25. März 2020, 20:18 Uhr

Kein vollkommener Stillstand

Das Coronavirus verändert das gesellschaftliche Leben von Grund auf - und auch den Sport. Keine Kurse, kein Training, keine Wettkämpfe. Was bedeutet das für einen Klub mit 4000 Mitgliedern, mit Festangestellten und selbstständigen Trainern? Spurensuche beim SV Fun-Ball Dortelweil.
25. März 2020, 20:18 Uhr
Auch die Sporthalle Am Siegesbaum, die Heimat des SV Fun-Ball Dortelweil, ist von den Sperrungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus bis auf Weiteres gesperrt. FOTO: NICI MERZ

Es ist ruhig in diesen Tagen rund um die Sporthalle Am Siegesbaum, die Geschäftsstelle des SV Fun-Ball Dortelweil ist aber nicht verlassen - auch wenn hier der Sportbetrieb vollständig ruht. Der rund 4000 Mitglieder große Verein aus dem Süden der Wetterau ist fast gänzlich zum Erliegen gekommen - das Coronavirus ist Schuld. Das bedeutet: Über 70 Angebote aus 19 Abteilungen mit teils mehrfachem Training in der Woche fallen weg, vom Rehasport bis Judo, von Leichtathletik bis Zumba.

»Momentan machen wir die Sachen, die liegen geblieben sind«, erklärt Susanne Ely. Als eine von drei fest angestellten Geschäftsstellenmitarbeitern wechselt sie sich mit ihren Kollegen ab und wird zudem von einem Mitarbeiter, der ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, unterstützt. Sie putzen Geräte, räumen auf und kümmern sich um Papierkram - und sie besetzen das Telefon. Doch auch dort ist es ruhig. »Die Mitglieder sind sehr entspannt«, sagt Ely. »Letztlich hat ja auch jeder damit gerechnet, sodass sich noch niemand bei uns beschwert hat. Und uns in der Geschäftsstelle wird es so schnell nicht langweilig.«

Keine finanziellen Sorgen - bis jetzt

Das war vor allem vor dem durch Bundes- und Landesbehörden angeordneten Stillstand angesichts von vielen Nachfragen und einigen Absagen von Angehörigen der Risikogruppe nicht so. Der Verein dachte bereits selbst über Einschränkungen nach, ehe die Entscheidung der Politik zur Schließung der Schulung den Ausschlag gab - und kurz darauf sämtliche Sportstätten geschlossen wurden. »Wir würden uns wünschen, dass es nach Ostern weitergeht, alleine schon, weil ein Verein etwas Soziales ist, das jetzt fehlt«, sagt Ely.

In große finanzielle Nöte bringt die Zwangspause einen der mitgliederstärksten Vereine des Wetteraukreises aber nicht - noch nicht. »Wenn es bei den anvisierten fünf Wochen bleibt, ist es nicht so dramatisch«, sagt Ely - auch mit Blick auf die Osterferien, in denen ohnehin viele Sportangebote geruht hätten. Ernster ist die Situation bei einigen Übungsleitern, denn fest angestellt beim Klub ist niemand - (fast) alles läuft auf Basis der geleisteten Stunden. Doch auch hier kann Ely zumindest etwas Entwarnung geben: Die meisten der Trainer würden über die Ehrenamtspauschale abgerechnet, die meisten hätten noch einen anderen Job. »Für Einzelfälle, bei denen das nicht so ist, wird der Vorstand sicher eine Lösung finden«, sagt sie und erklärt: »Momentan laufen auch schon Gespräche, falls der Shutdown länger anhalten sollte.«

Für die Mitglieder würden viele Übungsleiter von sich aus Trainingspläne verschicken, sodass auch zu Hause Sport getrieben werden könnte. Außerdem beschäftigt sich das Geschäftsstellen-Team in Zusammenarbeit mit dem Vorstand mit dem Aufbau einer Online-Plattform. »Bei so vielen Abteilungen wäre es schön, wenn wir das einheitlich hinbekommen würden, aber das ist nicht leicht zu koordinieren«, erklärt Ely.

Doch in einigen Punkten gibt es auch Unsicherheit bei den Fun-Ballern: Bis Ende der Woche war etwa unklar, ob der Hessentag in Bad Vilbel durchgeführt wird - erst dann kam die Absage. Eigentlich war für die Zeit zwischen 5. und 14. Juni eine Sperrung sämtlicher Hallen geplant gewesen, um Mitmachangebote und Veranstaltungen durchzuführen, außerdem waren etliche Mitglieder gemeinsam mit dem Sportkreis und dem Landessportbund an der Ausrichtung des »Festival des Sports« beteiligt. »Vor allem für die Tänzer ist es schade, sie haben ja nicht so viele Auftritten auf so einer großen Bühne«, sagt Ely. »Insgesamt waren die Meinungen über den Hessentag im Verein aber schon vorher geteilt - die einen freuen sich jetzt, die anderen finden es eben wie ich schade.«

Unsicherheiten gibt es derweil in Bezug auf den Reha-sport, bekommen doch die Betroffenen normalerweise zeitlich befristete Verordnungen, mit denen sie - durch die Krankenkasse finanziert - an Sportangeboten teilnehmen können. Ob es hier Verlängerungen gibt, ist noch unklar. Doch hier sei der Verband laut Ely bereits aktiv geworden.

Was wird aus dem Vereinszentrum?

Der wohl größte Anteil an den Sorgen der Vilbeler Vorstädter betrifft den Bau des eigenen Sportzentrums. »Hier sind viele Sachen, die jetzt entschieden werden müssen«, sagt Ely, die sich gemeinsam mit ihren Mitstreitern andere Wege der Kommunikation, wie etwa Telefon- und Videokonferenzen, suchen muss. Was die Feierlichkeiten zur für Herbst geplanten Eröffnung angeht, »denken wir noch positiv, aber natürlich ist eine gewisse Unsicherheit da«. Denn: Mit dem Neubau will der SV Fun-Ball auch der Entwicklung der Mitgliederzahlen, die zuletzt stagnierten, neuen Schwung verleihen.

Bis es so weit ist, sagt Ely hoffnungsvoll, »sind wir flexibel, wachsen an unseren Aufgaben und finden eine Lösung«.

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