03. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Trennung in beiderseitigem Einvernehmen?

Nach dem Aus beim FC Karben: Jetzt spricht Ex-Spielertrainer Harez Habib

Seit Sommer war Harez Habib in Karben, erst beim KSV Klein-Karben, dann beim neugegründeten FC Karben. Anfang November kam das Aus. Nun erklärt sich der Ex-Spielertrainer im Interview.
03. Dezember 2019, 12:00 Uhr
Harez Habib (am Ball) und der FC Karben sind vor einigen Wochen getrennte Wege gegangen. (Foto: Nici Merz)

Harez Habib ist im Fußballkreis Wetterau bekannt wie ein bunter Hund, dabei ist seine Heimat eigentlich in Nordhessen. Dort spielte der gebürtige Afghane mit dem KSV Hessen Kassel sogar einst um den Drittliga-Aufstieg - die vergangenen fünfeinhalb Jahre verbrachte er in seiner neuen Heimat Karben, als Spieler und auch als Trainer. Anfang November war für den ehemaligen afghanischen Nationalspieler (16 Spiele/vier Tore) und seinen »Co« Javier Pato-Otero nach sieben Niederlagen aus acht Spielen Schluss beim FCK, den er nach der Auflösung der Fußballabteilung des KSV Klein-Karben im vergangenen Sommer zurück in die Gruppenliga Frankfurt-West geführt hatte. Im Interview spricht er über seine Gefühle nach der Trennung, Kritik am Vereinsvorstand und warum einige Spieler seit seinem Abgang nicht mehr für den Verein aus dem Süden der Wetterau auflaufen.

Herr Habib, wie haben Sie Ihr letztes Spiel, das 1:3 gegen Königstein, und die Tage danach erlebt?

Harez Habib: Das Spiel gegen Königstein war natürlich eine Enttäuschung. Wir haben bis zur 75. Minute geführt und waren bis dahin auf einem Nichtabstiegsplatz. Trotz allem wähnten die Mannschaft und ich uns auch nach dem 1:3 auf dem richtigen Weg, wieder einmal ein Erfolgserlebnis einzufahren. Innerhalb des Teams hat es gestimmt. Wir haben in dieser Besetzung fast fünfeinhalb Jahre zusammengearbeitet, das Wir-Gefühl war extrem groß, dementsprechend bin ich davon ausgegangen, dass für uns als Aufsteiger auch ohne qualitative Neuzugänge und mit einem geringeren Budget im Vergleich zum Vorjahr noch alles im grünen Bereich war. Der Vereinsvorstand hat das anders gesehen. Deshalb kam die Trennung für mich sehr plötzlich.

Wie würden Sie die Trennung vom FC Karben rückblickend beschreiben?

Habib: Ich möchte keinen Hehl daraus machen: Es war eine Mischung aus Enttäuschung und Frustration. Ich hatte mir immer einen anderen Abgang gewünscht, entweder von mir aus oder eben in tiefer Freundschaft zum Verein. Ich weiß, dass im Fußball auch Trennungen dazugehören, aber es ist immer eine Frage der Art und Weise. Und die war leider alles andere als schön, weil der Vorstand mir das Gefühl gegeben hat, dass das sportliche Ergebnis über allem steht, wohingegen ich mir gewünscht hätte, dass man die Situation realistisch betrachtet. Dies ist auch ein Grund, warum Teile der Mannschaft aktuell nicht mehr spielen oder ab dem Winter dem Verein nicht mehr zur Verfügung stehen.

Inwiefern?

Habib: Wenn ich an Spieler wie Erkan Gök, Mitat Bakanhan oder Tugay Kuzpinari denke, dann sind das charakterlich einwandfreie Jungs, die in der gesamten Zeit den Weg mit mir gegangen sind und die über der Art und Weise dieser Trennung alles andere als erfreut waren. Deshalb haben sie für sich selbst die Reißleine gezogen. Das ist nicht nur Loyalität mir gegenüber, sondern auch Enttäuschung über das Verhalten des Vorstands. Darüber sollte sich der Verein mal Gedanken machen. Wir waren eine geschlossene Einheit, die in dieser Konstellation den Klassenerhalt definitiv geschafft hätte. Diese Verbundenheit hat uns in den vergangenen Jahren immer ausgezeichnet. Aber der Mannschaftsrat wurde in die Entscheidungsfindung erst gar nicht miteinbezogen. Auch die Tatsache, dass das finale Gespräch ohne Vorwarnung vor einer Trainingseinheit stattfand und bereits am Morgen danach ein Nachfolger präsentiert wurde, hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack.

