09. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Mit Unruhe und Verunsicherung

(mn) Ein Sieg gegen Frankfurt ist schon etwas Schönes. Ein solcher Erfolg kann auch mal in Ekstase versetzen. Eine Nacht lang oder auch bis zum nächsten Spiel. Allerdings: Ein Derby-Triumph ist auch ganz schnell zweitrangig, wenn die sportlichen Resultate davor und danach nicht die Erwartungen erfüllen. Nur eine der vergangenen sechs Begegnungen hat Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim gewonnen, nur drei von 18 ausgespielten Punkten für sich verbuchen können. Das ist zu wenig. Vor den Spielen bei den Eispiraten Crimmitschau (heute, 20 Uhr) und gegen die Lausitzer Füchse (Sonntag, 18.30 Uhr), mit denen die Roten Teufel die erste Saisonhälfte abschließen, sind Unmut unter den Fans und Verunsicherung unter den Spielern erkennbar.
09. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Mit besorgter Miene (von links): Radek Krestan, Andreas Pauli, Dusan Frosch und Eugen Alanov haben zuletzt viermal in Serie auswärts verloren. Heute sind die Roten Teufel bei den Eispiraten Crimmitschau zu Gast. (Foto: Chuc)

Der Status quo: Die Mannschaft lässt - gerade auswärts - den Zug und den Biss vermissen, der sie in Heimspielen wie gegen Bietigheim oder Frankfurt ausgezeichnet hat. Nach vorne ging in den letzten fünf Spieldritteln in Kassel und in Dresden nichts - nur ein Torerfolg binnen 120 Minuten. »Jedem muss klar sein: Ein solcher Auftritt reicht nicht. Dafür ist die Liga einfach zu ausgeglichen«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer des EC Bad Nauheim, der das Spiel am Dienstag live vor Ort gesehen hatte. Nach 19 Gegentreffern in vier Spielen hatten sich die Roten Teufel an der Elbe auf die Defensive konzentriert. Dass am Ende sogar ein einziger Gegentreffer, den Jan Guryca bei seinem dritten Saisoneinsatz nicht hatte verhindern können, schon zu viel sein konnte, war nicht unbedingt zu erwarten. Die Art und Weise, wie ausgerechnet Topscorer Juuso Rajala mit einem Penalty die beste Chance vergab, passt ins Bild der aktuellen Situation. »Sicher fehlen derzeit etwas die Konstanz und das Selbstvertrauen - aber ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Mannschaft das Potenzial und die Substanz hat, sich eine Position zwischen sechs und neun zu sichern. Das hat sie auch schon gezeigt«, sagt Ortwein und blickt über den Tellerrand hinaus. »Wer im Tabellen-Mittelfeld - außer Aufsteiger Bayreuth vielleicht - ist denn wirklich zufrieden? Die Liga ist eben unheimlich eng. Die Abstände nach vorne und nach hinten sind gering.« Von einer Negativspirale will der EC-Chef nichts wissen. Hektik sei fehl am Platz. Ohnehin sei Angst ein schlechter Ratgeber. »Es fehlt die nötige Stabilität oder auch mal ein Lucky Punch. Und ich bin sicher, dass sich das Team wieder anders präsentieren wird.«
Crimmitschau - ein heimstarker Gastgeber: Ronny Bauer, der Sportchef der Eispiraten, hat die Ziele revidiert. Von Platz sechs war zum Saisonstart angesichts des aufgepimmten Kaders die Rede. Jetzt, einige Wochen und verletzungsbedingte Ausfälle später, hat einzig Schlusslicht Heilbronn eine schlechtere Bilanz als die Sachsen. 22 der 24 Zähler hat die Mannschaft von Chris Lee zu Hause gesammelt; zumeist mit schlankem Kader. Daniel Bucheli, Vincent Schlenzer und Christoph Kabitzky fallen längerfristig aus. Philipp Halbauer steht im Kader der U20-Nationalmannschaft, Bernhard Keil plagen Leistenprobleme, und auch hinter dem Einsatz von Jakub Körner stand gestern noch ein Fragezeichen. Crimmitschau wird einmal mehr mit schlankem Kader auflaufen. Die Fans, die nach der Länderspielpause zeitweise die Unterstützung verweigert hatten, haben nach einer Aussprache mit den Funktionären die Situation inzwischen akzeptiert. Star der Mannschaft ist Torwart Ryan Nie. Ex-Teufel Jason Pinizzotto ist aktuell mit acht Treffern zweitbester Torschütze und mit 14 Punkten viertbester Scorer.
Weißwasser kommt mit der gefährlichsten Reihe der Liga: Dennis Swinnen, Jeff Hayes, Jakub Svoboda, die DEL 2-Scorer acht, neun und 13 – kein anderer Klub ist gleichfalls mit drei Namen unter den Top 15 vertreten. 36 Tore erzielte diese Reihe der Lausitzer Füchse bereits - fast die Hälfte aller Treffer des Klubs aus Weißwasser (insgesamt 77). Zum Vergleich: Andreas Pauli, Nick Dineen und Dusan Frosch, die seit Wochen die Topformation des EC Bad Nauheim bilden, kommen auf zusammen 22 Tore (von insgesamt 75). Die Kehrseite: Dem Paradeblock der Füchse fehlt die Entlastung. Allein am vergangenen Wochenende erzielte das Trio sieben von acht Wochenend-Treffern. Spiele der Füchse standen zuletzt für Spannung. Die letzten sieben Begegnungen wurden durch eine Differenz von höchstens zwei Treffern entschieden. Getrennt haben sich die Blau-Gelben von Connor Gardner, der als Nachfolger von Torjäger Roope Ranta verpflichtet worden war, allerdings nicht den Spielertyp verkörpern konnte, den sich Trainer Hannu Järvenpää vorgestellt hat.

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