16. November 2017, 10:00 Uhr

Fußballheld

Lars Kunkels großer Einsatz für die SG Melbach

Lars Kunkel ist emotionaler Leader der SG Melbach und glänzt vor allem als Torschütze. Doch der Sport- und Mathe-Lehrer engagiert sich auch abseits des Platzes. Damit hebt er sich von vielen ab.
16. November 2017, 10:00 Uhr
Lars Kunkel (rechts) ist seit vielen Jahren für die SG Melbach unverzichtbar. Aber auch abseits des Platzes engagiert er sich. Zwischen 2013 und 2017 war er Jugendleiter und wurde dafür mit dem Preis »Fußballhelden – Aktion junges Ehrenamt« ausgezeichnet. (Foto: uc)

Der Name Kunkel ist untrennbar mit dem A-Ligisten SG Melbach verbunden. Die Brüder Lars und Niklas spielen seit ihrer Kindheit zusammen für ihren Heimatverein und feierten bei den Senioren zwei Aufstiege (2015 und 2017). Drei Jahre lang spielte Lars Kunkel zwischendurch für Germania Ockstadt (Kreisoberliga) und Viktoria Nidda (Gruppenliga), doch der Kontakt zur SGM brach nie ab.

Denn Vater Karl-Ernst ist seit fast 30 Jahren Vereinsvorsitzender. Und auch Mutter Ingrid engagiert sich, backt und verkauft an Spieltagen Kuchen. »Es kam für mich nie in Frage, mich aus dem Vereinsleben zurückzuziehen«, erinnert sich Kunkel, der 2013 zur SG Melbach zurückkehrte und in der vergangenen Saison mit 35 Treffern maßgeblichen Anteil am Aufstieg hatte. Insgesamt hat das Eigengewächs bereits rund 350 Pflichtspiele für die SGM absolviert und dabei etwa 300 Treffer markiert.

Ich habe das Ehrenamt ja in die Wiege gelegt bekommen

Lars Kunkel

Nach abgeschlossenem Studium absolvierte Kunkel ab 2013 an der Geschwister-Scholl-Schule in Assenheim sein Referendariat und engagierte sich nebenbei als Jugendleiter. Fast vier Jahre lang, bis Februar 2017, hatte er dieses Amt inne. Dann gab er es aus zeitlichen Gründen ab und ist heute stellvertretender Jugendleiter. Seit 2015 wohnt Kunkel in Hanau und unterrichtet an einer Grund- und Hauptschule in Bad Orb. Die über 50 Kilometer zu seinem Heimatort legt er in der Regel zweimal pro Woche zurück. Seine ehrenamtlichen Aufgaben erledigt er komplett online. Er kümmert sich um administrative Angelegenheiten, verwaltet etwa Spielverlegungen und Meldungen von Teams für den Spielbetrieb. Mehr ist neben dem Beruf derzeit nicht drin.

Engagement ist für Kunkel selbstverständlich

Als er noch zur Schule ging beziehungsweise studierte, steckte Kunkel wesentlich mehr Zeit und Kraft in »seinen« Verein. Als 17-Jähriger übernahm er den Posten des Pressewarts und stieg zudem als Jugendtrainer ein. Zwischen 2005 und 2012 trainierte er erst die E-Jugend und später auch die D-, C- und B-Jugend. Acht bis zehn Stunden investierte der 29-Jährige pro Woche, was für ihn selbstverständlich war. »Ich habe das Ehrenamt ja in die Wiege gelegt bekommen«, sagt Kunkel und schiebt nach: »Leider wollen sich heute immer weniger junge Fußballer engagieren, weil man dafür erst einmal nichts zurückbekommt.«

Für seinem Einsatz wurde Kunkel vom Fußballkreis Friedberg im vergangenen Jahr mit dem Förderpreis »Fußballhelden – Aktion junges Ehrenamt« ausgezeichnet, den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ins Leben gerufen hatte. Zusammen mit rund 200 Siegern aus ganz Deutschland und fachkundigen Trainern verbrachte er daraufhin im Mai 2017 mehrere Tage in Santa Susanna (Spanien). Kunkel lernte prominente Trainer wie Steffi Jones (Deutsche Frauen-Nationalmannschaft) kennen und besuchte mehrere Sehenswürdigkeiten wie das Stadion Camp Nou in Barcelona.

»Wir hatten jeden Tag zwei Trainingseinheiten und wurden sogar vom deutschen Futsal-Nationaltrainer unterrichtet, was eine interessante Erfahrung war«, berichtet Kunkel, der perspektivisch wieder im Jugendbereich arbeiten möchte. Eine Tätigkeit als Seniorentrainer kann er sich hingegen nicht vorstellen: »Ich würde mich in diesem Job zu sehr ärgern, weil man ständig aufs neue Spieler zusammentrommeln muss. Kinder und Jugendliche haben einen anderen Elan«, erläutert Kunkel.

Wahlheimat bei Ex-Verein von Rudi Völler

An spielfreien Sonntagen besucht der Torjäger gerne Spiele in seiner neuen Wahlheimat und war etwa beim TSV 1860 Hanau, dem Ex-Verein von Rudi Völler, zu Gast. »Ich habe aber natürlich keine Bindung zu diesem Verein«, sagt Kunkel, der in Melbach mit einigen Spielern seit der F-Jugend zusammenspielt. Das Eigengewächs durchlief alle Jugendmannschaften, wurde bei den D-Junioren Kreismeister und Kreispokalsieger und ist heute trotz räumlicher Entfernung bei Vereinsveranstaltungen präsent.

Die SG Melbach macht einiges für die Gemeinschaft und richtet etwa seit vielen Jahren Weinfeste aus. »Wir haben einen tollen Zusammenhalt, was auch daran liegt, dass bei uns kein Spieler Geld bekommt«, sagt der 29-Jährige und fügt hinzu: »Genug Ehrenamtler haben wir an Spieltagen auch.« Kunkel selbst will sich künftig wieder mehr einbringen. Der Job des Vereinsvorsitzenden wäre aber nichts für ihn: »Als mein Vater noch arbeitete, steckte er nebenbei fast 40 Stunden pro Woche in den Verein. Das würde meine Freundin nicht mitmachen.«

Info

Fußballhelden – Aktion junges Ehrenamt

Mit dem Förderpreis »Fußballhelden – Aktion junges Ehrenamt« würdigt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das Engagement junger Ehrenamtler zwischen 16 und 30 Jahren. Mögliche Kandidaten eines Fußballkreises müssen nachweisen, dass sie sich kontinuierlich in ihrem Verein engagieren. In Frage kommt nur, wer sich in mindestens einem der letzten drei Jahre als Trainer- oder Jugendleiter betätigt hat. Der Fußballkreis Friedberg konnte in diesem Jahr keinen Gewinner küren, da vonseiten der Vereine keine Bewerber gestellt wurden. »Ich habe das Gefühl, dass der Preis in vielen Vereinen nicht publik gemacht wurde«, meint Lars Kunkel, der sich im vergangenen Jahr gegen einen Kandidaten durchgesetzt hatte und eine Bildungsreise nach Spanien gewann.

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