30. März 2020, 07:00 Uhr

Tennis

Kein Körperkontakt, »doch jeder fasst den Ball an«

Die Medenrunde stellt für die heimischen Tennisspieler das Highlight des Jahres dar. Dennoch ist die Freiluft-Saison wegen der Coronavirus-Krise von der Absage bedroht. Hoffnung macht indes der kaum vorhandene Körperkontakt.
30. März 2020, 07:00 Uhr
Still ruht der See: Die Tennisanlage in den Bad Nauheimer »Kolonaden« ist verwaist, ob in diesem Sommer um Punkte in der Medenrunde gespielt werden kann, ist aufgrund der Situation rund um das Coronavirus aktuell offen. Der Saisonstart ist schon mal verschoben. FOTO: NICI MERZ

Mit jedem Tag verringert sich in nahezu allen Sportarten die Chance, dass der unterbrochene Ligabetrieb noch fortgesetzt werden kann. Viele Verbände haben die Saison schon vorzeitig für beendet erklärt. Ein wenig Hoffnung machen dürfen sich derzeit die heimischen Tennis-Cracks. Die Medenrunde ist für Amateure stets der Höhepunkt im Wettkampfjahr.

Zwar verkündete der Hessische Tennis-Verband (HTV) in der vorvergangenen Woche die Absage aller demnächst anstehenden Veranstaltungen wie Sichtungen, Turniere, Fortbildungen und schloss sein Schulungs- und Leistungszentrum in Offenbach. Allerdings gibt es laut HTV-Präsident Kai Burkhardt derzeit keine Planung dafür, die Medenrunde nicht zu spielen. So versprüht der Verbandschef vielleicht den Optimismus, den Sportler in diesen Zeiten so dringend brauchen. »Ich glaube nicht, dass wir das für Hessen alleine entscheiden«, sagt Burkhardt und deutet eine umfassende Entscheidung des Deutschen Tennis-Bunds an. »Es ist eine Diskussion, die mit dem DTB zu führen sein wird«, erklärt der Darmstädter, der sich nicht vorstellen kann, dass einer der 17 Verbände seinen eigenen Weg geht. Zumindest verschoben wurde der Saisonstart. Statt Anfang Mai werden die Punktspiele frühestens am 8. Juni beginnen, wie der HTV am Donnerstag auf seiner Homepage bekannt gegeben hat.

In Hessen sei man sich derweil einig, dass »Freiluft-Tennis zu den risikoärmsten Varianten« gehört, wie man sich in diesen Tagen und Wochen überhaupt noch sportlich betätigen kann. »Ähnlich wie beim privaten Jogging.«

Enorme sportliche Bedeutung

Dennoch weiß auch Burkhardt, dass sich die Lage stetig ändert und dass man sich auch im Tennis nicht über Entscheidungen hinwegsetzen kann, die an höherer Stelle getroffen werden. »Es wäre ein furchtbares Szenario, wenn wir die Medenrunde nicht spielen können«, weist der HTV-Präsident aber auch auf die enorme sportliche Bedeutung der Freiluft-Saison hin.

Der finanzielle Aspekt dürfte ebenfalls eine kleine Rolle spielen. Die Vereine geben mehrheitlich einen vierstelligen Betrag im Jahr für die Herrichtung der Plätze aus. Wenn diese dann in der Wettkampfphase nicht genutzt werden können, ist das ärgerlich.

Aktuell in der Hessenliga sind beispielsweise die Herren 70 des TC Rot-Weiß Bad Nauheim zu Hause. Das Team holte wurde zuletzt zweimal Zweiter in der höchsten hessischen Spielklasse. Irgendwann soll der große Wurf gelingen. »Wir sind alle sehr ehrgeizig«, verrät Kapitän Wolfgang Lueger, der mit 80 Jahren der älteste in der Mannschaft ist. Angst vor dem Virus hat er trotz seines Alters nicht. Dennoch hält er sich mit seinen Kollegen an alle Vorgaben, die in dieser Ausnahmesituation umzusetzen sind. Bis Montag vorvergangener Woche konnten Lueger und Co. noch im Sportpark trainieren. Dann kam der Anruf: bis auf Weiteres geschlossen. Auch sein bevorzugtes Fitnessstudio in der Kurstadt hat die Pforten dichtgemacht. Ob tatsächlich demnächst auf der schmucken Anlage »In den Kolonnaden« trainiert oder gespielt werden kann, bleibt abzuwarten. Ganz so risikoarm wie HTV-Präsident Burkhardt sieht Lueger das Freiluft-Tennis übrigens nicht. Körperkontakt ist zwar im gewöhnlichen Rückschlagsport nahezu ausgeschlossen. »Aber jeder fasst den Ball an.«

Auch beim TC Wettenberg aus dem Kreis Gießen sollte Mitte April alles bereit sein für den Trainings- und Spielbetrieb. Minke Ampt und ihre Teamkolleginnen der Damen 30 konnten bislang in Großen-Linden unter dem Hallendach trainieren. »Jetzt ist die Halle aber geschlossen«, sagt die Mannschaftsführerin. Ob der Trainingsbetrieb dann - wie geplant - ab Mitte April auf den Sandplätzen in Wißmar anlaufen kann, steht in den Sternen. Vom Verein hat Ampt noch keine Information. Für sie und ihre Mitspielerinnen geht’s um Verbandsliga-Punkte, wenn alles klappt.

Bereits abgesagt wurde die Saison in der Bundesliga der Damen. Hier hatte der TCV Bad Vilbel den Titel verteidigen wollen.

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