02. April 2020, 17:35 Uhr

DER WERBEBLOCK

Mehr als nur Hockey

Sie feuern mit einem knüppelartigen Schläger einen Ball durch die Halle. Es ist wie Hockey auf einem Handball-Feld. Eine Frage muss erlaubt sein: Was macht ihr da?
02. April 2020, 17:35 Uhr
Rasant und intensiv: Bouncerball verbindet viele Sportarten miteinander. FOTOS: PV

Beim bloßen Blick auf das Spielfeld erinnert alles ein wenig an »American Gladiator«. Eine TV-Show der 1990er aus den USA, in der unter anderem die Kandidaten »Gladiatoren« mit Schaumstoffknüpplen von einem schmalen Steg schubsen mussten. Doch obwohl auch beim Bouncerball die Akteure mit ähnlichen Geräten versuchen, den Gegner zu besiegen, hat dieser Sport damit überhaupt nichts gemein.

Das Spiel verbindet Elemente mehrerer Sportarten miteinander, am meisten ähnelt es Hockey. Als Schläger zugelassen sind ausschließlich sogenannte Ball Bouncer mit Styroporkopf. Der Kunststoffball ist zwischen 12 und 16 Zentimeter im Umfang und zwischen 80 und 120 Gramm leicht. »Es ist wie Hockey, nur vielseitiger«, sagt Meyer. Der 28-jährige Sportstudent ist Leiter der Abteilung Frisbee&Fun-Sports beim SV Fun-Ball Dortelweil und der Bouncerball-Pionier der Region.

Zu Beginn des Jahrtausends schwappte der Sport, der auch Speedball genannt wird, über die Nordsee aus England herüber. Dort wiederum kommt Bouncerball dem gälischen Sport Hurling recht nah, das vor 3000 Jahren erfunden worden sein soll und als das schnellste Freiluftspiel der Welt beschrieben wird. Weil die Menschen hierzulande im Umgang mit dem Wetter aber nicht so hartgesotten sind, wird Bouncerball im Vergleich zum Hurling in der Halle gespielt.

In Deutschland ist das Spiel bislang kaum bekannt. »Bundesweit gibt es vielleicht zehn Vereine, die eine Bouncerball-Abteilung haben«, sagt Meyer, der der 2018 gegründeten Abteilung bei Fun-Ball vorsteht. Meyer selbst kam mit dem Sport in Berührung, weil es sein Sportlehrer einst im Unterricht spielen ließ. »Es hat auf Anhieb Spaß gemacht, allerdings hat es kein Verein in der Region angeboten. Deswegen habe ich in Dortelweil eine Plattform gehabt«, sagt Meyer und zeigt sich glücklich über die Möglichkeit, die ihm der SV Fun-Ball bietet.

Seine Wahrnehmung täuschte ihn nicht. »Bei den ersten Probeterminen waren sofort zehn Leute da, danach war klar, dass wir weitermachen«, erzählt Meyer. Zumal sich das neue Angebot im positiven Sinne herumsprach. Mittlerweile wird Bouncerball für drei Altersgruppen angeboten.

Die Regeln sind schnell und einfach erklärt: sechs gegen sechs auf handballartigem Spielfeld mit Bande sowie auf Handball-Tore. Der Ball darf zwar mit dem Körper angenommen, aber nur mit dem Schläger gespielt werden, der Torhüter bildet die Ausnahme. Nach einem Tor wird das Spiel direkt fortgesetzt, quasi Straßenfußballregeln. Die Art der Fouls und deren Strafmaße sind identisch zu anderen Mannschaftssportarten. »Wer schon mal Hockey, Badminton oder Tennis gespielt hat, sollte zügig mit dem Spiel zurechtkommen«, sagt Meyer. Das gilt nicht nur für das Spielverständnis, sondern auch für das Ballgefühl, schließlich kann der Ball sowohl vom Boden als auch aus der Luft gespielt werden. Dieser Aspekt macht das Spiel rasant, körperbetont und intensiv. Gefährliche Torschüsse aus 15 bis 20 Metern sind nicht selten, oft springt der Ball umher wie ein Flummi, die bessere Handlungsschnelligkeit kann hier den Unterschied ausmachen.

Insgesamt aber fristet Bouncerball in Deutschland ein Schattendasein am äußersten Rand des Spektrums. Einen Verband gibt es in Deutschland noch nicht, entsprechend auch keine Trainerausbildung. »Die Übungen für das Training schaue ich mir bei anderen Sportarten ab«, sagt Meyer.

Dafür aber sind die Dortelweiler seit drei Jahren in der Deutschen Bouncerball-Liga am Start. »Pro Jahr spielen wir vier Turniere, im vergangenen Jahr haben wir zwei veranstaltet«, sagt Mayer. Vor drei Wochen sollte abermals in Dortelweil ein Tournier über die Bühne gehen, doch durch die Coronavirus-Krise wurde das Turnier ebenso abgesagt wie nun die gesamte Saison ausgesetzt ist. Der nächste Termin ist am 6. Juni, »da müssen wir, wie alle anderen momentan auch, abwarten«, sagt Meyer.

Beim Blick in das Regelwerk der Bouncerball-Liga findet sich dann doch aber noch eine signifikante Eigenheit der Sportart. Zwar ist es im Gegensatz zum Ultimate Frisbee oder Quidditch nicht verpflichtend, Frauen aufzustellen. Sollte jedoch ein Team in der Gruppenphase durchgängig und im Gegensatz zum Gegner eine Frau auf dem Feld haben, wird das Spiel bei Gleichstand mit 2:1 Punkten für diese Mannschaft gewertet. Ab der K.-o.-Phase findet diese Regel dann allerdings keine Anwendung mehr

In der neunjährigen Geschichte der Liga gab es erst drei Meister. Die ersten sechs Spielzeiten gewann der DJK Nienberge, die darauffolgenden zwei das Team der Uni Marburg und die jüngste Saison der TV Westfalia Epe. Die zehn Teams verteilen sich auf einem vertikalen Streifen zwischen Emden und Heidelberg.

Doch solange die Coronavirus-Krise die Welt in Atem hält, ist auch dieser Streifen von der Bouncerball-Welt abgeschnitten. Wann es weitergehen kann, ist unklar. Sicher aber ist: Fortsetzung folgt.

Bouncerball ist der geilste Sport , weil »es kraftvolles Schlagen mit viel Laufeinsatz und Technik kombiniert und einen hohen Fun-Faktor bietet«, sagt Lars Meyer.

Trainingszeiten , jeweils in der Halle »Am Siegesbaum« sind für Erwachsene donnerstags von 20.30 bis 22 Uhr, für die Acht- bis Zwölfjährigen montags von 17 bis 18.30 Uhr und die 13- bis 15-Jährigen donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr. Sonntags von 13 bis 14 Uhr ist freies Spiel.

Die Fixkosten im Jahr liegen bei liegen bei 117,60 Euro Mitgliedsbeitrag (9,80 Euro pro Monat). (esa)

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