25. Oktober 2019, 07:00 Uhr

Nächster Blick in die Wundertüte

25. Oktober 2019, 07:00 Uhr
Fokussiert ins Wochenende: Bevor Andreas Pauli am Sonntag auf seinen Heimatverein aus Bad Tölz trifft, ist er heute Abend mit dem EC Bad Nauheim bei den Bietigheim Steelers gefordert. (Foto: Nici Merz)

Nächstes Wundertüten-Wochenende in der Deutschen Eishockey-Liga 2. »Man kann es vielleicht nicht mehr hören, aber in dieser Liga kann jeder jeden schlagen«, sagt Matthias Baldys, sportlicher Leiter beim EC Bad Nauheim. Drei Niederlagen in Serie inklusive der typischen Krisenstimmung folgten zuletzt drei Siege, am Stück, die nicht unbedingt erwartet worden waren. Der positive Trend soll sich fortsetzen, wenn die Roten Teufel heute Abend bei den Bietigheim Steelers (20 Uhr) gastieren und am Sonntag die ambitionierten Tölzer Löwen empfangen (18.30 Uhr). Für EC-Stürmer Andreas Pauli hat die Begegnung mit seinem Heimatverein, den er im Sommer nach nur einem Jahr wieder in Richtung Wetterau verlassen hat, wie immer einen besonderen Reiz. Personell sind beim heimischen Zweitligisten noch nicht alle Fragen geklärt.

Stiefenhofer fraglich: Der Einsatz von Verteidiger Daniel Stiefenhofer (Nackenbeschwerden) ist fraglich. Sollte er rechtzeitig fit werden, müsste Cheftrainer Christof Kreutzer aber trotzdem nur einem Spieler mitteilen, dass er nicht zum Aufgebot gehört. Niklas Heyer, am vergangenen Wochenende fünfter Verteidiger, bekommt Eiszeit bei den zwei Duellen des Kölner DNL-Teams gegen die Eisbären Juniors Berlin. Senken die Ärzte bei Stiefenhofer die Daumen, steht der zuletzt überzählige Robin Palka bereit. Unverändert bleibt die Situation bei den Torhütern. Bastian Kucis wird weiter bei den Kölner Haien als Back-up-Torwart gebraucht, dafür bleibt David Böttcher aus dem KEC-Nachwuchs in Bad Nauheim. Der 18-Jährige stand auch in der vergangenen Woche durchgehend im Training zur Verfügung.

Die Ausgangslage: »Wir sind gut vorbereitet und gehen nach den Erfolgen in den vergangenen Spielen selbstbewusst ins Wochenende. Wenn wir unsere Leistung abrufen, werden wir auch Punkte sammeln«, sagt Baldys. In Bietigheim, dem »Nonplusultra der Liga«, so Baldys, kann der EC, derzeit Rangsechster mit 22 Punkten, als mutiger Außenseiter auftreten und mit einem Sieg nach regulärer Spielzeit an den Steelers in der Tabelle vorbeiziehen. Die Tölzer Löwen sind vor dem Wochenende auf Platz neun allerdings ebenfalls nur drei Punkte vom EC entfernt. Mehr Beweise für die Ausgeglichenheit und Unberechenbarkeit der Liga braucht es nach dem ersten Viertel der Hauptrunde nicht.

Abwehr-Strategen fehlen in Bietigheim: In Bietigheim sind die Anspüche traditionell hoch. Die Steelers hatten quasi ein Abo auf das Finale. Dies war im Vorjahr allerdings gekündigt worden - Viertelfinal-Aus gegen Dresden. In Bietigheim wurde der Kader verjüngt; scheinbar ohne Qualitätsverlust. Die Steelers stehen auf Rang drei. Allerdings: Mitunter wird ein Leader vermisst, einer der vorangeht, wenn es eng wird. Eine bemerkenswerte Statistik: Gegen die Top-Sieben der Tabelle gab’s in sechs Spielen nur zwei Siege, gegen die Klubs der unteren Tabellenhälfte konnten dagegen die erwarteten Siege eingefahren werden. Mit Tim Schüle und Niolai Goc werden zwei zentrale Persönlichkeiten in der Abwehr am Wochenende fehlen. Offensiv muss Trainer Hugo Boisvert auf Alexander Preibisch verzichten. Ein Fragezeichen steht hinter Stephon Williams. Der Torwart hatte sich zuletzt bereits von Cody Brenner vertreten lassen müssen.

Visionen in Bad Tölz: Natürlich, jetzt da Krefeld als DEL-Standort wackelt, da die Tölzer Löwen eine Serie fünf Niederlagen zu verdauen hatten, da fliegen Cengiz Ehliz als »DEL-Visionär« die ambitionierten Aussagen aus dem Sommer schon mal um die Ohren. Im Jahr 2026 wolle man in der oberbayerischen 18 000-Einwohner-Stadt um die deutsche Meisterschaft mitspielen. Jede Niederlage ist da ein gefundendes Fressen für die Konkurrenz, die die personellen Aktivitäten seit dem Frühjahr mit erhöhtem Interesse und zugleich Skepsis verfolgt. Kevin Gaudet, der Meister-Macher aus Bietigheim, wurde verpflichtet, mit Shawn Weller, Tyler Mc Neely und Torwart Sinisa Martinovic durfte er gleich langjährige Wegbegleitet verpflichten. Aus Iserlohn kam Verteidiger Sasa Martinovic, aus Nürnberg Marco Pfleger. Der Playdown- war plötzlich ein Top-Sechs-Kandidat; zumindest auf dem Papier. Zuletzt litt das Spiel der Löwen unter Disziplinlosigkeiten; allen voran die Strafe gegen Weller. Während dessen Sperre war auch von McNeely, quasi dem sportlichen Zwilling, wenig zu sehen. Mit einem krachenden 5:1-Erfolg gegen Tabellenführer Kassel haben sich die Löwen am Sonntag wieder zurückgemeldet. Vier Treffer binnen zwei Wochen erzielte Stefan Reiter, der in der vergangenen Saison als Förderlizenzspieler unauffällig geblieben war. Am Sonntag noch gesperrt ist der Kanadier Max French.

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