01. Juni 2019, 10:00 Uhr

Kleiner Verein ganz groß

Wer an Kickboxen denkt, denkt an Schläger, an Typen, die sich vor Diskotheken prügeln oder im Ring die Köpfe einschlagen. Doch dahinter steckt ein Leistungssport. Seit 35 Jahren mit dabei ist der KSV Friedberg/Dorn-Assenheim. Mit seinen 70 Mitgliedern zählt er zu den erfolgreichsten Klubs in ganz Europa.
01. Juni 2019, 10:00 Uhr
Bereits zu den besten Kickboxerinnen ihres Jahrgangs zählt Lea Best, die auch schon selbst als Übungsleiterinnen arbeitet. (Foto: Nici Merz)

Ich bin froh über die drei Wochen im Sommer, in denen ich Ferien habe. Andererseits kenne ich es vom Aufwand her nicht anders«, sagt Armando Regner. Der 61-Jährige ist Vorsitzender und Cheftrainer des Kickbox-Sportvereins Friedberg/Dorn-Assenheim - und obwohl unter seiner Ägide »nur« rund 70 Mitglieder trainieren, gehört der Verein aus dem Herzen der Wetterau zu den erfolgreichsten in Deutschland - wenn nicht gar in Europa. »Ich bin zufrieden mit uns. Wir legen eben noch Wert auf das familiäre Umfeld. Früher habe ich immer gesagt, dass ich mit 60 Jahren aufhöre, aber durch unsere Erfolge geht es immer weiter«, sagt Regner. »Wir haben in den letzten 30 Jahren beinahe jeden konkurrierenden Verein ausgesessen und gehören im Formenbereich sogar zu den besten in Europa, auch wenn wir einer der kleinsten Vereine Hessens sind.«

1984 hat alles angefangen, als Regner und einige Freunde aus der Kampfsportszene rund um Judo, Taekwondo und Kung-Fu den Kung-Fu-Verein Bauernheim gegründet haben. Es folgte rasch die Umbenennung in Kickbox-Verein Dorn-Assenheim, seit Anfang der 2000er Jahre gehört auch Friedberg zum Namen. Bereits nach einem Jahr waren Regner und Co. Gründungsmitglieder des Hessischen Kickbox-Verbandes und gehörten bereits zum Welt Kickbox-Verband Deutschland (WAKO). Außerdem ist der Klub mittlerweile Mitglied im Landessportbund, im Olympischen Sportbund und seit vergangenem Jahr auch im Internationalen Olympischen Sportbund, sodass irgendwann einmal sogar eine Olympiateilnahme winken könnte. Der Clou laut Regner: Im Kickboxen können sich die unterschiedlichsten Kampfsportarten unter einem Dach versammeln und unter gewissen Regeln gegeneinander antreten. Inzwischen hat der Verband mehr Mitglieder als die »normalen« Boxer. Gekämpft wird in verschiedenen Klassen, je nach Alter, Gewicht und Art des Kampfes (siehe Extrakasten).

»Ich weiß, was Ehrenamt bedeutet«, sagt Regner. Bis zu viermal pro Woche trainiert die Leistungssportgruppe, er ist immer dabei. An den Wochenenden stehen Turniere an, die das Team über die Grenzen Hessens, Deutschlands und manchmal sogar Europas führen. Nicht umsonst hat es bereits ein KSV-Kämpfer zu einer WM-Bronzemedaille gebracht. »Letztlich liegt in großen, internationalen Turnieren der Reiz. Titel bei deutschen oder hessischen Meisterschaften rechne ich schon gar nicht mehr. Ich glaube, in Europa gibt es kaum ein Land, das ich nicht durch den Sport gesehen habe«, sagt Regner.

In den 1970er Jahren war er selbst unter den deutschen Topsportlern im damals sogenannten Sportkarate. Das Geheimnis seien gute Technik, Schnelligkeit und Ausdauer. Denn: Bei einem Kampf à zweimal zwei Minuten mit einer Minute Pause dazwischen wird etwa die Energie umgesetzt wie bei einem Fußballer über 90 Minuten. »Mein Ziel ist es immer, die Sportler bis zur Nationalmannschaft zu bekommen. Das schaffen aber nur die, die wirklich wollen«, sagt Regner. Aktuell sind mit Lea Best, Hanna Ebert und Ebru Sezer gleich drei Nachwuchssportlerinnen auf internationalem Topniveau unterwegs. Ebert und Best haben bereits Junioren-Weltmeisterschaften auf dem Buckel, Sezer wurde kürzlich in den Bundeskader berufen. Die Turniere mit ihnen haben Regner alleine im ersten halben Jahr 2019 nach München, Hamburg, Dublin, Amsterdam, Kassel und Coburg geführt.

Finanziert wird der Klub aus den Beiträgen der Mitglieder sowie aus Ausschüttungen von Stadt und Kreis, die immerhin die Startgelder decken. Der Rest - inklusive der bis zu vier Trainer - läuft ehrenamtlich, denn Sponsoren sind im Kickboxen rar gesäht. Ebenso wie Trainingsstätten. Daher wird abwechselnd in der Friedberger Musterschule, der Ockstädter Steinkopfhalle und der Sport- und Festhalle in Dorn-Assenheim geübt. »Die Städte unterstützen uns, nichtsdestotrotz hätten wir gerne die ganze Woche dieselbe Halle«, sagt Regner.

Zwar müsse jeder Kämpfer seine Ausrüstung samt Kopf-, Zahn-, Tief- und Fußschutz selbst finanzieren, doch gerade für Anfänger werde auch Material gestellt, das irgendwo gelagert werden müsse. Zudem brauche es spezielle Matten zum Trainieren - aus Sicherheitsgründen. »Hier ist alles TÜV-geprüft. Kickboxen ist ein Leistungssport, und genau das hat mich schon immer fasziniert. Das hat nichts mit einer Schlägerei zu tun. Hier erziehen wir alle zu Respekt - gegenüber dem Gegner und dem Material.«

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