12. Juni 2020, 07:00 Uhr

Fußball

Klassenerhalt auf Abstiegsrang eine »faire Lösung«

Sie wären die Lucky Loser im Fußballkreis Friedberg. Sie würden von der Entscheidung, die Saison 2019/20 ohne Absteiger abzubrechen, profitieren. Die Klubs würden ihre Klasse halten, obwohl sie auf einem Abstiegsrang platziert sind.
12. Juni 2020, 07:00 Uhr
Abstiegskampf: Benedikt Schnell (links/SV Germania Ockstadt) und Daniel Antmansky (Traiser FC) stehen mit ihren Mannschaften am Tabellenende der Kreisliga A Friedberg. Beide Klubs können aber auf den Klassenerhalt hoffen. FOTO: CHUC

Lucky Loser! Selten war ein Begriff passender als für die Vereine, die bei einem geplanten Abbruch der Saison 2019/2020 dem Abstieg entgehen werden. Sofern sich der außerordentliche Verbandstag den bereits veröffentlichten Empfehlungen des Verbandsvorstands anschließt und die Saison zum 30. Juni 2020 beendet, hätten auch die Vereine auf den Abstiegsplätzen endlich Planungssicherheit. Trainerwechsel, Verletztenmisere und ein Umbruch im Spielerkader - überall sind die selben Probleme auszumachen, die eine sportlich entspannte Runde verhindert haben. Doch: Wie gehen die Vereine mit dieser Situation um? Wie wirkt sich dies auf die sportliche Planung aus? Wir haben exemplarisch nachgefragt.

FC Karben: In der südlichen Wetterau hatte der Gruppenliga-Aufsteiger aus Karben mit einigen Unwägbarkeiten während der Saison zu kämpfen. Knappe Niederlagen in der neuen Umgebung, der Trainerwechsel von Harez Habib zu Thomas Dechant inklusive Kaderveränderungen ließen den FC Karben stetig im Tabellenkeller verharren. Doch ließ die Ausbeute von 19 Punkten bis zum Saisonabbruch noch alle Möglichkeiten in Bezug auf den Klassenerhalt offen. »Zum Rundenabbruch standen wir auf Platz 14, der zum damaligen Zeitpunkt die Relegationsteilnahme bedeutet hätte. Wir waren uns aber alle sicher, dass wir den Klassenerhalt auch sportlich hätten realisieren können. Zwar haben wir durch den Trainerwechsel Erfahrung im Kader verloren, doch die Mannschaft hat unter Thomas Dechant gut mitgezogen«, bilanziert Assistenztrainer Norbert Knödler die Situation bis zum Rundenabbruch.

»Die jetzt anstehende Lösung ist in unseren Augen die eleganteste und fairste Variante. Zwar ist die Aufregung um die Relegationsplätze sicher verständlich, doch sollte man bedenken, dass wir Amateursport betreiben«, unterstützt Knödler die sich abzeichnende Lösung. »Für uns und unseren neuen Trainer Karl-Heinz Stete bedeutet dies nun endlich Planungssicherheit. Wir können die Kaderplanung forcieren, wobei hier der Fokus auf junge Spieler aus der Karbener Kante liegen wird.«

Traiser FC: Am Wäldchen wird von einer »fairen Regelung« gesprochen. »Die Vereine können schließlich nichts dafür, dass die Saison vorzeitig enden wird«, sagt Andreas Wirth, der Abteilungsleiter. Aus 17 Spielen wurden nur zwölf Punkte geholt, allerdings hatten dem Traiser FC auch nur zwei Zähler zum Relegationsrang gefehlt. »Die Mannschaft hat Qualität. Sie hätte den schwachen November vergessen lassen können. In der Winterpause haben wir mit unserem Trainer-Team die Lage analysiert, und die Konzeption von Andreas Biehl und Patrice Krämer für die Rest-Runde hatte uns gut gefallen. Wir waren guter Dinge, dass wir sportlich den Klassenerhalt geschafft hätten, zumal wir gegen die Mannschaften aus den hinteren Regionen nun noch zu Hause gespielt hätten.« Natürlich erhoffe man sich nun Planungssicherheit durch den Verbandstag. Mit dem Duo Biehl/Krämer ist bereits Einigkeit für die kommende Saison erzielt worden.

SV Germania Ockstadt: Zum 100-jährigen Vereinsbestehen schien der Abstieg aus der Kreisliga A Friedberg fast unumgänglich. Lediglich zwei Siegen und einem Unentschieden stehen 13 Niederlagen gegenüber. Auf der Trainerbank war bereits die Reißleine gezogen worden. Tim Schlosser hatte Andre Micelotta im Kirchendorf beerbt. Über Monate verletzte Leistungsträger ergänzen das Puzzle einer sportlich fast ausweglosen Situation. Doch es wurden auch schon die Weichen gestellt. Mit etlichen Neuzugängen und Rückkehrern sollte die Mission Klassenerhalt realisiert werden. Sollte die Runde abgebrochen werden, würde Ockstadt auch im nächsten Jahr in der A-Klasse an den Start gehen.

»Wir hoffen natürlich alle, das dies so kommt und würden es dankend entgegen nehmen. Zwar wäre unser Klassenerhalt aufgrund des Tabellenbildes sicher etwas schmeichelhaft, doch war sich unser Trainer Tim Schlosser sicher, sportlich eine Aufholjagd starten zu können«, sagt Spielausschussmitglied Christopher Reuss. Auch in Bezug auf das Abstimmungsergebnis für Rundenabbruch mit Aufsteigern und keinen Absteigern hat man eine klare Meinung. »Dies ist eine faire Lösung für alle. Es gibt endlich so was wie Planungssicherheit. Und sollten nun auch die Mannschaften auf den Relegationsplätzen nach oben versetzt werden, wäre das kein Problem für uns. Auch diese Vereine haben es aufgrund ihrer Arbeit sicher verdient, aufzusteigen.«

VfB Petterweil: Im Karbener Vorort schien der Fahrstuhl auch dieses Jahr den VfB Petterweil eine Liga nach unten zu transportieren. Nach bereits zwei Abstiegen in Folge schien der Weg in die C-Liga Friedberg vorgezeichnet. Lediglich ein Saisonsieg und drei Unentschieden standen auf der Habenseite, der SV Reichelsheim und der VfB Friedberg II befanden sich immerhin in Schlagdistanz. »Wir sind der Überzeugung gewesen, den Klassenerhalt auf sportlichem Wege bewerkstelligen zu können. Zum einen hat uns aber der Zwei-Punkte Abzug wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls wehgetan, zum anderen sind zum Jahresanfang Spieler aus dem Studium zurückgekommen. Wir hatten eine gute Vorbereitung und waren uns sicher, die nötigen Punkte noch zu holen. Natürlich ist der Klassenerhalt auf diese Weise ein Glücksfall, aber dieses Szenario ist wohl das fairste von Allen«, zeigt sich Petterweils Spielausschuss Marcel Hartmann derzeit erleichtert.

Die spielfreie Zeit hat man im Karbener Stadtteil genutzt, um die Weichen für die neue Saison zu stellen. »Während der Spielunterbrechung haben wir uns zusammengesetzt und beschlossen, auf der Trainerposition was Neues zu probieren«, sagt Hartmann. Mit Daniel Wittig kehrt ein alter Bekannter nach Petterweil an den Galgenberg zurück. Er wird als Spielertrainer fungieren. Getrennt hat man sich unterdessen vom bisherigen Übungsleiter Michael Stüber.

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