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Paukenschlag beim EC Bad Nauheim: Fünf Spieler müssen gehen - einen zieht es in die DEL

Der EC Bad Nauheim wagt mitten in der Corona-Krise einen Neuanfang bei den Kontingentspielern - und arbeitet damit weiter am Kader für die neue Saison in der Deutschen Eishockey-Liga 2.
08. April 2020, 21:01 Uhr
Philipp Keßler
in der DEL 2 - EC Bad Nauheim gegen Lausitzer Füchse
Ein Bild, dass es im Bad Nauheimer Colonel-Knight-Stadion so wohl nicht mehr geben wird (v. l.): Jesper Kokkila, Cody Sylvester, Marcel Kahle und Zach Hamill verlassen den Verein aus unterschiedlichen Gründen. Bei Mike Card steht eine Entscheidung noch aus. (Foto: Chuc)

Lizenzierung, Kaderplanung, Sponsorenakquise, Merchandise-Aktionen - die Sommerpause beim EC Bad Nauheim war noch nie die Zeit, um sich auf die faule Haut zu legen - und das ist in Zeiten des Coronavirus noch weniger der Fall. Am Mittwochmittag hat der Wetterauer Eishockey-Zweitligist nun weitere wegweisende Entscheidungen getroffen: Alle fünf Kontingentspieler, die zuletzt noch einen Vertrag hatten, werden den Klub verlassen.

EC Bad Nauheim: Jesper Kokkila zieht es wohl in die DEL

Jesper Kokkila, den jungen finnischen Verteidiger, zieht es wohl in die DEL, die nordamerikanischen Stürmer Jack Combs, Zach Hamill, Cody Sylvester und Tyler Fiddler müssen sich anderweitig umschauen. »Wir haben in der Saisonanalyse gesehen, dass wir eine erste, gute Phase und eine zweite, schlechte hatten, in der wir es nicht mehr geschafft haben, defensiv stabil zu stehen und offensiv zu produzieren«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer des EC. »Zudem mussten wir feststellen, dass einige Spieler nicht mehr zu 100 Prozent in das Konzept unseren neuen Trainers passen. Deshalb wollten wir den Jungs gegenüber so offen und fair wie möglich zu sein, damit sie sich neu orientieren können.« Die Spieler seien am vergangenen Wochenende über die Entscheidungen informiert worden.

Gemeinsam mit ihm, dem Sportlichen Leiter Matthias Baldys und Co-Trainer Harry Lange analysiert Neu-Coach Hannu Järvenpää nun seit Tagen die abgelaufene Spielzeit, als Grundlage für den Neuaufbau des Kaders.

EC Bad Nauheim: Vertragsverlängerungen bei fünf Spielern noch möglich

»Wir haben inzwischen gemeinsame Vorstellungen definiert und müssen nun schauen, die entsprechenden Spieler dafür zu finden«, sagt Ortwein. Nach den Abgängen der Ausländer sowie der bereits fest stehenden Weggänge von Andrej Bires (wechselt in die DEL) und Marcel Kahle (beendet seine Karriere) sind nun noch die Verteidiger Steve Slaton und Mike Card, die Stürmer Huba Sekesi und Marvin Ratmann sowie die Nachwuchsspieler Leon Köhler und Jan Wächtershäuser in der Verlosung. »Hier ist alles offen, aber wir fühlen uns auch nicht in Eile«, sagt Ortwein. »Da spielen sowohl wirtschaftliche als auch spielerische Elemente eine Rolle und natürlich haben auch Spieler und Berater ihre eigenen Vorstellungen.«

Fest steht: Der EC braucht nach Niklas Heyer noch mindestens einen weiteren Spieler mit einem U 21-Fördervertrag, da Nicolas Cornett in der U 24-Altersklasse gerutscht ist. Und: Angesichts der Tatsache, dass es nur noch 15 Ü 24-Spieler pro Kader geben darf, kann sich Ortwein auch noch mindestens einen weiteren U-Spieler vorstellen. »Diese Positionen sind in jedem Fall der nächste Schritt«, stellt er klar.

EC Bad Nauheim: Klub passt Entscheidungen der Coronavirus-Krise an

Ebenfalls zur Debatte steht die Frage, ob in der Verteidigung, wo mit Daniel Ketter, Aaron Reinig und Neuzugang Tomas Schmidt sowie Heyer bereits vier Stellen besetzt sind, überhaupt wieder Platz für einen Ausländer ist. Außerdem steht neben Slaton, Card und Wächtershäuser auch Sekesi zur Diskussion, habe sich der gelernte Stürmer durch in der vergangenen Saison in der Defensive »sehr gut entwickelt«. »Das muss der Trainer auch je nach Marktlage entscheiden«, sagt Ortwein. Denn auch das Modell, einem jungen ausländischen Spieler die Plattform zu geben, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen - wie dies mit Kokkila als jüngstem DEL 2-Ausländer der abgelaufenen Spielzeit der Fall war - sei durchaus wieder im Gespräch. »Die Erwartungen an ihn haben sich definitiv erfüllt«, sagt der EC-Geschäftsführer - und fügt hinzu: »Am Ende ist es ein Puzzle-Spiel.«

Klar ist aber auch: Angesichts der unklaren Lage rund um die Entwicklung in Sachen Coronavirus werden wir »langsamer und konservativer entscheiden als das in den Vorjahren der Fall war«, erklärt Ortwein. Zu den Sorgen um die Folgen der Pandemie kommt nämlich noch die Erhöhung des Beitragsfußes für die Berufsgenossenschaft , die in dieser Phase »natürlich doppelt weh tut« sowie die Verzögerung bei der Akquise von Sponsoren. »Die Entscheidungen werden sich sicher um ein paar Wochen verschieben, immerhin haben wir bis jetzt noch keine grundsätzlichen Absagen erhalten«, sagt Ortwein.

EC Bad Nauheim: Kurzarbeit, Sponsorenakquise und Dauerkartenverkauf als finanzielle Hebel

Um selbst die Kosten zu reduzieren hat der Klub inzwischen sowohl Kurzarbeit als auch staatliche Fördermittel beantragt, eine Entscheidung darüber steht bislang aber noch aus. »Da ist der EC Bad Nauheim natürlich jetzt einer von vielen Antragsstellern«, erklärt Ortwein. Um zumindest die Verluste etwas aufzufangen aber auch die Fans bei Laune zu halten, operiere der Klub mit Merchandising-Aktionen im Online-Shop. Ebenfalls wichtig - auch für die Lizenzierungsunterlagen, die bis 24. Mai fertiggestellt sein müssen, ist der Dauerkartenverkauf. »Das ist ein wichtiger Baustein, denn das gibt uns Planungssicherheit«, sagt Ortwein an die Fans gerichtet, von denen bislang 150 eine Dauerkarte erworben haben. Das Ziel sind etwa 650 bis Mitte Mai.

Es tut sich also selbst in der Krise immer etwas beim EC Bad Nauheim - auch und gerade in der Sommerpause.

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