mit eindeutigen Sprechgesängen tituliert.

Die Drittelpause: Eine halbe Stunde ist nach der Anmoderation etwa vergangen. Rico Rossi, Trainer der Huskies, stapft stinksauer über das Eis, um Storch am Regietisch wort- und gestenreich seine Meinung kundzutun. Erst Rich Chernomaz, der Sportdirektor der Löwen, und auf dem Weg in die Kabine zufällig in der Nähe, kann Rossi beruhigen. Und spätestens jetzt fragt sich der Otto-Normal-Zuschauer, was den Huskies-Coach eigentlich derart wütend gemacht hatte.

Die Pressekonferenz: »Das ist eine Schande für die Liga und für die Löwen. Peinlich, unsportlich und unmenschlich. Und es hat nichts mit dem Sport zu tun«, echauffierte sich Rico Rossi, Trainer der Huskies, und forderte zugleich Konsequenzen. Paul Gardner, der Löwen-Trainer, entschuldigte sich in aller Form bei seinem Kollegen.

Das Nachspiel: Rüdiger Storch ist von der DEL 2 mittlerweile für fünf Meisterschaftsheimspiele der Löwen Frankfurt gesperrt worden. Davon sind allerdings vier Partien zur Bewährung bis Ende 2017 ausgesetzt. Beide Klubs hatten Zusatzmeldungen verfasst, woraufhin die DEL2 Ermittlungsverfahren eingeleitet hatte. Gegen Storch wegen dessen Äußerungen und gegen Rossi wegen Beschimpfung von Offiziellen. »Rüdiger Storch hat die Grenzen des guten Geschmacks und des Fair Plays im Sport deutlich überschritten und eine Privatsache bewusst und mit voller Absicht zur öffentlichen Angelegenheit gemacht. Die Aussage ist eine Provokation, die in ihrer medialen Ausbreitung ein schlechtes Licht auf die Kassel Huskies, viel mehr aber noch auf die DEL2 wirft und an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist«, heißt es in einer Pressemitteilung der Huskies. Stefan Krämer, Geschäftsführer der Löwen, verteidigte Storch in einer Boulevard-Zeitung: »Unser Stadionsprecher hat nur den Namen eines Sponsors genannt. Das ist seine Aufgabe. Wenn man als Profisportler Pornos dreht und ins Netz stellt, ist das dumm und naiv.« Keller selbst will juristisch gegen den Stadionsprecher vorgehen. »Herr Storch hat eine Linie überschritten, was er sich als Offizieller nicht erlauben kann. Das war selbst den Frankfurter Spielern und dem Trainer unangenehm. Sie haben sich persönlich bei mir entschuldigt. Ich werde rechtliche Schritte gegen Storch einleiten«, wird Keller in der HNA zitiert.

Der Profiteur: Löwen-Partner Orion freut sich über bundesweit kostenfreie Aufmerksamkeit. »Lieber Herr Keller, lieber Herr Storch - die Sexbranche dankt« twitterte das Erotik-Unternehmen am Mittwoch.

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