14. Juli 2020, 07:00 Uhr

Fußball

Nach zehn Jahren Eintracht Frankfurt: Weingärtner wechselt an das andere Ende der Welt

Leandro Weingärtner hat zehn Jahre lang für Eintracht Frankfurt gespielt. Jetzt zieht es ihn aus Ober-Mörlen an das andere Ende der Welt. Auf Hawaii hat er ein Stipendium erhalten. Der Profi-Traum soll dort weiterleben.
14. Juli 2020, 07:00 Uhr
Leandro Weingärtner aus Ober-Mörlen verlässt Eintracht Frankfurt nach zehn Jahren und spielt künftig für die Pacific-Universität in Honolulu auf Hawaii. FOTO: IMAGO

Im August soll es losgehen. Eine Reise in ein neues Leben. Fern der Heimat, fern von Familie und Freunden. 12 000 Kilometer sind’s von der Wetterau nach Hawaii. Weiter weg geht’s kaum noch. »Ein neuer Lebensabschnitt. Es wird spannend. Ich freue mich darauf«, sagt Leandro Weingärtner, der auf dem Maiberg vor Ober-Mörlen zu Hause ist und in Honolulu mit dem Fußball sein Studium finanzieren will.

Ein Jahrzehnt lang hatte Weingärtner für die Eintracht im Nachwuchs gespielt. Das schaffen nicht viele. Alljährlich wird nach strengen Kriterien ausgesiebt. Unzählige Teenager-Träume vom Profi-Fußball platzten in dieser Zeit. Der 19-Jährige aber hatte sich stets durchgesetzt und im Sommer 2017 einen Dreijahresfördervertrag mit dem Leistungszentrum am Riederwald unterschrieben. Die erhoffte Perspektive im Berufsfußball wurde ihm nun aber nicht auf gezeigt. »Der Traum lebt dennoch weiter. Auch in den Vereinigten Staaten sind viele Scouts unterwegs«, sagt der offensive Mittelfeldspieler.

Viel Zeit und viel Energie hat er - auch dank seiner Familie - während seiner Jugend investieren können. Er hat Entbehrungen in Kauf genommen, sein Leben dem Fußball untergeordnet. Und er würde »es wieder so machen. Der Aufwand war es wert. Ich habe viel erlebt, viele Menschen kennengelernt und mich fußballerisch entwickelt. Ein Stipendium bekommt man nicht einfach so«, blickt der 19-Jährige zurück. Mit der Eintracht war er in Katar, spielte in den USA. »So etwas vergisst man nicht.«

Ein guter Abschluss

In der Saison 18/19 hatte seine Laufbahn aber einen Knacks bekommen. Weingärtner, bis dato Führungsspieler in den U-Mannschaften, spielte in den Überlegungen des damaligen Trainers Tomislav Stipic kaum eine Rolle. Verletzungen kamen hinzu, dazu die Vorbereitungen auf das Abitur an der Ernst-Ludwig-Schule (Leistungsfächer Mathe und Sport) in Bad Nauheim. Ein sportlich verlorenes Jahr.

Unter Marco Pezzaiuoli als U 19-Coach in der vergangenen Saison schlüpfte Weingärtner wieder in seine gewohnte Rolle, absolvierte 13 von 20 möglichen Spielen und beendete die Saison mit der Eintracht im Tabellen-Mittelfeld, endlich einmal frei von Abstiegssorgen. »Ein guter Abschluss. Ich bin zufrieden mit meiner Einsatzzeit.«

In der Profi-Abteilung waren im Laufe der Saison weder Weingärtner noch seinen Teamkollegen eine Perspektive aufgezeigt worden; eine U23-Mannschaft gibt es nicht mehr. Viele Kollegen aus dem älteren A-Junioren-Jahrgang hängen noch in der Luft.

Die Entscheidung Weingärtners für ein Auslandsstudium und damit gegen einen Vertrag in der dritten oder vierten deutschen Liga hatte sich frühzeitig konkretisiert. »Ja, natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich ausschließlich oder überwiegend auf den Fußball setze. Ein Studium in Deutschland hätte sich nur schwer mit dem Fußball realisieren lassen. Deshalb habe ich mit für ein Stipendium entschieden.« Insgesamt 23 Spiele in der U 17-Bundesliga (zwei Tore) und weitere 17 Begegnungen in der U 19-Bundesliga (ein Treffer) hat der 1,76 Meter große Blondschopf in seiner Vita stehen.

Mit Clips und Tests

Seine neue Heimat kennt er bislang nur aus dem Internet. Die Sharks gehören der Division II der National Collegiate Athletic Association (NCAA) an, spielen gegen Mannschaften aus Kalifornien sowie weiterer Universitäten auf Hawaii. Angebote auf höherem Level in der Division I hatten vorgelegen, doch entschied Weingärtner, das Abenteuer zusammen mit seinem Ex-Teamkollegen Dennis Dinyer (zuletzt Spvgg. Greuther Fürth U 19) anzugehen. So blieb nur Honolulu. Hier wollen sich die beiden ein Appartement teilen.

Martin Zaluk, der unter anderem als Deutschland-Scout für die US-Nationalmannschaft und im Bereich Recruiting und Vermittelung für die College-Mannschaften tätig ist, hatte den Kontakt hergestellt, Videos geschnitten, Gespräche vermittelt. Weingärtner telefonierte mit mehreren Trainern, musste einen Sprachtest absolvieren und jede Menge Dokumente ausfüllen.

In vier Jahren will er ein Business-Management-Studium abschließen. 23 Jahre wäre er dann alt - im Fußball würden ihm die Türen offen stehen.

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