05. Juni 2019, 07:00 Uhr

»Hier geht die Post richtig ab«

Der SV Germania Schwalheim ist zurück in der Kreisliga A. Trainer Daniel Haack steigt zum zweiten Mal in Folge auf und führt die Schwalheimer Männer in zwei Fällen eine Liga höher. Basis für den Erfolg ist eine verschworene Gemeinschaft, die nur bei der Abschlussfahrt getrennte Wege geht.
05. Juni 2019, 07:00 Uhr
Der SV Schwalheim steigt als Meister der Kreisliga B, Gruppe 1, nach dreijähriger Abstinenz wieder in die A-Liga auf. (Foto: Nici Merz)

Acht Spiele, sieben Niederlagen - die Bilanz der Vorbereitungsspiele war haarsträubend. Danach war das Saisonziel für Daniel Haack klar: die Meisterschaft.

Nicht wenige hätten den Trainer des SV Germania Schwalheim nach dieser Aussage für völlig übergeschnappt erklärt. Doch Haack muss es wissen. Er kam vor der Saison als Aufstiegstrainer von Blau-Weiß Espa nach Schwalheim und führte den SV als souveränen Meister der Kreisliga B, Gruppe 1, zurück in die Kreisliga A. »Wir haben erledigt, was wir seit drei Jahren versuchen«, sagt Haack nach seinem persönlich ersten Versuch mit der Germania, die nach dem Abstieg 2016 erst im dritten Anlauf die Rückkehr schaffte.

Die auf dem Papier erfolglose Vorbereitung war Grundstein für einen Start-Ziel-Erfolg. »Ich habe viel ausprobiert und gesehen, wie sich die Spieler auf verschiedenen Positionen gezeigt haben. Danach war für mich klar, dass wir um die Meisterschaft mitspielen, wenn wir in Bestbesetzung auf dem Platz stehen«, erzählt Haack über seine Eindrücke, die anfangs nicht jeder der Zaungäste teilte.

Zudem hatte seine Mannschaft die ganze Saison über mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Trotzdem blieben die Germanen die ersten zwölf Saisonspiele ungeschlagen. »Du gewinnst die Spiele ohne Leistungsträger nur mit einer gut besetzten Bank. Die haben wir permanent gehabt«, sagt Haack. Einer der herausragenden, aber eben auch zeitweise verletzten Spieler war Stürmer Rene Steinhorst, mit 30 Treffern erfolgreichster Torjäger der Schwalheimer. »Wenn Rene durchweg hätte trainieren und spielen können, wäre er bei 45 Toren gelandet«, sagt Haack. Ob Steinhorst in der A-Liga dabei bleibt, will der 40-Jährige in den kommenden Wochen mit Blick auf seine körperliche Gesundheit selber entscheiden. Ein Daumen nach oben wäre nicht unwichtig, schließlich »reißt er die jungen Leute mit, wenn er auf dem Platz steht«, sagt Haack.

Junge Leute gibt es im Bad Nauheimer Stadtteil einige. Felix Wichmann ist nach Steinhorst mit 27 Jahren zweitältester Akteur. Der Rest ist 24 und jünger. Umso bemerkenswerter ist die Souveränität, mit der sich die Schwalheimer die ganze Saison lang an der Tabellenspitze hielten. »Durch verlorene Punkte gegen Underdogs haben wir es nochmal spannend gemacht. Aber im Spitzenspiel gegen Oppershofen haben wir gezeigt, dass wir zu Recht aufsteigen«, sagt Haack.

Die Saison perfekt machte übrigens der Aufstieg der zweiten Mannschaft aus der Kreisliga C, ebenfalls unter der Leitung von Haack. Für die kommende Spielzeit suche er aber einen »zweiten Mann«, der sich bei zeitgleichen Ansetzungen um die Reserve kümmert. Im Zusammenspiel der beiden Teams sieht Haack ebenfalls einen wichtigen Baustein: »Keiner war sich zu schade, in der Reserve auszuhelfen. Umgekehrt hat sich jeder gefreut, wenn er bei der Ersten ran durfte.«

Getrennt ist die Mannschaft nur auf Abschlussfahrt, aber auch da achtet Haack auf die Kleinigkeiten. »Mallorca ist unglaublich teuer geworden, das können sich die vielen jungen Leute bei uns in der Mannschaft nicht leisten«, sagt Haack. Für ihn und einen kleinen Teil geht es auf die spanische Insel, das hatte er im Aufstiegsfall fest geplant. Der Großteil der Truppe aber macht ein Hüttendorf in Brunsbüttel unsicher.

Vor der Feiertour ging es aber nochmal etwas sachlicher zu. Am vergangenen Mittwoch lud Haack die Mannschaft zu sich nach Hause ein. Der Grill wurde angeschmissen und bei isotonischen Sportlergetränken die Saison Revue passieren gelassen. »Ich habe den Jungs gesagt, wie ich mir die kommende Saison vorstelle, auch einige Einzelgespräche geführt«, sagt Haack. Fest steht: Keiner wird den Verein verlassen. »Das sind alles Schwalheimer Jungs. Natürlich gibt es von links und rechts Anfragen, aber die Jungs sagen: ›Warum soll ich hier weg, hier geht die Post grad richtig ab.‹ Es gibt also keinen Grund für Abgänge.«

Und das Saisonziel? »Klassenerhalt ist mir zu wenig«, sagt Haack. »Man muss einen Reizpunkt setzen. Wir wollen in der Liga mitschwimmen. Aber dass das schwer wird, wissen wir.«

An den Tischen saßen übrigens auch einige A-Jugendliche, natürlich alles Schwalheimer Jungs, die nun an den Seniorenbereich herangeführt werden sollen. Und, das ist Haack wichtig, »damit sie schon mal sehen, worum es bei uns geht: Um Gemeinschaft, und darum, alles für Schwalheim zu geben«. Denn, das soll auch die Kreisliga A bald erfahren: In Schwalheim geht die Post richtig ab.

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