06. November 2018, 12:00 Uhr

Jugendfußball

Jugendfußball beim Karbener SV: Anspruch an Leistung und Werte

Hessenliga, Verbandsliga, Gruppenliga: Die Nachwuchsmannschaften des Karbener Sportvereins gehören zur Creme de la Creme im Wetteraukreis – qualitativ und quantitativ. Ein Interview.
06. November 2018, 12:00 Uhr
Leistungsorientierung, Teamgedanke, persönliche Entwicklung – die Jugendmannschaften des Karbener SV 1890 werden nach einer klaren Programmatik ausgebildet. Der Erfolg gibt ihnen bislang recht. (Foto: Jaux)

Der Karbener Sportverein 1890 betreibt im Wetteraukreis die aktivste Jugendarbeit im Fußball. 16 Mannschaften nehmen derzeit am Spielbetrieb teil. Hierbei ragen vor allem die C-Junioren in der Hessenliga und die in der Gruppenliga spielenden D-Junioren heraus, spielen doch beide Teams in der höchsten hessischen Spielklasse für ihre Altersgruppe. Doch auch die Mannschaften der A- und B- Junioren, welche beide in der Verbandsliga Süd aktuell in der Spitzengruppe mitmischen, genügen höchsten Ansprüchen. Welche Intention hinter solch einer Jugendarbeit steckt, welche Werte und Ziele den jungen Sportlern vermittelt werden sollen und warum Jugendarbeit auf diesem Niveau mit viel Eigeninitiative und finanziellen Risiken verbunden ist, schildert Thorsten Don, stellvertretender Abteilungsleiter des Karbener SV, im Interview mit der WZ.

Herr Don, wie ist der Karbener SV 1890 aus Ihrer Sicht zurzeit aufgestellt?

Thorsten Don, stellvertretender Abteilungsleiter des Karbener SV. (Archivfoto: Chuc)
Thorsten Don, stellvertretender Abteilungsleiter des Karbener SV. (Archivfoto: Chuc)

Thorsten Don: Der Karbener SV ist ein Mehrspartenverein. Neben Turnen, Tischtennis und Tennis nimmt natürlich unsere Jugendarbeit einen hohen Stellenwert ein. Bereits seit 2010 haben wir die Jugendfußballer als eigenständige Sparte im Verein etabliert, um die benötigten Gelder für eine erfolgreiche Jugendarbeit zur Verfügung zu haben. Und seit dem Ausstieg der Seniorenabteilung aus dem Verein und der Gründung des FC Karben im Jahre 2015 sind wir im Fußball ein reiner Jugendausbildungsverein.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Ausbildung junger Fußballer?

Don: Normalerweise wird in den Vereinen Jugendarbeit betrieben, um Spieler für die Seniorenmannschaften auszubilden. Das fällt bei uns weg, auch wenn wir ein gutes Verhältnis zum FC Karben pflegen und auch einige unserer Fußballer dort anheuern, wenn sie aus der Jugend kommen. Uns ist es aber wichtiger, unseren Fußballern eine gute Ausbildung zu bieten, sie als Spielertypen soweit wie möglich zu bringen, und mit einem gewissen Leistungsgedanken uns in höheren Spielklassen zu etablieren. Unsere Talente sollen davon profitieren und dies mit auf ihren sportlichen Weg nehmen. Das wir aktuell auf einem guten Weg sind, zeigen die sportlichen Erfolge und auch die Ligenzugehörigkeiten unserer einzelnen Mannschaften.

HEs stehen immer die Kinder und unser Wertesystem – Leistungsorientierung, Teamgedanke, persönliche Entwicklung – im Vordergrund

Thorsten Don

Stichwort Trainer: Setzen Sie nur auf lizenzierte Übungsleiter?

Don: Wir ermöglichen unseren Trainern den Erwerb von Lizenzen und beteiligen uns dabei an den Kosten. Ferner ist es so, dass die B-Lizenz ab Verbandsligazugehörigkeit vorausgesetzt wird. Doch es ist natürlich auch bei uns wie überall: Es gibt gute Trainer ohne Lizenz, aber alleine die Lizenz macht auch noch keinen guten Coach. Es stehen immer die Kinder und unser Wertesystem – Leistungsorientierung, Teamgedanke, persönliche Entwicklung – im Vordergrund und sollen unseren Talenten vermittelt werden.

Wo kommen Ihre Spieler und Trainer her – aus Karben und Umgebung oder ist das Einzugsgebiet größer?

Don: Die Trainer kommen fast ausschließlich aus dem näheren Umfeld oder wohnen sogar in Karben. Doch auch Wohnorte wie Dreieich sind möglich, wenn man sich bei uns als Trainer engagieren möchte. Unsere Spieler kommen vorwiegend aus der gesamten Wetterau bis Büdingen und Oberau. Doch auch Kinder aus dem Hochtaunuskreis, Frankfurt und sogar aus Hanau spielen bei uns.

Wie gehen Sie mit der Kritik aus anderen Vereinen um, Sie würden immer die besten Spieler nach Karben holen?

Don: Dem kann ich nur entgegnen, dass dies nicht so ist. In den meisten Fällen werden wir von den Eltern angesprochen oder unsere Jugendleitung wird angerufen. Wir sprechen in den seltensten Fällen Spieler direkt an. Andere Vereine scouten viel aggressiver. Wir sind mittlerweile so aufgestellt, dass unser Ruf und auch die Ligazugehörigkeit der Teams uns einen natürlichen Zulauf an jungen Talenten beschert. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass wir hier beim Karbener SV ein gutes Verhältnis untereinander pflegen, zwischen den Trainern und auch zu den Eltern. Auch das scheint sich mittlerweile in der Region herumgesprochen zu haben.