Die Entscheidung der Spieler kam also von ihnen selbst und nicht durch Sie?

Habib: Genau. So etwas wäre überhaupt nicht meine Art, das würde ich niemals wollen. Diese Spieler haben in der Vergangenheit auf Geld verzichtet, sind wegen dem Team, wegen mir als Trainer und wegen der Liebe zum Verein und zu unserem Projekt geblieben - auch weil der Aufstieg das Ergebnis vier Jahre harter Arbeit war -, und obwohl sie wie auch ich andere Angebote hatten. Die Spieler haben mir gesagt, dass sie sich mit der Art und Weise dieser Trennung nicht mehr identifizieren konnten. Aber gerade diese Spieler stehen als Paradebeispiel für unsere Entwicklung, wodurch vielleicht weitere Spieler ihr Engagement ebenfalls hinterfragt haben. Dazu kommt, dass wir als Team die Außendarstellung des Vereins in den vergangenen Jahren positiv geprägt haben, was der Vorstand innerhalb weniger Tage kaputt gemacht hat, weil die ganze Wetterau sich fragt, was da los war.

Wie kommen Sie darauf?

Habib: Was nach der Trennung auf meinem Handy los war, war unfassbar. Das Feedback von Trainerkollegen, Spielern - aktuell oder ehemalig - war Unverständnis und ein Gefühl von Undankbarkeit des Vorstands. Nichtsdestotrotz sage ich: Auch der Vorstand macht das alles ehrenamtlich, niemand ist fehlerfrei.

Die offizielle Sprachregelung nach der Trennung hieß »in beiderseitigem Einvernehmen«. Stimmte das nicht?

Habib: Ich habe nach fünf Minuten im Gespräch gemerkt, dass der Vorstand kein Vertrauen mehr in unsere Arbeit hat, womit die Sache für mich ehrlich gesagt schon erledigt war. In dem Moment war mir auch schon klar, dass sie auch schon einen Nachfolger in petto haben, auch wenn sie das verneint haben. Trotzdem habe ich gesagt, dass wir »in beiderseitigem Einvernehmen« sagen können, um nicht noch mehr Unruhe reinzubringen.

Unabhängig von der Trennung: Wie sieht Ihre Bilanz aus Ihrer Zeit in Karben aus?

Habib: Diese Zeit hätte ich vor diesem Abend mit den Worten Vertrauen, Wertschätzung, Loyalität, Respekt und Offenheit beschrieben. Denn ohne diese Werte hätte ich es in diesem Umfeld, in dem viele Ältere noch in der Vergangenheit schwelgen, nicht so lange geschafft. Da braucht man sich nur die Halbwertszeit meiner Vorgänger anschauen. Deshalb und weil diese Entwicklung ohne mich nicht möglich gewesen wäre, waren die Enttäuschung und der Frust bei mir schon groß. Ich brauchte erst einmal etwas Abstand. Angesichts der aktuellen Lage des Teams glaube ich, dass es in dieser ganzen Geschichte inzwischen nur noch Verlierer und keine Gewinner mehr gibt. Das hat sich niemand gewünscht. Aber mit etwas Abstand kann ich für mich sagen, dass trotz aller Enttäuschung auch eine Last abgefallen ist, denn ich habe sehr viel Zeit investiert und bin nun offen für Neues.

Gibt es schon konkrete Pläne?

Habib: Ich bin offen für alles im neuen Jahr. Es sind bereits erste Gespräche mit Vereinen gelaufen, die bereits ihr Interesse an mir bekundet haben. Dabei möchte ich mich jedoch nicht auf die Rolle als Spieler, als Trainer oder als Spielertrainer von vorneherein festlegen, das muss von der jeweiligen Konstellation vor Ort einfach passen. Ich fühle mich auf jeden Fall trotz meines gehobenen Alters von 38 Jahren so fit, dass ich mir das alle drei Rollen gleichermaßen zutraue.

Man könnte Ihnen unterstellen, nach dem Rauswurf noch einmal nachtreten zu wollen. Was würden Sie darauf antworten?

Habib: Darum geht es mir nicht. Ich hatte eine positive und erfolgreiche Zeit beim FC Karben, aber ich bin auch der Meinung, dass es mein gutes Recht ist, mir dann eine andere Art der Trennung und eine andere Behandlung zu wünschen. Und die meisten Spieler sehen das offenbar genauso. Nun ist eine Ära zu Ende gegangen, und der Verein hat die Herausforderung, sich neu aufzustellen.

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