29. Juli 2020, 07:00 Uhr

Polo

Polo-Club Hessen zieht nach Nieder-Wöllstadt - und will am Image des Sportes arbeiten

Polo gilt als Sport der Reichen und Schönen. Das muss nicht sein, findet der Polo-Club Hessen, der in Nieder- Wöllstadt ein neues Zuhause gefunden hat - und lässt dafür einiges einfallen.
29. Juli 2020, 07:00 Uhr
Mit vollem Tempo dem Ball hinterher: Der Polo-Sport ist rasant, doch bei allen Regeln steht der Schutz der Tiere an oberster Stelle, weshalb Verletzungen eher selten sind. (Foto: Keßler)

Zugegeben, zentral liegt die neue Heimat des Polo-Club Hessen nicht - muss sie aber auch nicht, denn wer Polo spielen will, braucht vor allem viel Platz. Den haben die Freunde des Spiels mit Ball, Schläger und Pferd nun in der Wetterau gefunden - neben dem Lindenhof in Nieder-Wöllstadt. Darüber könnte der Vorsitzende des 2008 gegründeten Vereins, Oliver Kreiter, kaum glücklicher sein, hatte der rund 20 Mitglieder große Klub nach dem Aus am bisherigen Standort - einem Hof in Frankfurt-Nied - doch lange ein neues Zuhause gesucht.

Polo-Begeisterung kommt bei einem Sylt-Urlaub

Der Grund liegt auf der Hand: Für den Polo-Sport braucht es mehrere Pferde - und die müssen irgendwo untergestellt werden. Außerdem ist das normale Spielfeld mit 200 mal 300 Yards (etwa 183 mal 274 Meter) alles andere als klein. Ganz so groß ist die 125 mal 35 Meter große Wiese am Rande Nieder-Wöllstadts zwar nicht, für Kreiter und seine Mitstreiter ist es dennoch ideal, denn gespielt wird mangels Masse ohnehin meist zwei gegen zwei oder drei gegen drei. »Mehr Platz geht eben in der Nähe von Frankfurt nicht und so kommt wenigstens ein Spiel zustande«, sagt der Klub-Chef. »Wir sind froh, diesen Ort gefunden zu haben. Für unsere Größe ist das mehr als okay.«

Seit einem Sylt-Urlaub sind er, seine Frau Anke und die beiden Töchter Paulina und Annabell Polo-Fans. Mit ihrer Philosophie, den Polo-Sport auch für die breite Masse zugänglich zu machen, ecken die Kreiters allerdings in der Szene auch schon mal an. »Wir versuchen, jedem den Polo-Sport zugänglich zu machen und das Ganze eher familiär anstatt elitär aufzuziehen. Wir wollen einfach versuchen, den Sport zu fördern«, erklärt Oliver Kreiter. Deshalb sei ihm jeder willkommen - Grundvoraussetzung sind lediglich gute Reitfähigkeiten.

Polo-Regeln sind auf Schutz des Pferdes ausgelegt

Überhaupt steht das Pferd im Zentrum dieses in Deutschland wenig populären Sportes (siehe Kasten), ist das Tier doch das menschliche Pendant, ohne das es nicht geht. Gespielt wird meist auf Tieren der Rasse Criollo, ursprünglich aus Südamerika. Die Tiere sind nicht allzu groß, verfügen über einen kurzen Hals, eine kompakte Statur und haben als ausgeprägtes Herdentier nur wenig Angst vor anderen. Das ist die Voraussetzung und mit bis zu acht Spielern dem kleinen, harten Kunststoffball hinterherzujagen.

Wie auch die Spieler mit Stiefeln, Handschuhen, Knie- und teilweise Ellbogenschützern und Schutzwesten sowie einem Helm samt Gesichtsschutz ausgestattet sind, sind auch die Tiere besonders geschützt: Bandagen an allen vier Beinen sind Vorschrift, zusätzlich gibt es eine Art Schutzbrille für die Augen. Auch die Regeln sind komplex - und eher mit Blick auf das Pferd denn auf den Reiter ausgelegt. »Polo ist der einzige Sport, bei dem gepfiffen wird, wenn ein Foul entsteht - und nicht erst, wenn es passiert«, erklärt Kreiter. »Die gesamten Regeln sind auf den Schutz der Tiere ausgelegt. Passiert ihnen was, wird sofort unterbrochen, wohingegen bei einem Sturz eines Reiters theoretisch weitergespielt werden kann.«

Ziel: Polo-Sport in der Region neu beleben

Damit die Pferde nicht überstrapaziert werden, müssen sie nach jedem gespielten Spielabschnitt - dem siebenminütigem sogenannten Chucka - ausgetauscht werden. Angesichts der geringen Zahl der Polo-Spieler in Deutschland (etwa 350) bedeutet das auch, auf Turnieren werden Pferde nicht selten verliehen - vor allem an diejenigen, die nur ein eigenes besitzen. Ein Problem, dass die vier Kreiters mit aktuell vier spielfähigen Pferden umgehen. Übrigens ist auch vor und nach dem Spiel die Arbeit mit dem Tier angesagt. »Wir müssen uns um unsere Pferde jeden Tag kümmern. Wenn das Tier etwas hat, fällt das Spiel eben aus«, sagt Kreiter - und gibt zu: »Es ist damit ein zeit- und in Bezug auf die Pferde auch ein kostenintensives Hobby.«

Gemeinsam mit seiner Familie will er nun den Polo-Sport in der Region neu beleben. Dazu gab es in den vergangenen Monaten bereits drei Schnupperkurse, weitere sollen nach dem Ende der hessischen Sommerferien folgen. »Wir versuchen den Leuten zu vermitteln, dass sie einfach zum Spaß herkommen und Polo ausprobieren sollen. Das Alter oder die Sportlichkeit sind dabei zweitrangig«, sagt Kreiter - und kämpft damit auch gegen das Image von Polo als Sport der Elite an. »Mir ist doch egal, wer welches Auto fährt, wer welche Uhr trägt oder ob jemand gerne Champagner trinkt«, meint Kreiter, der nach dem Training und dem Fertigmachen der Tiere nicht selten noch den Grill anwirft und sich ein kühles Bier gönnt. »Im Sommer ist der Sport schon echt angenehm«, sagt er und lacht.

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