Leider fehlt es uns aber, wie anderswo auch, an der Manpower, um eine vernünftige und zielgerichtete Sponsorenakquise zu betreiben

Thorsten Don

Mit 156 Euro jährlich bei den E-Junioren haben Sie einen hohen Mitgliedsbeitrag im Vergleich zu anderen Vereinen. Worin ist das begründet?

Don: Wir haben, um Jugendfußball auf diesem Niveau anbieten zu können, hohe Kosten. Diesen können wir durch unsere Beiträge aber nur rund zur Hälfte decken. Es dürfte viele wundern, dass wir für unsere Trainerteams nur rund 100 Euro pro Monat als Aufwandsentschädigung zur Verfügung haben. Wir investieren darüber hinaus in eine vernünftige Ausstattung an Trainingsmaterialien und Spielerausrüstung, um auch nach außen ein einheitliches Bild zu verkörpern. Ferner haben wir noch unser Vereinsheim, welches ebenfalls ein Kostenfaktor ist. Und um eben diese fehlende Deckung nicht zu groß werden zu lassen, sind wir auf die Beitragszahlungen angewiesen. Ohne unseren Förderverein, der auch Gelder für unsere Jugendarbeit generiert, könnten wir auf diesem Niveau überhaupt keine Talentausbildung betreiben. Wenn man sich dann vor Augen hält, dass unsere Trainer unter dem Strich eher noch drauflegen, dann sind die Ausgaben eher bescheiden. Aber die Trainer schätzen die gute Zusammenarbeit untereinander bei uns und ein angenehmes Arbeiten mit vernünftig sozialisierten Kindern und Jugendlichen. Leider fehlt es uns aber, wie anderswo auch, an der Manpower, um eine vernünftige und zielgerichtete Sponsorenakquise zu betreiben. Hilfreich und nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang die Unterstützung der Stadt Karben, die gerade den Kunstrasenplatz erneuert. Im Zuge dessen möchten wir uns auch bei unseren Nachbarvereinen VfB Petterweil, KSG 1920 Groß-Karben und FC Rendel bedanken, die uns in der Umbauphase ihre Plätze zu Trainingszwecken zur Verfügung stellen.

Auch im Jugendfußball gibt es bei Vereinswechseln Ausbildungsentschädigungen, die zu bezahlen sind. Ist dies für Ihren Verein eine weitere Einnahmequelle?

Don: Bei uns ist man kein Freund dieser Ausbildungsentschädigungen. Wir verfolgen eher den Grundsatz, dass Spieler, die von Ihrem Heimatverein kostenlos zu uns kommen, auch jederzeit kostenlos zurückgehen können. Mit manchen Vereinen funktioniert das sehr gut, bei anderen ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Es kommen jedes Jahr Spieler, es verlassen uns jedes Jahr Spieler. So ist hier in der Regel immer ein Nullsummenspiel zu erwarten. Zeit und Kraft für die notwendigen Verhandlungen könnte man sich daher sparen. Dies ist auch der Grund, warum wir die Ausbildungsentschädigungen nicht zur Finanzierung der Jugendarbeit heranziehen können.

Mit unserem Wertesystem haben wir das Glück, dass wir Spieler bekommen, die dieses auch leben wollen und sich so mit der Sache identifizieren können

Thorsten Don

Wie hat sich der Jugendfußball seit dem Beginn der Eigenständigkeit des Karbener SV verändert, und wohin wird es sich nach Ihrer Meinung entwickeln?

Don: Mit unserem Wertesystem haben wir das Glück, dass wir Spieler bekommen, die dieses auch leben wollen und sich so mit der Sache identifizieren können. Im Vergleich dazu sind aber die Ansprüche der Eltern enorm gestiegen – »Helikoptereltern« sieht man auch zunehmend im Fußball. Wir schicken aber auch keine Kinder weg, die sportlich vielleicht nicht ganz unseren höheren Ansprüchen genügen. Hier versuchen wir ihnen in unseren dritten Mannschaften eine sportliche Heimat zu bieten. Dies wird teilweise von anderen Vereinen kritisiert, denen diese Spieler dann fehlen. Das ist zwar nachvollziehbar, aber wir wollen auch keine Spieler wegschicken, die bei uns spielen wollen. Generell wird es in Zukunft schwerer werden, eine qualifizierte Jugendarbeit zu betreiben. Gerade bei kleinen Vereinen dürfte das Problem schon jetzt aktuell sein. Es wird immer mehr zu Zusammenarbeiten, etwa in einer Jugendspielgemeinschaft oder einem Jugendfußballverein, kommen.

In Karben ist auch ein DFB-Stützpunkt angesiedelt. Wie passt das zusammen?

Don: Da gibt es keine Berührungspunkte. Das Stützpunkttraining wird von anderen Trainern geleitet, die der DFB direkt anstellt. Dort spielt eine Art Kreisauswahl, der eine zusätzliche Trainingseinheit geboten wird. Dort spielen auch Fußballer von uns, aber es gibt derzeit keine KSV-Trainer, die für den Stützpunkt tätig sind. Dies war in der Vergangenheit der Fall, aber uns ist eine klare Trennung lieber.

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